Johannes Bonhage (1875-1953) Kaufmann
Johannes Bonhage (* 23. November 1875 in Barneberg; † 18. März 1953 in Herne) war ein Kaufmann und Unternehmer in Herne. Er betrieb eine Buchdruckerei sowie eine Buch- und Papierhandlung an der Heinrichstraße 2 und unterhielt zeitweise eine Zweigniederlassung in Essen. Sein Unternehmen war neben dem Buch- und Schreibwarenhandel auch im Druck von Geschäftsdrucksachen, Glückwunschkarten und persönlichen Anzeigen tätig. Darüber hinaus gehörte die Firma zu den Lieferanten der Stadt Herne und war 1912 an der Ausstattung des neu errichteten Rathauses beteiligt.
Herkunft und Familie

Johannes Bonhage wurde am 23. November 1875 in Barneberg in der damaligen preußischen Provinz Sachsen, heute Sachsen-Anhalt, geboren. Er war ein Sohn des dortigen evangelischen Pastors Christoph Andreas Bonhage (1827–1898) und dessen zweiter Ehefrau Emma Juliana Marie, geborene Schenk (1843–1898).
Am 12. Oktober 1903 heiratete er in Kiel Anna Legband (* 10. Juli 1875; † 29. Juli 1944 in Falkenberg-Beyern). [1]
Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor:
- Hans Heinrich Konrad Bonhage (* 5. September 1904 in Essen-Rüttenscheid; † 15. Juni 1980 in Herne), verheiratet mit Erna Ehrenhauß.
- Dr. jur. Andreas Bonhage (* 2. November 1905 in Essen-Rüttenscheid; † 24. Dezember 1988 in Dortmund), verheiratet mit Hilde Danneel.
- Annemarie Bonhage (* 15. November 1906 in Essen; † 28. April 2000 in Bad Salzuflen), verheiratet seit 1935 mit dem Pfarrer Martin Holzhausen (1904–1991).
- Margarethe Bonhage (* 1. März 1909 in Herne; † 13. April 2002), Gewerbelehrerin und Studiendirektorin.
- Helene Bonhage (* 11. Juni 1914 in Herne; † 9. Dezember 2007 in Bockswiese bei Hahnenklee), verheiratet seit 1938 mit Heinz Ehlert (1912–1942).[2]
Die Geburtsorte der älteren Kinder in Essen-Rüttenscheid und Essen sowie die späteren Geburtsorte in Herne lassen eine Verlagerung des familiären Lebensmittelpunktes erkennen. Spätestens mit der Geburt der Tochter Margarethe im Jahr 1909 war die Familie in Herne ansässig.
Kaufmännische Tätigkeit
Buchdruckerei und Buchhandlung B. Anton
Eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1907 gibt einen ausführlichen Einblick in die Geschäftstätigkeit von Johannes Bonhage. Unter der Firmenbezeichnung „B. Anton, Inh. Johannes Bonhage“ betrieb er an der Heinrichstraße 2 in Herne eine Buchdruckerei sowie eine Buch- und Papierhandlung.[3] Die Anzeige bezeichnet das Unternehmen ausdrücklich als:
„B. Anton, Inh. Johannes Bonhage – Herne i. W. – Buchdruckerei, Buch- und Papierhandlung.“
Das Geschäft vereinte damit mehrere Tätigkeitsbereiche. Neben dem Verkauf von Büchern und Schreibwaren verfügte das Unternehmen über eine eigene Druckerei. Zum Sortiment gehörten photographische Alben, Postkarten, Poesiealben, Schreib- und Dokumentenmappen, Brief- und Zigarrentaschen, Portemonnaies sowie Briefpapier in verschiedenen Ausstattungen.
Daneben wurden Schreibzeuge, Papierkästen, Tischläufer, Servietten und Wandsprüche angeboten. Die Buchhandlung führte Bibeln, Gesang- und Gebetbücher, Romane, Jugendschriften, Bilderbücher und gerahmte Bilder.
