Grabanlage Gessmann und Hoenig (Südfriedhof Herne)
Die Grabanlage Gessmann / Hoenig ist eine große Anlage im Feld 15 Nr. 78-82 des Herner Südfriedhof und steht seit dem 15. März 1999 unter Denkmalschutz.
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Am 7. November 1925 starb der Fabrikbesitzer Eduard Gessmann in seinem Wohnhaus Schaeferstraße 8. Er wurde am 10. November 1925 auf dem Feld Nr. 15 im Grab Nr. 78-82 bestattet.
Dieses war die erste Bestattung auf dieser großen Gruft und so wurde das Grabdenkmal nach November 1925 in Auftrag gegeben.
Dieses Grabmal ist ein klassisches Beispiel für die monumentale Friedhofsarchitektur der Zwischenkriegszeit, die Elemente des Späten Historismus mit Einflüssen des Reformstils (und teils des frühen Art Déco) kombiniert.
1. Der Aufbau (Architektonische Struktur)
Das Denkmal ist als Wandgrab konzipiert und folgt einem klaren, dreiteiligen Aufbau:
Zentraler Mittelbau: Das Herzstück bildet eine erhöhte, altarähnliche Stele aus dunklem Naturstein (vermutlich polierter Syenit oder schwarzer Granit). Sie dient als Sockel für die zentrale Skulptur.
Seitenflügel: Vom Mittelteil gehen zwei niedrigere Seitenwangen ab, die das Grabmal in die Breite ziehen. Diese Flügel dienen primär der Aufnahme weiterer Inschriften für Familienmitglieder und geben der Anlage eine umschließende, fast schützende Wirkung.
Materialität: Der Kontrast zwischen dem dunklen, glatten Stein der Architektur und der helleren, patinierten Bronze der Figur ist ein typisches Gestaltungsmittel dieser Epoche.

2. Der Stil
Da das Grab nach 1925 entstanden ist, zeigt es eine Abkehr von der überladenen Ornamentik der Kaiserzeit hin zu einer versachlichten Monumentalität:
Geometrisierung: Die Architektur des Steins ist streng geometrisch. Es fehlen florale Reliefs oder verspielte Girlanden. Die Linienführung ist klar und ruhig, was der Anlage eine zeitlose Würde verleiht.
Symbolismus: Die Darstellung konzentriert sich auf eine einzige, starke emotionale Aussage, anstatt eine komplexe religiöse Szenerie abzubilden.
Bronzeguss: Die Verwendung von Bronze für die Freifigur war in den 1920er Jahren ein Zeichen von Wohlstand und bürgerlichem Status.
3. Die Ausstattung und Ikonographie
Das markanteste Element ist die lebensgroße Bronzefigur, die für die Interpretation des Grabes entscheidend ist:
Die Trauernde (Mourning Figure): Dargestellt ist eine weibliche Gestalt in antikisierendem Gewand (Chiton/Peplos). Ihre Haltung ist in sich gekehrt: Der Kopf ist gesenkt, der Blick nach unten gerichtet, und der Körper wirkt schwer und in Trauer versunken.
Attribut: Sie hält oft Blumen oder einen Kranz in den Händen – Symbole der Vergänglichkeit und des Gedenkens.
Gestik: Die rechte Hand ruht fast beiläufig auf der Kante des Grabsteins, was eine Verbindung zwischen der Welt der Lebenden (die Figur im Raum) und der Welt der Toten (der Stein/das Grab) herstellt.
Inschriften: Die Typografie ist sachlich und meist in den Stein eingehauen und vergoldet oder farbig ausgelegt, um die Lesbarkeit auf dem dunklen Grund zu gewährleisten.
Zusammenfassung
Dieses Grabdenkmal ist repräsentativ für das gehobene Bürgertum der 1920er Jahre. Es nutzt eine klassische Formensprache (die antikisierende Figur), bettet diese aber in eine moderne, reduzierte Architektur ein. Es vermittelt Ruhe, Dauerhaftigkeit und einen tiefen, aber beherrschten Schmerz.
Diebstahl 2026
Im Januar 2026 kam es auf dem Südfriedhof erneut zu massiven Diebstählen. Dabei wurde nicht nur Kleinteiliges wie Grablampen oder Buchstaben entwendet, sondern auch massive Bronze-Elemente.
Der Modus Operandi: Die Täter gehen oft hochprofessionell vor, durchtrennen Verankerungen im Fundament und nutzen teilweise sogar friedhofseigene Transportmittel (wie Kranzwagen), um die schweren Figuren zu verladen.
Zusammenhang: Zeitgleich verschwanden im Januar 2026 auch andere prominente Kunstwerke in Herne, wie die bekannte Plastik „Bergmann mit Ziege“ am Hölkeskampring (Marienhospital). Die Polizei vermutet hier organisierte Banden, die es auf den Materialwert der Bronze abgesehen haben.
Was das für das Denkmal bedeutet
Das Grabmal hat durch den Verlust der zentralen Figur sein Herzstück verloren.
Verlust der Bildsprache: Ohne die "Trauernde" wirkt die Anlage nun leer und unvollständig. Die architektonische Rahmung aus schwarzem Stein war genau auf diese Bronzeplastik zugeschnitten.
Schaden: Neben dem materiellen Wert der Bronze, der oft im fünfstelligen Bereich liegt, ist der ideelle und kunsthistorische Schaden unersetzlich, da diese Güsse oft Unikate oder seltene Seriengüsse aus namhaften Gießereien der 1920er Jahre waren.

Nach den Inschriften ruhen hier:
- Eduard August Friedrich Gessmann (* 8. Juli 1847 in Höxter; † 7. November 1925 in Herne)
- Maria Catharina Gessmann geb. Ecke (* 10. Mai 1854 in Dortmund; † 28. November 1948 in Herne)
- Eduard Heinrich Gessmann jun. (8. Juni 1879 in Herne; † 1. August 1932 in Freiburg i.Br.)
- Otto Hoenig (* 4. Januar 1870 in Bochum-Linden; † 2. Januar 1938 in Herne)
- Wilhelmine Anna Hoenig[1] geb. Gessmann (* 2. März 1887 in Herne; † 25. Mai 1970)
- Dr. jur. Kurt Hoenig (4. Dezember 1908 in Herne; † 22. September 1972)
Denkmalschutz
DENKMAL NR. 640
- Grabstätte Gessmann
- Wiescherstraße; Südfriedhof
- Erbaut: 1923
- Architekt:
- Details: Bei der Grabanlage handelt es sich um eine Gruft mit aufstehenden Grabornamenten, im Wesentlichen eine schwarze Wand mit Bronzeengel. Das Denkmal ist bedeutend für die Stadt Herne, weil es die Grabanlage bedeutender Herner Bürger, nämlich des Erfinders und Herstellers der Drahtseile für Förderkörbe Eduard Gessmann sowie des Bergrates Otto Hoenigs ist.
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Einzelnachweise
- ↑ Verheiratet am 14. Januar 1908 in Herne


