Karl Voß (1887-1990) „Opa Voss“

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Karl Voß (* 11. Oktober 1887 in Herne; † 30. Juni 1990 ebd.) war ein aus Herne stammender Koch, Konditor, Gastwirt und Unternehmer. Überregionale Bekanntheit erlangte er posthum als Großvater des Musikers Stephan Remmler (Trio), der ihm 1993 mit dem Lied „Opa Voß“ auf dem Album Vamos ein musikalisches Denkmal setzte. Das Lied schildert in erzählerischer Form das bewegte Leben des damals 102-jährigen Familienoberhauptes.

Karl Voss
Karl Voss
Geboren11. Oktober 1887
in Herne
✝️
Gestorben30. Juni 1990
in Herne

Leben

Karl (Carl) Voß wurde am 11. Oktober 1887 als Sohn des Wirtes und früheren Anstreichers August Voss (1854-1924) und dessen Frau Anna geb. Asbeck gen. Stienewinkel (1858-1934) geboren und verstarb am 30. Juni 1990 im Alter von 102 Jahren.

Nach den Erinnerungen seines Enkels Stephan Remmler absolvierte Voß eine Ausbildung als Koch und Konditor. Während seiner beruflichen Laufbahn soll er unter anderem beim bulgarischen König gekocht haben. Seine spätere Ehefrau lernte er demnach während einer gemeinsamen Tätigkeit im Berliner Hotel Adlon kennen. Diese Angaben beruhen auf den autobiographischen Erinnerungen Remmlers.

Während des Ersten Weltkriegs war Karl Voß als Fahrer einer sogenannten Gulaschkanone (Feldküche) eingesetzt. Am Zweiten Weltkrieg nahm er aufgrund seines Alters nicht mehr als Soldat teil.

Bis mindestens 1925 ist Carl Voß zudem als Betreiber des Ausflugslokals Zillertal in Bochum-Riemke nachweisbar.
Nachweislich war Carl Voß Gastronom und Pächter des traditionsreichen Restaurant mit Hotel Ruhrgarten in Witten-Bommern, dessen Geschichte bis ins Jahr 1898/1900 zurückreicht.[1] 1939 wohnte er in der Ruhrmannstraße 3 und war seit dem 1. Dezember 1939 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 7.338.198).

Nach der Zerstörung seiner Existenz und Aufgabe des Unternehmens zog er zurück nach Herne und betrieb noch viele Jahre einen Zigarrenladen in seinem Haus. Bis ins hohe Alter blieb er aktiv; nach den Erinnerungen seiner Familie bereitete er selbst mit über 90 Jahren noch das Weihnachtsessen zu.

Sein geerbte Haus an der Wiescherstraße 14 ist heute Neubebaut.

Familie

Karl Voß war Großvater des Musikers Stephan Remmler (* 1946 in Witten), Mitbegründer der Band Trio. In der Traueranzeige werden als Kinder unter anderem Hannelore Remmler, geb. Voß, sowie weitere Familienangehörige genannt. Damit ist die familiäre Verbindung zwischen Karl Voß und Stephan Remmler dokumentiert.

„Opa Voß“

Mit dem Titel „Opa Voß“, erschienen 1993 auf dem Album Vamos, schuf Stephan Remmler eines der ungewöhnlichsten Stücke seines Solo-Werkes. Im Gegensatz zu seinen oft humorvollen oder minimalistischen Liedern erzählt Remmler hier nahezu ohne Ausschmückung die Lebensgeschichte seines Großvaters.

Das Lied schildert Stationen aus dessen Leben:

  • Geburt im Jahr 1888 (Remmler rundet das Geburtsjahr offenbar auf);
  • Ausbildung als Koch und Konditor;
  • Tätigkeit beim König von Bulgarien;
  • Kennenlernen seiner Frau im Hotel Adlon in Berlin;
  • Einsatz mit der Feldküche im Ersten Weltkrieg;
  • eigener Gastronomie- und Hotelbetrieb;
  • späterer Zigarrenladen;
  • seine außergewöhnliche körperliche Fitness („Mister Flott“);
  • Tod im Alter von 102 Jahren.