Ein besonderer Geschäftszweig war die Herstellung individueller Drucksachen. Die Anzeige nennt ausdrücklich Visiten- und Glückwunschkarten, die sowohl im Buchdruck als auch in Lithographie angefertigt wurden. Auch die Herstellung von Verlobungsanzeigen gehörte zum Angebot. Das Unternehmen bediente damit sowohl den geschäftlichen als auch den privaten Bedarf seiner Kundschaft.
Bemerkenswert ist der bereits 1907 vorhandene Telefonanschluss mit der Rufnummer 124. Dies dokumentiert die technische Ausstattung des Geschäftes und seine Einbindung in die damals noch junge städtische Telefoninfrastruktur.
Die Firmenbezeichnung „B. Anton, Inhaber Johannes Bonhage“ lässt darauf schließen, dass Bonhage ein bereits bestehendes Geschäft übernommen hatte und zunächst dessen bisherigen Namen beibehielt. Wer sich hinter der Bezeichnung B. Anton verbarg und wann die Übernahme erfolgte, ist bislang nicht geklärt.
Die Essener Zweigniederlassung
Die geschäftliche Tätigkeit von Johannes Bonhage beschränkte sich nicht auf Herne. Am 8. Oktober 1912 wurde im Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Essen unter A Nr. 1748 die Firma Johannes Bonhage, Herne, mit einer Zweigniederlassung in Essen eingetragen. Die Essener Niederlassung firmierte unter der Bezeichnung „Johannes Bonhage, Zweigniederlassung Essen“. Als Inhaber wurde der Kaufmann Johannes Bonhage aus Herne genannt.
Dem Essener Kaufmann Theodor Sinner wurde Prokura erteilt, die ausdrücklich auf die Essener Zweigniederlassung beschränkt war.Handelsregisterbekanntmachung des Königlichen Amtsgerichts Essen vom 8. Oktober 1912, Abteilung A Nr. 1748, Zeitpunkt NRW.
Das die esten Kinder zwischen 1904 und 1906 in Essen bzw. Rüttenscheid geboren wurden, liegt die Vermutung nahe, dass Bonhage zunächst in Essen seinen betrieb hatte und erst danach nach Herne wechselte.
Bereits 1914 kam es zu einer Veränderung der Eigentumsverhältnisse. Eine Bekanntmachung des Essener Handelsregisters dokumentiert den Übergang des Geschäftes auf Theodor Sinner. Die Firma führte danach die Bezeichnung „Theodor Sinner vorm. Johs. Bonhage“. Sinner wurde als neuer Inhaber eingetragen. Seine bisherige Prokura erlosch durch den Übergang des Geschäftes.
Die Bezeichnung „vorm. Johs. Bonhage“ (vormals Johannes Bonhage) weist auf die Fortführung des bisherigen Geschäftsbetriebes unter einem neuen Inhaber hin. Damit wurde die Essener Niederlassung von der Herner Hauptfirma getrennt und unter der Leitung von Theodor Sinner weitergeführt.
Der Vorgang belegt, dass Bonhage seine geschäftlichen Aktivitäten in Essen bereits nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder abgab. Über die weitere Entwicklung der Herner Hauptfirma sagt diese Veränderung zunächst nichts aus.
Lieferant der Stadt Herne
Im Jahr 1912 war die Firma Johannes Bonhage an der Ausstattung des neuen Herner Rathauses beteiligt.
Der Rathausneubau näherte sich seiner Vollendung. Für die noch ausstehenden Arbeiten der inneren Einrichtung trat die Rathausbaukommission zusammen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Vergabe der Büroeinrichtungen und Beleuchtungskörper. Die Arbeiten waren in zehn Positionen ausgeschrieben worden. Bei der Vergabe der Pulte und Pultblöcke (Positionen 1, 1a und 2) erhielt die Firma „Johs. Bonhage – Herne“ den Zuschlag.
