Jonny Reinert (1929-2004) King of the Bottleships - Buddelschiffbauer

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Jonny Heinrich Reinert (*19. Mai 1929 in Herne; † 22. August 2004 ebenda) war ein deutscher Buddelschiffbauer. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern dieses Kunsthandwerks im 20. Jahrhundert und wurde international bekannt.

Jonny Reinert
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Foto von Helmut Orwat. Aus Herne - unsere Stadt - 02 / 1975

Geboren am: 19. Mai 1929
Geboren in: Herne
Gestorben am: 22. August 2004
Gestorben in: Herne
Letzte Änderung: 17.03.2026
Geändert von: Andreas Janik


Jonny Reinert wurde 1929 in Herne geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er 1945 eine Ausbildung im Bergbau auf der Zeche „Friedrich der Große“.

Er gab den Beruf jedoch früh auf. In der Folgezeit hielt er sich unter anderem in Hamburg auf und verbüßte dort eine Haftstrafe. Während dieser Zeit begann er mit dem Bau von Buddelschiffen. Das Handwerk erlernte er autodidaktisch.

Seit den 1960er-Jahren lebte Reinert wieder in Herne, zunächst im Stadtteil Horsthausen, später in Herne-Mitte.

Werk

Reinert schuf im Laufe seines Lebens etwa 800 Buddelschiffe und verwandte Objekte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch:

  • hohe Detailgenauigkeit
  • maßstabsgerechte Konstruktion
  • eigens entwickelte Arbeitstechniken

aus.

Die Modelle wurden außerhalb der Flasche in Einzelteilen gefertigt und anschließend durch den Flaschenhals in das Gefäß eingebracht und dort montiert.

Neben klassischen Segelschiffen entstanden auch komplexe maritime Szenen sowie Darstellungen moderner Schiffstypen. Als Materialien verwendete Reinert unter anderem Holz, Metall und Knochen.

Tätigkeit für Museen

Zwischen 1967 und 1972 arbeitete Reinert im Auftrag des Buddelschiffmuseums in Neuharlingersiel. Dort entstand eine größere Werkgruppe unter dem Titel:

„Vom Einbaum zum Atom-U-Boot – eine Schifffahrtsgeschichte in Flaschen“

Diese Arbeiten dokumentieren die Entwicklung der Schifffahrt in Miniaturform.

Ein Teil seiner Werke befindet sich heute in Museen sowie in privaten Sammlungen.

Weltrekorde

Jonny Reinert erlangte internationale Bekanntheit durch seine Arbeiten im Großformat:

  • 1982 stellte er einen Weltrekord für das größte Buddelschiff auf
  • 1985 übertraf er diesen mit einem Modell in einer speziell angefertigten Großflasche (ca. 129 Liter)

Seine Arbeiten wurden in diesem Zusammenhang auch im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt.

Bedeutung

Jonny Reinert gilt als einer der bedeutendsten Buddelschiffbauer des 20. Jahrhunderts. Zeitgenössische Quellen bezeichneten ihn als „King of the Bottleships“. Sein Werk verbindet handwerkliche Präzision mit künstlerischer Gestaltung und dokumentiert zugleich maritime Geschichte im Miniaturformat. Reinert gilt daher als einer der bedeutendsten Buddelschiffbauer seiner Zeit, denn seine Arbeiten verbinden handwerkliche Präzision mit künstlerischem Anspruch. Für die Stadt Herne besitzt er lokalgeschichtliche Bedeutung als außergewöhnlicher Vertreter eines seltenen und für das Ruhrgebiet außergewöhnlichen Kunsthandwerks.

Friedhelm Wessel [1]

Wie das Schiff in die Flasche kam

Ihre Begegnung in den 1960er-Jahren sollte ihr Leben wesentlich verändern: In Bochum trafen sich zufällig der Eisenwarenhändler Helmut Landmann und Ex-Bergmann Jonny Reinert. Jonny, der aus Feldherren-Siedlung in Horsthausen stammte, hatte sich einige Zeit in Hamburg herumgetrieben und landete sogar im berüchtigten Santa Fu, der bekanntesten Strafanstalt Deutschlands.

