Karl Hugo Pruys (1938-2016) Journalist

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Karl Hugo Pruys
Karl Hugo Pruys
Geboren8. März 1938
in Herne
✝️
Gestorben23. Juli 2016

Karl Hugo Pruys (* 8. März 1938 in Herne; † 23. Juli 2016 ) war ein deutscher Journalist, Publizist, Kommunikationswissenschaftler und Schriftsteller. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Arbeiten zur Publizistik und Massenkommunikation, durch politische Biografien sowie durch sprach- und literaturkritische Veröffentlichungen. Einen besonderen Bezug zu Herne hat Pruys durch seine Geburt und seine Schulzeit in der Stadt. Er gehört damit zu den aus Herne hervorgegangenen Publizisten der Nachkriegsgeneration.[1]

Herkunft und Schulzeit in Herne

Karl Hugo Pruys wurde am 8. März 1938 in Herne als Sohn des Buchdruckers Hugo Pruys geboren. Seine frühen Lebensjahre sind bislang nur in einzelnen Quellen greifbar. Im Jahr seiner Geburt wohnte die Familie im Haus Kaiser-Wilhelm-Straße 3, der heutigen Viktor-Reuter-Straße 3. Dort betrieb sein Vater eine Leihbücherei. Pruys wuchs damit in einem von Büchern, Druck und Presse geprägten familiären Umfeld auf.

Später verlegte die Familie ihren Wohnsitz in die Markgrafenstraße 1. Für die Jahre 1959/60 ist diese Anschrift nachweisbar. Bemerkenswert ist, dass sich im selben Gebäude zu dieser Zeit auch die Herner Redaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) befand. Damit begegnet bereits in Pruys' Herner Jugend und frühem Erwachsenenalter jene Verbindung von Buch, Druck, Presse und öffentlicher Kommunikation, die auch seine spätere berufliche Laufbahn bestimmen sollte.

Pruys besuchte in Herne das Neusprachliche Gymnasium an der Neustraße. Seine Schulzeit, das berufliche Umfeld seines Vaters und die räumliche Nähe zu einer Zeitungsredaktion bilden damit wichtige biografische Stationen vor seinem späteren Studium und seiner journalistischen Laufbahn außerhalb Hernes. Die Bedeutung dieses Umfeldes für seine spätere Berufswahl lässt sich zwar nicht unmittelbar belegen, die auffällige Verbindung der frühen Lebensstationen zu Buchwesen und Presse ist jedoch bemerkenswert. [2]

Studium und Beginn der journalistischen Laufbahn

Nach dem Schulbesuch in Herne studierte Pruys in Saarbrücken, Münster und Göttingen. Als Studienfächer werden Soziologie, Geschichte und Publizistik beziehungsweise Publizistikwissenschaft genannt. Bereits während dieser Zeit beschäftigte er sich mit Fragen der öffentlichen Kommunikation und des Mediensystems.[3]

Seine berufliche Tätigkeit begann im Zeitungswesen. Er arbeitete als Redakteur und Korrespondent für verschiedene regionale und überregionale Zeitungen. Zu den genannten Stationen gehören unter anderem die Stuttgarter Zeitung, der Münchner Merkur, die Frankfurter Neue Presse und die Tageszeitung Die Welt. Als Journalist unternahm er unter anderem Reisen nach Portugal und Afrika.[4]

Das Wörterbuch zur Publizistik

Eine wichtige frühe Veröffentlichung war das 1969 erschienene Wörterbuch zur Publizistik. Das Werk entstand auf der Grundlage eines von Pruys entwickelten Konzepts. Als Mitarbeiter wirkte der Dortmunder Pressehistoriker Kurt Koszyk mit, der zu dieser Zeit zu den bedeutenden deutschen Publizistik- und Pressehistorikern gehörte.[5]

Das Wörterbuch erschien im Deutschen Taschenbuch Verlag und erreichte mehrere Auflagen. Es gehört zu den frühen systematischen Nachschlagewerken zur Fachsprache der Publizistik und wurde später durch das Handbuch der Massenkommunikation ergänzt.[6]

Die Zusammenarbeit mit Kurt Koszyk ist auch aus regionalgeschichtlicher Sicht bemerkenswert. Koszyk war in Dortmund tätig und gehörte zu den prägenden Forschern der Pressegeschichte des Ruhrgebiets. Pruys' frühe publizistische Arbeit stand damit in einem wissenschaftlichen und journalistischen Umfeld, das eng mit der Geschichte der Medien- und Presseforschung in Nordrhein-Westfalen verbunden war.

Tätigkeit bei der Deutschen Welle

Von 1968 bis 1972 arbeitete Pruys bei der Deutschen Welle in Köln. Dort war er im Bereich Features und Dokumentationen tätig.[7]

In dieser Phase weitete sich sein journalistisches Tätigkeitsfeld vom klassischen Zeitungsjournalismus auf den Rundfunk aus. Seine Beschäftigung mit Kommunikation und Medien verband damit wissenschaftliche, publizistische und praktische Erfahrungen.

