Karl-Otto Pilgrim (1924-2003) Bergrat, Politiker und Lebensretter

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Karl-Otto Pilgrim (*17. Dezember 1924 in Essen; † 27. Oktober 2003 in Bochum) war Bergrat, Kommunalpolitiker und langjährig engagiertes Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Er gehörte zu jener Generation von Verantwortungsträgern, die in der Phase der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen in den 1970er Jahren am Aufbau der Bezirksvertretungen mitwirkten.[1]

Karl-Otto Pilgrim
Pilgrim-Karl-Otto-(1924-2003).jpg
Pilgrim-Karl-Otto-(1924-2003).jpg
Geboren am: 17. Dezember 1924
Geboren in: Essen
Gestorben am: 27. Oktober 2003
Gestorben in: Bochum
Beruf: Bergrat a.D.
Letzte Adresse: Ringstraße 64c
Letzte Änderung: 23.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Herkunft und Ausbildung

Karl-Otto Pilgrim besuchte von 1931 bis 1935 die Volksschule in Essen. Anschließend wechselte er 1935 an das Helmholtz-Gymnasium Essen.

Seine Schulzeit wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Von November 1942 bis April 1943 war er im Küstenschutz in Frankreich eingesetzt, ab Oktober 1943 an der Ostfront. Er erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse. Vom 25. August 1944 bis zum 28. August 1945 befand er sich in russischer Kriegsgefangenschaft.

Am 1. November 1945 nahm er den Schulbesuch wieder auf und legte am 16. Mai 1946 das Kriegsabitur ab. Nach drei Jahren "unter Tage" studierte er an der Bergakademie in Clausthal-Zellerfeld das Bergfach.

Beruflicher Werdegang im Bergbau

Nach seinem Studium kam Pilgrim nach Herne und arbeitete kurz bei der Gewerkschaft WISOKA. 1952 wurden Teile des Grubenfeldes „Von der Heydt“ an die Gewerkschaft WISOKA verpachtet. Diese betrieb von 1952 bis 1964 die Kleinzeche Zeche Von der Heydt und baute dort verbliebene Kohlenrestpfeiler ab.

Am 14. Februar 1957 legte Pilgrim das Diplom als Bergingenieur (FD) ab. Am 11. Juli 1962 wurde er beim Bergamt Lünen zum Bergrat ernannt.

Zuletzt war er Vizepräsident des Landesoberbergamt Dortmund. Zu seinen letzten Amtshandlungen gehörte die Genehmigung des Tagebaus Garzweiler I.

Kommunalpolitisches Engagement

Pilgrim war Mitglied der SPD und gehörte von 1969 bis 1975 der Stadtverordnetenversammlung Herne an. 1975 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

In der Phase der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen wirkte er als erster Bezirksvorsteher in Herne. Die Einführung der Bezirksvertretungen stellte eine neue Ebene örtlicher Mitbestimmung dar und war mit organisatorischen und politischen „Geburtswehen“ verbunden.

Pilgrim betonte in programmatischen Stellungnahmen:

  • die enge Zusammenarbeit zwischen Rat und Bezirksvertretung,
  • die Bedeutung aktiver Bürgerbeteiligung,
  • die Rolle der Bezirksvertretung als Bindeglied zwischen Bürgerschaft, Rat und Verwaltung.

Eine Konkurrenz zwischen Rat und Bezirksvertretung lehnte er ab. Die Bezirksvertretungen verstand er als unterstützende und vermittelnde Institutionen, eingebettet in das Gesamtinteresse der Stadt.

Ein Jahr nach Aufnahme der Arbeit stellte er fest, dass die neue Institution in der Bevölkerung noch wenig bekannt sei und auch innerhalb der politischen Gremien Unsicherheiten über Aufgaben und Befugnisse bestünden. Seine Ausführungen dokumentieren die Anlaufprobleme und Zielsetzungen dieser Reformphase.

Engagement in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Zeit seines Lebens war Pilgrim der Arbeit der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verbunden.

Am 14. März 1989 übernahm er das Amt des Vorsitzenden der DLRG, Landesverband Westfalen, Bezirk Herne/Wanne-Eickel, Ortsgruppe Herne e.V. (VR 294). Diese Vorstandstätigkeit beendete er am 28. April 1995.

Sein Engagement unterstreicht sein Selbstverständnis als verantwortungsbewusster Bürger, der neben beruflicher und politischer Tätigkeit auch im Ehrenamt tätig war.

Politisches Selbstverständnis

Pilgrims kommunalpolitisches Denken war geprägt von:

  • Bürgernähe,
  • Kooperation statt Konfrontation,
  • klarer Aufgabenabgrenzung,
  • Orientierung am „Wohle der Gesamtheit“.

Demokratie verstand er als wechselseitigen Prozess, der sowohl Engagement der politischen Gremien als auch aktive Mitwirkung der Bürgerschaft erfordert.

Familie

Karl-Otto Pilgrim war zweimal verheiratet.

Aus der ersten Ehe mit Brunhild geb. Ringler († 4. Dezember 1975 in Herne) gingen zwei Kinder hervor:

  • Sabine (*1959)
  • Christian (*1965)

Mit seiner zweiten Frau Josefa widmete er sich in den 1980er Jahren u.a. dem Gesellschaftstanz in der Tanzschule Schmidt-Hutten.

In Herne wohnte er zunächst Wielandstraße 3, zuletzt Ringstraße 64c.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Karl-Otto Pilgrim steht exemplarisch für die Generation kommunalpolitischer Akteure, die in der Phase institutioneller Neuordnung der 1970er Jahre Verantwortung übernahmen.
Sein Wirken dokumentiert die Anfangsphase der Bezirksvertretungen in Herne und die Bemühungen, neue demokratische Strukturen in der kommunalen Praxis zu etablieren und zu legitimieren.

Werke

  • Pilgrim, Karl-Otto: Versatzbedarf unter Berücksichtigung der vorhandenen Halden u. Prüfung der Aufbereitung u. Zuführung des Versatzgutes nach unter Tage, Assessorarbeit.
  • Pilgrim, Karl-Otto: Behördliche Vorschriften und Richtlinien zum Lärm. Glückauf 114. (1978) S. 1080/82.
  • Pilgrim, Karl-Otto: Meine Erfahrungen als Bezirksvorsteher: In: Herne - unsere Stadt - 01 / 1976.

Archivalien

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.


Verwandte Artikel

Quelle

  1. Ich danke herzlich Dr. Christian Pilgrim und dessen Frau Birgit Pilgrim (Goch) für ihre freundliche Mithilfe bei der Recherche zu diesem Artikel.