Dieser Auftrag ist ein wichtiger Nachweis für die wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens. Die Firma war nicht nur im Buch- und Papierhandel sowie im Druckgewerbe tätig, sondern lieferte auch Büroausstattungen für kommunale Einrichtungen. Die Beteiligung an der Einrichtung des neuen Rathauses dokumentiert ihre Einbindung in die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Stadtverwaltung und dem örtlichen Gewerbe.Zeitgenössischer Pressebericht über die Sitzung der Rathausbaukommission und die Vergabe der Büroeinrichtungen, Herne, 1912.
Die weitere Entwicklung des Unternehmens
Auch in den folgenden Jahren finden sich in den digitalisierten Zeitungsbeständen Hinweise auf die Firma Johannes Bonhage. Anzeigen und Bekanntmachungen aus den Jahren 1914, 1920, 1925, 1927, 1928 und 1931 belegen eine fortgesetzte Präsenz des Unternehmens im Herner Wirtschaftsleben.
Eine Anzeige aus dem Jahr 1934 nennt erneut die Heinrichstraße 2 als Geschäftsadresse. Darin wurde ein Ladenlokal im Zentrum der Stadt zur sofortigen und preisgünstigen Vermietung angeboten. Als Ansprechpartner wurde „Joh. Bonhage, Herne, Heinrichstr. 2“ angegeben.[4]
Die Übereinstimmung mit der bereits 1907 nachgewiesenen Geschäftsadresse ist bemerkenswert. Sie belegt die langjährige Verbindung des Unternehmens mit diesem Standort. Aus der Vermietungsanzeige allein lässt sich allerdings nicht ableiten, ob das Ladenlokal zuvor durchgehend als Verkaufs- und Geschäftsräume der Firma genutzt wurde oder ob es sich um ein weiteres Geschäftslokal handelte.
Einbindung der nächsten Generation
Am 8. März 1939 wurde im Handelsregister des Amtsgerichts Herne bei der unter Nr. 803 eingetragenen Firma Johannes Bonhage dem Kaufmann Hans Bonhage in Herne Prokura erteilt.[5]
Bei dem genannten Hans Bonhage dürfte es sich um den Sohn Hans Heinrich Konrad Bonhage handeln. Die Eintragung dokumentiert die Einbindung der nächsten Familiengeneration in die kaufmännische Leitung des Unternehmens.
Damit lässt sich die Geschichte der Firma Johannes Bonhage über mehrere Jahrzehnte verfolgen. Von der 1907 nachgewiesenen Buchdruckerei und Buchhandlung über die Essener Zweigniederlassung bis zur Eintragung der Prokura für Hans Bonhage im Jahr 1939 zeigt sich ein Unternehmen, das über einen längeren Zeitraum im Herner Wirtschaftsleben präsent war.
Die Familie Bonhage in der folgenden Generation
Besondere Bedeutung für die spätere Familiengeschichte besitzt Johannes Bonhages Sohn Dr. jur. Andreas Bonhage (1905–1988). Er heiratete am 12. Juli 1930 Hilde Danneel, die 1907 in London geboren wurde und 1945 im Schwarzwald starb.
Ihre Enkelin Barbara Bonhage, Historikerin und Autorin, setzte sich intensiv mit der Lebensgeschichte ihrer Großmutter auseinander. Grundlage ihrer Forschungen war ein umfangreicher Fund von mehreren hundert Briefen aus dem Familienbesitz. Diese ermöglichten es ihr, den Lebensweg Hilde Bonhages und deren politische Entwicklung während der nationalsozialistischen Diktatur nachzuzeichnen.