Hier entdeckte er eine besondere Fähigkeit, das Herstellen von Buddelschiffen. Für Freunde und Bekannte baute der ehemalige „Piepenfritz-Kumpel“ (FdG), damals die ersten Objekte. In Bochum traf er nach seiner Rückkehr Helmut Landmann, der eigentlich davon träumte, einmal zur See zu fahren. Doch daraus wurde nichts. Der Eisenwarenhändler bot dem 1929 in Herne geborenen Ex-Bergmann eine Stelle als Lagerist an. Die Stelle war eigentlich nur ein Vorwand, denn Jonny Reinert baute ab dieser Zeit nur noch Buddelschiffe für den Bochumer, der 1971 sogar ein Museum für die Werke des Herner Künstlers in Neuharlingersiel an der Nordsee eröffnete.

Jonny Reinert war ein Perfektionist und er entwickelte ein eigenes Buddelschiffbausystem. Die Schiff wurde nun auf einmal nicht mehr in Längsrichtung zum Flaschenhals, sondern auch quer eingebaut. Der Herner stellte in seinen langen Jahren als Buddelschiffbauer die Geschichte der Seefahrt in kleine und große Flaschen nach. Bald war Jonny als König der Buddelschiffbauer ein Begriff auf der gesamte Welt. „Vom Einbaum bis zum Atom U-Boot“ nannte der ehemalige Hauer aus der Bergmannssiedlung in Horsthausen seine Serie. Dabei wurden die Flaschen, in denen er seine Schiffe platzierte, immer größer. Für das Buddelschiffmuseum in Neuharlingersiel stellte Jonny Reinert von 1967 bis 1972 98 unterschiedliche Schiffe her. „Darunter befinden sich auch einige Unikate,“ erzählt Jürgen Landmann, der seit dem Tod seines Vaters im Jahre 1999 das Museum im Janssen-Hotel zu Neuharlingersiel leitet. So der „Untergang der Titanic „ und die „HMS Victory“, das Flagschiff Admiral Nelsons, aus der berühmten Seeschlacht von Trafalgar.

Mehrmals hat Jonny Reinert, der 2004 starb, im Laufe seiner langen Buddelschiffbauerlebens seine eigenen Weltrekorde überboten. Zunächst baute er ein altes flämisches Handelsschiff in eine 65 Liter fassende Ballonflasche ein. Das Schiff, dass Reinert in die Flasche brachte, war 47 Zentimeter lang und 37 Zentimeter hoch. Der Rumpf, der durch den vier Zentimeter dicken Flaschenhals gebracht wurde, hatte schon eine Breite von 17 Zentimeter. Rund 1800 Stunden saß Jonny Reinert an diesem Modell. Eine Jahre später wagte es der „King of the Bottleship“ erneut einen Rekordversuch. Diesmal ließ sich der Herner eine 129 Liter fassende Flasche – sie wurde sogar mundgeblasen – herstellen und machte sich ans Werk. Das Schiff, das er in diese Buddel brachte, bestand aus verschiedenen Edelhölzern, Messing und Rinderknochen. Der Herner entwickelte dabei eine neuartige Technik, denn die Schiffe drehten sich sogar teilweise im Inneren der Flaschen. Sein Eintrag von 15. September 1985 im Guinness-Buch der Rekorde hat immer noch Bestand.

In den letzten Lebensjahren wandte sich der Kettenraucher Jonny Reinert verstärkt einem neuen Arbeitsmaterial zu: Er verwendete Rinderknochen zum Bau von einzigartigen Modellen. Dabei benutze der begabte Künstler nicht nur Schnitzmesser, sondern er griff auch schon mal auf ausrangierte Zahnarztbohrer zurück, denn auch bei seinen Knochenschiffe legte der König der Buddelschiffbauer, der auch heute noch in der Szene eine sehr guten Ruf genießt, großes Wert auf Perfektion. [2] [3]

Weblinks

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Quellen

  1. Dieser Text wurde von Friedhelm Wessel zur Verfügung gestellt. Der Text darf nicht ohne Genehmigung verändert oder weitergegeben werden.
  2. WAZ vom 28. Januar 2015
  3. Ein Artikel von Friedhelm Wessel