Grabdenkmal der Familie Sassenhoff (Südfriedhof)
Das Grabmal der Familie Sassenhoff auf dem Südfriedhof in Herne ist ein eindrucksvolles Beispiel für die monumentale Friedhofsarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Es kombiniert klassische Trauersymbolik mit einer strengen, fast schon modernen Geometrie.
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1. Architektur und Aufbau

Das Grabmal ist als Wandgrab konzipiert und besteht aus einem dunklen, polierten Naturstein (vermutlich Diabas oder dunkler Granit).
- Zentralbau: Das Denkmal wird von einer hohen, rechteckigen Stele dominiert, die den Namen „FAMILIE SASSENHOFF“ trägt.
- Symmetrie: Das Bauwerk ist streng symmetrisch aufgebaut, mit niedrigeren Seitenflügeln, auf denen die Namen der Verstorbenen eingraviert sind. Dies verleiht dem Grab eine ruhige, autoritäre Präsenz.
- Materialkontrast: Der dunkle, glatte Stein bildet einen starken Kontrast zur hellen, plastischen Skulptur im Zentrum, was die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf die künstlerische Darstellung lenkt.
2. Die Skulptur: Der "Sterbende Krieger"
Im Zentrum ruht eine hellere Skulptur (Bronze mit Patina), die einen sitzenden, entblößten Mann in einer Pose der Erschöpfung oder des Sterbens darstellt.
- Stil: Die Figur lehnt sich an die Ästhetik der Antike an, erinnert aber in ihrer muskulösen Darstellung und der schwermütigen Haltung auch an den Symbolismus oder den frühen Expressionismus.
- Symbolik: Die gesenkte Haltung und der geneigte Kopf symbolisieren das Ende des Lebenswegs, Trauer und die Endgültigkeit des Todes. Es ist eine Abkehr von christlicher Auferstehungssymbolik hin zu einer eher heroischen oder existenziellen Darstellung des menschlichen Schicksals.
3. Inschriften und historische Einordnung
Die Daten auf dem Grabstein geben Aufschluss über die Familiengeschichte:
- V.L.n.R.:
- HERMANN SASSENHOFF *1.9.1860 † 14.3.1927[1])
- Sein Tod fällt in die Zeit, in der das Denkmal vermutlich in dieser Form errichtet oder finalisiert wurde.
- HELENE SASSENHOFF * 15.2.1868 † 4.1.1939
- PAUL MELLINGHAUS * 14.5.1902 † 5.11.1974
- Die Nennung anderer Namen (Mellinghaus) deutet auf eine Verbindung durch Heirat hin, was bei Familiengrüften dieser Größe üblich war.
- UNSER LEBEN IN UNRUHE
UNSERE RUHE IN GOTT - OTTO SASSENHOFF * 30.8.1870 † 18.4.1934
- AUGUSTE SASSENHOFF * 15.5.1866 † 5.6.1934
- HILDE MELLINGHAUS * 6.3.1913 † 25.1.1986.
Epoche: Das Design mit der klaren Typografie und der sachlichen Formensprache ist typisch für die 1920er Jahre, eine Übergangszeit zwischen dem prunkvollen Historismus der Kaiserzeit und der aufkommenden Moderne.
4. Einbettung in den Südfriedhof Herne
Der Südfriedhof in Herne ist bekannt für seine parkähnliche Anlage und die Grabstätten wohlhabender Industriellen- und Kaufmannsfamilien aus der Blütezeit des Ruhrgebiets.
- Repräsentation: Ein solches Bauwerk war nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein Statussymbol. Es unterstreicht die gesellschaftliche Stellung der Familie Sassenhoff in Herne zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
- Erhaltungszustand: Die Skulptur zeigt witterungsbedingte Spuren, die ihr jedoch eine zusätzliche Tiefe verleihen und den Prozess des Vergehens (Vanitas) unterstreichen.
Zusammenfassend: Das Grabmal Sassenhoff ist ein künstlerisch hochwertiges Zeugnis der bürgerlichen Bestattungskultur in Herne. Es besticht durch die Kombination aus monumentaler Strenge und der emotionalen, körperlichen Darstellung menschlicher Endlichkeit in der zentralen Figur.
Sein genauen Standort werden wir hier nicht zeigen, da es noch intakt ist. Wir wollen nicht als Vorbereitung von Metalldiebstähle dienen.
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Quellen
- ↑ Laut Sterberegister (66/1927) war es der 15. März 1927