Hilde Bonhage war eine überzeugte Nationalsozialistin. Sie trat 1933 der NS-Frauenschaft und 1937 der NSDAP bei. Im Jahr 1939 absolvierte sie eine Führerinnenausbildung. 1941 zog sie mit ihrer Familie in das von Deutschland besetzte Posen, wo sie die Funktion einer Kreisleiterin der NS-Frauenschaft übernahm. In dieser Funktion war sie unter anderem an der nationalsozialistischen Siedlungs- und Bevölkerungspolitik beteiligt. Ihre Briefe dokumentieren auch ihre Mitwirkung an der Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen und polnischen Bevölkerung.[6]
Barbara Bonhage veröffentlichte 2021 das Buch Gnadenlos geirrt. Die Geschichte meiner Grossmutter 1907–1945. Darin rekonstruiert sie anhand der Familienkorrespondenz den Alltag ihrer Großmutter und deren zunehmende Einbindung in das nationalsozialistische Herrschaftssystem. Das Buch verbindet eine persönliche Familiengeschichte mit einer historischen Untersuchung der nationalsozialistischen Ideologie und ihrer Umsetzung im Alltag. 2025 erschien eine überarbeitete Neuausgabe unter dem Titel Zwischen Herd und Hakenkreuz.[7]
Die Auseinandersetzung mit Hilde Bonhages Vergangenheit bildet einen weiteren Teil der Familiengeschichte, der über die wirtschaftliche Tätigkeit Johannes Bonhages hinausweist. Sie zeigt zugleich, wie die Nachkommen durch die Auswertung privater Quellen zur historischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit beitragen.
Tod und Nachwirkung
Johannes Bonhage starb am 18. März 1953.
Seine wirtschaftliche Tätigkeit lässt sich anhand zeitgenössischer Anzeigen und Handelsregistereintragungen über einen längeren Zeitraum nachvollziehen. Besonders die Anzeige von 1907, die Eintragung der Essener Zweigniederlassung und die Beteiligung an der Ausstattung des Herner Rathauses geben Einblick in die Entwicklung eines vielseitigen mittelständischen Unternehmens im industriell geprägten Herne des frühen 20. Jahrhunderts.
Literatur und Quellen
- Barbara Bonhage: Gnadenlos geirrt. Die Geschichte meiner Grossmutter 1907–1945. tredition, 2021.
- Barbara Bonhage: Zwischen Herd und Hakenkreuz. Verlag elfundzehn, 2025.
- Zeitgenössische Zeitungsanzeige der Firma „B. Anton, Inh. Johannes Bonhage“, Herne, 1907.
- Zeitgenössischer Pressebericht über die Vergabe der Büroeinrichtungen für das Herner Rathaus, 1912.
- Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Essen, Eintragung vom 8. Oktober 1912, A Nr. 1748.
- Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Essen, Bekanntmachung über den Geschäftsübergang auf Theodor Sinner, 1914.
- Handelsregister des Amtsgerichts Herne, Bekanntmachung vom 8. März 1939, Firma Johannes Bonhage, Nr. 803.
- Digitalisierte Zeitungsbestände von Zeitpunkt NRW.
- Schweizer Radio und Fernsehen: „Meine Grossmutter war Nationalsozialistin“, 25. Oktober 2021.
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Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ Familiennachricht zu Anna Bonhage, geb. Legband, in der digitalisierten Presse, Zeitpunkt NRW.
- ↑ Familiennachricht zur Eheschließung von Helene Bonhage und Heinz Ehlert, Zeitpunkt NRW.
- ↑ Zeitungsanzeige „B. Anton, Inh. Johannes Bonhage“, Herne, 1907, überlieferter Zeitungsausschnitt.
- ↑ Anzeige in der Herner Presse von 1934, Zeitpunkt NRW.
- ↑ Handelsregisterbekanntmachung vom 8. März 1939, Firma Johannes Bonhage, Herne, Zeitpunkt NRW.
- ↑ Sabine Bitter: „Meine Grossmutter war Nationalsozialistin“, Gespräch mit Barbara Bonhage, Schweizer Radio und Fernsehen, 25. Oktober 2021, SRF.
- ↑ Barbara Bonhage: Gnadenlos geirrt. Die Geschichte meiner Grossmutter 1907–1945. tredition, 2021; Neuausgabe: Zwischen Herd und Hakenkreuz, Verlag elfundzehn, 2025. Vgl. Barbara Bonhage.