Tätigkeit in der Bundespolitik

Eine neue Phase begann in den 1970er Jahren. Von 1973 bis 1977 arbeitete Pruys in der Bundesgeschäftsstelle der CDU und war Sprecher des Bundesvorsitzenden Helmut Kohl.[8]

Die Tätigkeit als Pressesprecher brachte ihn unmittelbar in das politische und mediale Zentrum der Bundesrepublik. In den folgenden Jahren blieb Pruys als Journalist eng mit der Bonner Politik verbunden. Von 1978 bis 1986 arbeitete er als Bonner Korrespondent des Münchner Merkur.[9]

Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Veröffentlichungen über politische Persönlichkeiten und politische Entwicklungen. Seine spätere Tätigkeit als freier Journalist und Buchautor knüpfte an diese Erfahrungen an.

Schriftstellerisches Werk

Pruys veröffentlichte seit den 1960er Jahren eine größere Zahl von Büchern. Inhaltlich lassen sich seine Veröffentlichungen mehreren Bereichen zuordnen: Publizistik und Kommunikation, politische Biografien, Sprachkritik, Literatur und Belletristik.

Zu seinen bekannten Veröffentlichungen gehören das Handbuch der Massenkommunikation (1980), der Roman Die Akte Jean (1991), Im Vorfeld wird zurückgeschossen. Wie Politiker und Medien die deutsche Sprache verhunzen (1994), Helmut Kohl. Die Biographie (1995), Die Liebkosungen des Tigers. Eine erotische Goethe-Biographie (1997), Die deutsche Phrasenparade (1998), Ich rede, also bin ich (2000), DIE BIBLIOTHEK. 44 Bücher, die man gelesen haben muß (2001) und Die Republik der Phrasendrescher (2004).[10]

Sein Buch Die Republik der Phrasendrescher beschäftigte sich mit dem Gebrauch und Missbrauch der deutschen Sprache in Politik, Medien und Öffentlichkeit. Der Deutschlandfunk charakterisierte das Werk als Sammlung sprachkritischer Beobachtungen und Beispiele aus öffentlicher Kommunikation.[11]

Pruys und Helmut Kohl

Besondere Bekanntheit erlangte Pruys durch seine Beschäftigung mit Helmut Kohl. Aufgrund seiner Tätigkeit als Pressesprecher im Umfeld Kohls verfügte er über einen unmittelbaren Einblick in die politische Kommunikation der CDU-Führung der 1970er Jahre.

1995 veröffentlichte er Helmut Kohl. Die Biographie. Die Universitätsbibliothek Heidelberg führt das Werk als Biografie und beschreibt Pruys als Journalisten mit Erfahrungen aus Hörfunk und Presse sowie als Autor zahlreicher zeitgeschichtlicher, sprach- und literaturkritischer sowie kommunikationswissenschaftlicher Veröffentlichungen.[12]

2004 erschien mit Helmut Kohl: Der Mythos vom Kanzler der Einheit eine weitere Veröffentlichung zu Kohl. Die Bewertung dieser politischen Schriften fiel in der Forschung und Publizistik unterschiedlich aus. In der Historisch-Politischen Mitteilungen wurde insbesondere Pruys' Interpretation von Kohls Haltung zur deutschen Einheit kritisch beurteilt.[13]

Bedeutung für die Herner Stadtgeschichte

Der unmittelbare Herne-Bezug von Karl Hugo Pruys liegt vor allem in seiner Herkunft. Er wurde 1938 in Herne geboren und besuchte dort das Neusprachliche Gymnasium. Danach verließ er die Stadt für Studium und Beruf und entwickelte eine überregional ausgerichtete journalistische und publizistische Tätigkeit.[14]

Für die Geschichte Hernes ist Pruys deshalb weniger als lokaler Chronist oder Journalist von Bedeutung, sondern als Beispiel für einen Bildungs- und Berufsweg aus dem industriell geprägten Ruhrgebiet in die bundesdeutsche Medien- und Politikwelt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Als einer seiner Nachfolger ist Robin Alexander anzusehen.