Der Refrain greift Erinnerungen der Nachbarschaft auf und endet mit den Worten:

„… jetzt geht der alte Voß nach Haus.“

Das Lied gilt innerhalb von Remmlers Werk als eine sehr persönliche Familienchronik und zugleich als Zeitbild des 20. Jahrhunderts.

Liedtext

Musik und Text: Stephan Remmler

Von meinem Opa will ich erzählen, Voss hat er geheissen,
1888 ist er geboren und ist 102 Jahre alt geworden,
so alt wird kein Schwein, haben wir immer gesagt,
und dann hat er gelacht,
Koch und Konditor hat er gelernt und beim König von Bulgarien
hat er mal gekocht, den gabs damals noch,
seine Frau hat er kennengelernt im Hotel Adlon in Berlin,
da haben die beiden gearbeitet,
im Zweiten Weltkrieg ist er nicht mehr Soldat gewesen,
da war er schon zu alt, aber im Ersten Weltkrieg
da ist er dabei gewesen, da hat er den Pferdewagen gefahren
mit der Gulaschkanone hintendrauf,
und die Leute hört man sagen, als er kam in seinem Wagen
da schau her, der Voss, da kommt er angebraust.
Einen kleines Lastwagen aus Holz hat er mir mal gebaut,
das weiss ich noch, er selber ist immer zu Fuss gegangen
schnell ist er gegangen, Mister Flott haben sie ihn genannt,
und als wir dann da waren, die Enkelkinder, da haben sie ihn
Opa Flott genannt, seinen eigenen Betrieb hat er gehabt,
Restaurant, Mittagstisch, Kaffee und Kuchen, alles selber gebacken
und gekocht, kleines Hotel war auch dabei, viel Arbeit,
so richtig reich ist er nicht dabei geworden, aber es war okay,
weit über 70 Jahre war er schon, als er damit aufgehört hat,
und die Leute hört man sagen, als er packt in jenen Tagen,
da schau her, jetzt macht der Opa Voss die Lichter aus.
Kleinen Zigarrenladen hat er dann gehabt, und wenn er zu Weihnachten
zu meiner Mutter kam, kam er Heiligabend immer erst ganz spät
weil tagsüber ja das Geschäft noch auf war,
und am ersten Feiertag hat er dann die Gans gebraten,
so bis 96 da hat er noch alles selber gemacht, dann wurds weniger,
mitm Hören wurds schlechter, und mitm Laufen gings
auch nicht mehr so gut, und wenn er so sass in seinem Sessel,
und wir haben ihn gefragt, wies ihm geht, dann hat er gesagt,
wenn man so sitzt, dann gehts und dann hat er gelacht,
und eines Tages gings dann nicht mehr,
und die Leute hört man sagen, als sie ihn zum Friedhof tragen,
da schau her, jetzt geht der alte Voss nach Haus,
jetzt geht der alte Voss nach Haus.[2]

Bedeutung für Herne

Karl Voß gehört nicht zu den bekannten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte im öffentlichen Sinne, besitzt jedoch kulturgeschichtliche Bedeutung als Vorfahre eines der bekanntesten Musiker des Ruhrgebiets. Durch „Opa Voß“ wurde seine Biographie Teil der deutschen Popmusikgeschichte. Das Lied vermittelt zugleich ein anschauliches Bild kleinbürgerlicher Lebenswelten zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik, den Weltkriegen und der Nachkriegszeit. Für die lokale Erinnerungskultur stellt Karl Voß ein Beispiel dafür dar, wie persönliche Familiengeschichte über Musik Eingang in das kulturelle Gedächtnis finden kann.

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