Heinrich Lubbers (1877-1964) Gärtner

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Hendricus „Heinrich“ Lubbers (* 4. April 1877 in Groningen; † 10. Juni 1964 in Herne) war ein niederländischer Gärtner, der über ein halbes Jahrhundert lang als Friedhofsgärtner und Totengräber in den Herner Stadtteilen Börnig und Sodingen wirkte. Durch seine akribisch geführte Totenstatistik lieferte er wertvolle zeithistorische Daten über die demografische Entwicklung, den Kinderreichtum und den Wandel der hygienischen und sozialen Verhältnisse im Sodinger Raum während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zudem engagierte er sich zeitlebens als Vertrauensmann für die niederländische Gemeinschaft im Ruhrgebiet.

Hendricus Lubbers
Hendricus Lubbers
Gärtner
Geboren4. April 1877
in Groiningen NL
✝️
Gestorben10. Juni 1964
in Herne

Leben und Wirken in Herne

Henderikus Lambertus Petrus Lubbers stammte gebürtig aus Groningen in der niederländischen Provinz Groningen. Vor seinem Vater Henderikus Lubbers (*1850 Groiningen † 13. Januar 1933 in Herne, der 1907 ihm folgte[1])[2] kam er als junger Mann nach Herne, wo er am 1. März 1901 die Stelle des gärtnerischen Betreuers und Totengräbers auf dem Friedhof der katholischen Kirchengemeinde Peter & Paul Börnig-Sodingen an der Widumer Straße übernahm. Diese Tätigkeit übte er über 60 Jahre lang aus.

Daneben eröffnette er eine Gärtnerei die weitreichende Aufgaben der kommunalen gärtnerischen Ausschmückung Sodingen-Börnigs übernahm.[3] 1935 übernimmt er das Herner Blumengeschäft Willy Wilking.[4]

Nach dem ersten weltkrieg gründete er zusätzlich ein Tiefbaugeschäft, das er allerdings später wieder aufgab.[5]

Neben seiner beruflich tiefen Verwurzelung in der lokalen Gemeinschaft blieb Lubbers seiner Heimat eng verbunden. Er fungierte über viele Jahre als offizieller Vertrauensmann der niederländischen Konsuln und war aktives Mitglied der Niederländischen Vereinigung im Ruhrgebiet.[6]

Ein schwerer Einschnitt in Lubbers' Lebenswerk war die Verwüstung des Friedhofs zu Pfingsten 1943. Bei einem schweren Bombenangriff auf Herne wurde das Friedhofsgelände an der Widumer Straße durch Volltreffer schwer getroffen und in einen trostlosen Zustand versetzt. Zeitzeugen berichteten, dass dieser Verlust Lubbers emotional härter traf, als wenn es sein eigenes Wohnhaus gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren widmete er sich intensiv dem Wiederaufbau und der gärtnerischen Wiederherstellung der Anlage, sodass in späteren Jahren kaum noch Spuren des Angriffs sichtbar waren.

Lubbers verstarb im Juni 1964 im Alter von ca. 81 Jahren. Er wurde am Samstag, den 13. Juni 1964, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und im Beisein von Vertretern aus den Niederlanden sowie Fahnenabordnungen kirchlicher und weltlicher Vereine aus Sodingen und Börnig in der kranzgeschmückten Familiengruft auf „seinem“ Friedhof an der Widumer Straße beigesetzt. Die Trauerfeier wurde von Vikar Kaiser geleitet und von einem Posaunenchor sowie der Chorgemeinschaft Börnig-Sodingen, und der Kolpingfamilie deren Mitglied Lubbers jeweils war, musikalisch umrahmt.

Verheirate war er mit Anna geb. Holz.
Kinder:

  • Heinz Lubbers (1902-1970) war ein leitender Redakteur der Deutschen Welle und Vertrauter Konrad Adenauers.
  • Dr. Jur Franz Lubbert
  • Theodor Lubbert, Garten- und Landschaftsbau
  • Bernhard Lubbers
  • Catharina "Käthe" Lubbers verh. Seiff

Ehrungen

  • 1924: Silberne Medaille des Ordens von Oranien=Nassau
  • Oktober 1939: Goldmedaille des Ordens von Oranien=Nassau[7]

Die Sodinger Totenstatistik (1900–1950)

Als „Philosoph des Alltags“ führte Henricus Lubbers über fünf Jahrzehnte hinweg akribisch Buch über jede einzelne Bestattung auf dem Sodinger Friedhof. Seine Statistik umfasst für den Zeitraum von 1900 bis 1950 insgesamt 6.536 Beerdigungen.Die Daten spiegeln auf einzigartige Weise das rasche Wachstum und den sozial-hygienischen Wandel des Industriebezirks wider:

Sodinger Totenstatistik (1900–1950) nach Henricus Lubbers
Zeitraum Anzahl Erwachsene Anzahl Kinder Charakteristik der Epoche
1900–1910 (incl.) 371 1155 Starker Zuzug junger Arbeiterfamilien; extremer Kinderreichtum bei gleichzeitig hoher Sterblichkeit durch mangelnde Hygiene.
1911–1920 721 1053 Höchststand der Kindersterblichkeit (Peak 1915 mit 166 Fällen); erste spürbare Auswirkungen des Ersten Weltkriegs.
1921–1930 670 483 Trendwende: Deutlicher Rückgang der Kindersterbefälle durch die Einführung umfassender öffentlicher Gesundheits- und Mütterfürsorge.
1931–1940 630 283 Fortlaufende Konsolidierung und weiterer Rückgang der Kindersterblichkeit im Stadtteil.
1941–1950 872 298 Hohe Sterblichkeit unter Erwachsenen bedingt durch die direkten und indirekten Folgen des Zweiten Weltkriegs.
Gesamt (1900–1950) 3264 3272 Fast exakte Parität zwischen den Sterbefällen von Erwachsenen und Kindern über das halbe Jahrhundert (insg. 6.536 Beerdigungen).

Der demografische Wandel im Überblick

Erkenntnisse zur Sozialgeschichte
Kinderreichtum und frühe Sterblichkeit:
In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren Familien mit 6 bis 10 Kindern in Börnig und Sodingen die Regel. Aufgrund mangelnder Hygiene, schlechter Wohnverhältnisse und einer sozial ungefestigten Lage der Arbeiterschaft war die Kindersterblichkeit extrem hoch. Im Jahr 1915 war sie mit 166 Fällen dreimal so hoch wie die der Erwachsenen (56).
Die Wende ab 1920: Ab den 1920er Jahren kehrte sich das Verhältnis dauerhaft um. Durch die Etablierung von Mütterberatungsstellen, Fortschritten im Wohnungsbau und der Einführung einer organisierten Werks- und Gesundheitsfürsorge sank die Säuglingssterblichkeit in Herne auf beachtliche 6,15 % (und lag damit unter dem damaligen Bundesdurchschnitt). Im Jahr 1950 standen 93 beerdigten Erwachsenen nur noch 22 Kinder gegenüber.

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Einzelnachweise

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