Infotafel "Das Kriegerdenkmal (1934) Herne
Infotafel „Kriegerdenkmal (1934)“, Südfriedhof Herne
Die Infotafel zum Kriegerdenkmal von 1934 auf dem Hauptfriedhof Herne wurde 2015 aufgestellt, um das Denkmal historisch einzuordnen und kritisch zu kommentieren. Anlass war eine Initiative von Schülerinnen und Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums, die auf die propagandistische Dimension des Denkmals aus der NS-Zeit hinwiesen.
Das Denkmal selbst wurde 1934 errichtet und diente neben dem Gedenken an Kriegstote auch ideologischen Zwecken des Nationalsozialismus. Ohne Kontext könne es daher missverständlich wirken. Ziel der Infotafel ist es, diese Hintergründe sichtbar zu machen und zu einer reflektierten Erinnerungskultur anzuregen.
Der Aufstellung ging eine öffentliche und politische Diskussion voraus. Vorschläge reichten von baulichen Veränderungen bis hin zur Entfernung von Symbolen, wurden jedoch aus Denkmalschutzgründen verworfen. Stattdessen entschied man sich für die erläuternde Tafel als Kompromiss.
Die Infotafel steht damit exemplarisch für den heutigen Umgang mit historisch belasteten Denkmälern: Erhalt des Originals bei gleichzeitiger kritischer Kontextualisierung.

Hier ist die Transkription des Textes von der abgebildeten Informationstafel:
- DAS KRIEGERDENKMAL (1934)
Das Kriegerdenkmal wurde am 25. Februar 1934 auf dem „Ehrenfriedhof für gefallene Soldaten“ enthüllt. Der Entwurf des bronzenen Adlers mit ausgebreiteten Schwingen stammt von dem Herner Künstler Wilhelm Hahn (1908 - 1961). Die Skulptur steht auf einem sarkophagähnlichen Steinquader aus Muschelkalk. Das Denkmalumfeld mit der freien Sichtachse zur Trauerhalle unterstützt die martialische Wucht des Ensembles.
Bereits als das Denkmal eingeweiht wurde, hatte es eine kontroverse Geschichte hinter sich. Die Stadtverwaltung hatte den 1926 eingereichten Antrag des Kreiskriegerverbandes Herne aufgrund des teils reaktionären Charakters der Kriegervereine jahrelang blockiert. 1933 griff die NSDAP die Initiative wieder auf und realisierte das Kriegerdenkmal nunmehr unter nationalsozialistischer Ägide. Der Volkstrauertag wurde ab 1934 zum „Heldengedenktag“ umgedeutet, das Sterben glorifiziert. Die toten Soldaten des Ersten Weltkriegs wurden für die neue Kriegspropaganda instrumentalisiert.
Nach 1945 wurde das Denkmal durch eine Erweiterung der Inschrift auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Im Jahr 1993 erfolgte der Eintrag der gesamten Anlage des Ehrenfriedhofs in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne.
Schülerinnen und Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums machten im Jahr 2011 auf die nationalsozialistische Symbolik des Denkmals aufmerksam und fragten nach seinem historischen Kontext. Sie gaben damit ein öffentlichkeitswirksames Signal, das zu einer nachhaltigen Veränderung im Umgang mit dem Ehrenmal führte.
Das Kriegerdenkmal wird heute weniger als Symbol der Trauer für die Opfer beider Weltkriege interpretiert, sondern eher als Warnung vor der Vereinnahmung der Opfer durch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus.