Bemerkenswert ist zugleich die Verbindung Pruys zu Kurt Koszyk, der als Dortmunder Pressehistoriker an Pruys' frühem publizistischem Hauptwerk beteiligt war. Das Wörterbuch zur Publizistik verbindet damit einen aus Herne stammenden Journalisten mit einem der wichtigsten Pressehistoriker des benachbarten Ruhrgebiets.[15]

Werke (Auswahl)

  • Wörterbuch zur Publizistik, München 1969, mit Kurt Koszyk.
  • Macht und Meinung. Aspekte der SPD-Medienpolitik, 1975, mit Volker Schulze.
  • Handbuch der Massenkommunikation, 1980.
  • Die Akte Jean, Roman, 1991.
  • Im Vorfeld wird zurückgeschossen. Wie Politiker und Medien die deutsche Sprache verhunzen, 1994.
  • Helmut Kohl. Die Biographie, 1995.
  • Die Liebkosungen des Tigers. Eine erotische Goethe-Biographie, 1997.
  • Die deutsche Phrasenparade. 99 Allgemeinplätze, 1998.
  • Ich rede, also bin ich. Sprache ohne Sprüche, 2000.
  • DIE BIBLIOTHEK. 44 Bücher, die man gelesen haben muß, 2001.
  • Die Republik der Phrasendrescher. Wortwörtliches einer verunglückten Sprache, 2004.
  • Helmut Kohl: Der Mythos vom Kanzler der Einheit, 2004.
  • Bis in die Puppen. Die hundert populärsten Redensarten, 2008.[16]

Literatur und Quellen

  • Karl Hugo Pruys / Kurt Koszyk: Wörterbuch zur Publizistik. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1969.
  • Karl Hugo Pruys: Handbuch der Massenkommunikation. Verlag Dokumentation, München 1980.
  • Karl Hugo Pruys: Helmut Kohl. Die Biographie. Berlin 1995.
  • Universitätsbibliothek Heidelberg: Karl Hugo Pruys: Helmut Kohl. Die Biographie. Mit Dokumenten.
  • BeBra Verlag: Autorenporträt Karl Hugo Pruys.
  • Deutschlandfunk: Reinhard Backes, Karl Hugo Pruys: Die Republik der Phrasendrescher, 24. Mai 2004.
  • Hans-Otto Kleinmann: Historisch-Politische Mitteilungen, Jg. 15 (2008).

Verwandte Artikel

Quellen

  1. Biografische Angaben zu Karl Hugo Pruys, insbesondere Geburtsdatum, Geburtsort und Schulbesuch, nach der biografischen Darstellung in: Karl Hugo Pruys, abgerufen 16. September 2026. Die Angaben werden durch das Autorenporträt des BeBra-Verlags und bibliografische Quellen bestätigt.
  2. Vgl. die biografische Darstellung zu Karl Hugo Pruys mit der Angabe des Besuchs des Neusprachlichen Gymnasiums in Herne: Karl Hugo Pruys.
  3. Vgl. die biografischen Angaben im Vorwort des Wörterbuchs zur Publizistik, in dem Pruys als 1938 in Herne/Westfalen geborener Student der Soziologie, Geschichte und Publizistik vorgestellt wird: Vorschau des Wörterbuchs zur Publizistik.
  4. Vgl. die biografische Darstellung im Wörterbuch zur Publizistik, a. a. O.; außerdem die Autorenangaben der Universitätsbibliothek Heidelberg zu Pruys.
  5. Vgl. Wörterbuch zur Publizistik, dtv, München 1969, Autorenangaben; die bibliografische Erfassung weist Kurt Koszyk und Karl Hugo Pruys als Bearbeiter aus.
  6. Vgl. die bibliografischen Angaben zu Karl Hugo Pruys sowie die Darstellung seiner Veröffentlichungen in: Karl Hugo Pruys.
  7. Vgl. die biografischen Angaben zu Karl Hugo Pruys, insbesondere zur Tätigkeit bei der Deutschen Welle 1968–1972: Karl Hugo Pruys.
  8. Vgl. Karl Hugo Pruys, Autorenbiografie des BeBra Verlags: Karl Hugo Pruys.
  9. Vgl. die biografische Darstellung zu Karl Hugo Pruys, a. a. O.
  10. Bibliografische Zusammenstellung nach der Autorenbiografie und den Katalogangaben, u. a. Universitätsbibliothek Heidelberg und BeBra Verlag.
  11. Reinhard Backes: Karl Hugo Pruys: Die Republik der Phrasendrescher. Wortwörtliches einer verunglückten Sprache, Deutschlandfunk, 24. Mai 2004, [1].
  12. Universitätsbibliothek Heidelberg: Pruys, Karl Hugo: Helmut Kohl: die Biographie; mit Dokumenten, Katalogeintrag, [2].
  13. Hans-Otto Kleinmann: Rezension beziehungsweise Besprechung der Kohl-Literatur in: Historisch-Politische Mitteilungen, Jg. 15 (2008), S. 496 ff., [3].
  14. Vgl. die Angaben zum Geburtsort und Schulbesuch in der biografischen Literatur zu Pruys.
  15. Vgl. die Autorenangaben des Wörterbuchs zur Publizistik und die bibliografische Erfassung von Koszyk/Pruys.
  16. Zusammenstellung nach den bibliografischen Angaben bei der Universitätsbibliothek Heidelberg, dem BeBra Verlag und den verfügbaren bibliografischen Nachweisen.
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