Karl von Forell (1853-1912) Industrieller

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Karl von Forell (* 18. November 1853 auf dem Gut Loszeine, Kreis Rössel; † 4. April 1912 in Berlin) war ein deutscher Kaufmann, Manager und Direktor der Zementindustrie. Er gilt als einer der frühen Förderer und Wegbereiter des Drehrohrofens mit Kohlenstaubfeuerung in der deutschen Zementindustrie. Später entwickelte er eine Gasfeuerung für Drehrohröfen.

Karl von Forell
Karl von Forell
Geboren18. November 1853
in Loszainen
✝️
Gestorben4. April 1912
in Berlin

Leben und Herkunft

Karl Anton Eduard Franz von Forell wurde am 18. November 1853 als Sohn des Hauptmanns a. D. und Rittergutsbesitzers Karl v. Forell (* 21.06.1816 Kamen, † 31.12.1883 Berlin) und dessen Ehefrau Pauline, geborene Freiin von Bottlenberg gen. von Schirp (* 21.09.1823 Haus Baldeney, † 03.10.1905 Niehus/Flensburg), auf dem väterlichen Gut Loszaine im Kreis Rössel in Ostpreußen geboren.

Seine ersten Jugendjahre verbrachte er auf dem Gut der Familie das der Vater angekauft hatte. Später besuchte er ein Gymnasium in Berlin. Ursprünglich beabsichtigte von Forell, wie fast alle Familienmitglieder eine Offizierslaufbahn einzuschlagen. Aufgrund eines körperlichen Unfalls musste er diesen Plan jedoch aufgeben.

Daraufhin wandte er sich dem kaufmännischen Beruf zu und studierte beziehungsweise bildete sich in Leipzig entsprechend weiter.

Kaufmännische Tätigkeit

Von Forell war zunächst zwölf Jahre bei der Vereinigten Königs- und Laurahütte tätig. Nach dieser langjährigen Tätigkeit im kaufmännisch-industriellen Bereich wandte er sich der Zementindustrie zu.

Zunächst übernahm er die Stellung eines Direktors der Zementfabrik in Braunschweig. Später wurde er Direktor der von Dr. C. Roth gegründeten Zementfabrik in Karlstadt am Main.

In diesen Tätigkeiten entwickelte er ein besonderes Interesse an technischen Neuerungen bei der Zementherstellung.

Bedeutung für den Drehrohrofen

Besondere Bedeutung erlangte Karl von Forell durch seine frühe Erkenntnis der Möglichkeiten des Drehrohrofens für die Zementindustrie. Nach dem zeitgenössischen Nachruf in der Tonindustrie-Zeitung erkannte er dessen industrielle Bedeutung zu einer Zeit, als diese Entwicklung von einem großen Teil der Fachwelt noch nicht in ihrer späteren Bedeutung eingeschätzt wurde.

Von Forell setzte sich persönlich und finanziell für die Weiterentwicklung und industrielle Nutzung der neuen Technik ein. Dabei gelang es ihm, die Buderusschen Eisenwerke für den Bau eines Drehrohrofens mit Kohlenstaubfeuerung zu gewinnen.

Der erste dieser Öfen wurde in Lollar bei Gießen aufgestellt. Seine Inbetriebnahme erregte innerhalb der Zementindustrie erhebliches Aufsehen und wurde von Fachleuten aufmerksam verfolgt.

Die Kohlenstaubfeuerung erwies sich allerdings noch als technisch problematisch. Von Forell widmete sich deshalb über Jahre der Verbesserung des Verfahrens.

Gasfeuerung für Drehrohröfen

Nach jahrelangen Versuchen gelang es Karl von Forell nach Angaben des Nachrufs Ende 1910, eine Gasfeuerung für Drehrohröfen zu entwickeln.

Die Weiterentwicklung und industrielle Einführung dieser Technik befand sich zum Zeitpunkt seines Todes noch im Aufbau. Der Nachruf in der Tonindustrie-Zeitung bewertete diese Entwicklung als bedeutende technische Neuerung und bedauerte, dass von Forell die weitere Entwicklung seiner Erfindung nicht mehr erleben konnte.

Damit verband sich seine Tätigkeit sowohl mit der frühen Einführung des Drehrohrofens als auch mit dessen Weiterentwicklung hinsichtlich der Feuerungstechnik.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Nach der Verwertung seiner ersten Erfindung investierte von Forell den daraus erzielten Gewinn in eine große Hamburger Firma.

Nach Darstellung des zeitgenössischen Nachrufs wurde er von deren Inhabern aufgrund über Jahre planmäßig gefälschter Bücher und Bilanzen zum Eintritt in das Unternehmen veranlasst. Nach dem späteren Zusammenbruch der Firma verlor Karl von Forell dadurch sein gesamtes erworbenes Vermögen.

Trotz dieses schweren wirtschaftlichen Rückschlags setzte er seine beruflichen und technischen Bemühungen fort. Nach Jahren des Kampfes und der Arbeit sah er nach Angaben des Nachrufs wieder einer besseren Zukunft entgegen, als er starb.

Familie

Karl von Forell war mit ∞ 1881 Thekla Klara Ida Rothe, (* 11.03.1856 Berlin † 12.11.1939 Moers-Baerl), verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor:

Herbert Georg Friedrich Karl Eduard von Forell (* 15. Juni 1883 Berlin; + 1957.) Rittmeister.

Nach dem Tod seiner Tante Berta (siehe „Bertastraße“) 1899 erbte er einen Großteil des Vermögens und erhielt auch den Erlös aus dem Verkauf des Schlosses Strünkede 1901. Auch diese Vermögensteile sind durch das falsche Invest verloren gegangen.

Tod und Würdigung

Die Tonindustrie-Zeitung würdigte von Forell insbesondere wegen seines freundlichen und verbindlichen Wesens sowie wegen seiner Beharrlichkeit bei der Durchsetzung technischer Neuerungen. Der Nachruf hebt hervor, dass er seine persönliche Arbeitskraft und auch seine eigenen finanziellen Mittel einsetzte, um die von ihm erkannte Bedeutung des Drehrohrofens für die deutsche Zementindustrie praktisch nutzbar zu machen.

Die Zementindustrie verdanke ihm wichtige Impulse bei der Einführung und Weiterentwicklung des Drehrohrofens. Der Nachruf schließt mit der Feststellung, dass die deutsche Zementindustrie dem Verstorbenen dauerhaft ein Andenken bewahren werde.

Die Gemeinde Baukau widmete 1903 den Karlsplatz nach ihm.

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Quellen