Hof König (Eickel)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Der Kotten König lag in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel. An ihn erinnert seit 1893 die Königstraße, die von Eickel in Richtung der ehemaligen Dorneburg zur Kreuzung Dorneburger-, Bielefelder- und Holsterhauser Straße führt.
Die Straßenbenennung dokumentiert die ortsgeschichtliche Bedeutung des Hofes für die Entwicklung der Siedlungsstruktur im Bereich Eickel.

Hof / Kotten König †
Stadtbezirk: Eickel
Letzte Änderung: 27.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Mittelalterliche und frühneuzeitliche Erwähnungen

Die Ursprünge des Hofes reichen bis ins Spätmittelalter zurück:

  • 1411: Im Verzeichnis der Güter des Offiziums Wattenscheid wird in villa horle (Hordel) erstmals ein zinspflichtiger „Konynchusman“ erwähnt.
  • 1486: Das Schatzbuch der Grafschaft Mark nennt in Hoirle (Hordel) einen „Koninck“.
  • In der Türkensteuerliste sowie im Türkensteuerregister des märkischen Amtes Bochum erscheint in Horlee bzw. Hordell ein abgabepflichtiger „Köninck“.
  • Im Feuerstättenverzeichnis des Mittelamtes Hordell wird als Grundherr „Aschenbroch zur Mahlenburg“ genannt, mit „Köning“ als Eigenhörigem (ein halber Hof, drei Feuerstätten). Eine der Feuerstätten bewohnte ein Leibzüchter, eine weitere eine arme Witwe, die von Almosen lebte.

Zudem wird in der Bauerschaft Eickel mit dem Pastor zu Eickel als Grundherr ein pflichtiger Henrich Künick, Kötter, mit zwei Feuerstätten (eine davon ledig) erwähnt.

Diese Quellen zeigen die enge Einbindung des Hofes in grundherrliche und kirchliche Strukturen.

Besitzfolge im 17. bis 19. Jahrhundert

  • Im Jahr 1667 ging der Kotten an Moritz König und seine Ehefrau Catharina Rumps über.
  • 1672 erscheinen Heinrich König und seine Frau Else im Vikariefonds der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Sie erwarben von den Vikarien-Kotten (Sölling, Joist, Grünnhoff und Gerd vor dem Hof) Joists Kotten samt Vikarienhaus.

Weitere Besitzerfolgen:

  • 1684: Ein Koenig wird zur Kirchensteuer in Eickel veranlagt.
  • 1730: Johann Heinrich König und Catharina geb. Vogelsang.
  • nach 1765: Georg Heinrich König und Magdalena Gremme.
  • 1777: Elisabeth Lennemann (zweite Ehefrau des Georg Heinrich König).
  • 1804: Johann Heinrich König und Anna Catharina Knoop.
  • 1827: Übergang an die Tochter, die den Vorrang vor ihrem Bruder Wilhelm erhielt; Heirat mit Georg Vittinghof.
  • 1868: Heinrich Vittinghof und Elisabeth Lechtape.
  • 1927: Witwe Hülsmann.

Die Besitzgeschichte spiegelt die typische Weitergabe westfälischer Kötterstellen innerhalb von Familienverbünden wider.

Erwerb des adeligen Gutes Berg

Am 21. Mai 1829 erwarb der Landwirt Wilhelm König den Rest des Gutes Eickel, das adelige Gut Berg, das sich etwa zwischen dem heutigen Hülsmann- Brauwasserweg und Königstraße befand.

Auf einer Übersichtskarte der Gemarkung Eickel aus dem Jahre 1823 ist das adelige Gut Berg entsprechend verzeichnet.

Mit diesem Erwerb erweiterte sich der landwirtschaftliche Besitz der Familie König erheblich und unterstrich ihren sozialen Aufstieg vom Kötter zum größeren Grundbesitzer.

Veränderungen im 19. Jahrhundert

Um 1875 wurde infolge der Begradigung der Königstraße der alte Schlossteich zugeschüttet. In diesem Zusammenhang wurde auch der Hof von Wilhelm König abgebrochen.

Die Grundstücke wurden anschließend als Bauplätze verkauft – ein frühes Zeichen der einsetzenden baulichen Verdichtung und Urbanisierung im Raum Eickel.

Bedeutung

Der Hof (Kotten) König steht exemplarisch für:

  • die Entwicklung einer mittelalterlichen Kötterstelle
  • die Einbindung in kirchliche und adelige Grundherrschaften
  • den sozialen Aufstieg durch Landerwerb
  • die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen in Bauland im Zuge der Industrialisierung

Die noch heute bestehende Königstraße bewahrt den Namen des Hofes im Stadtbild und erinnert an die agrarische Vergangenheit Eickels.


Siehe auch


Quellen