Gerther Straße 57 (Gaststätte Rembold)
| |||||||||||||||||
Das moderne Wohnhaus Gerther Straße 57 liegt auf der östlichen Seite der Straße zwischen Lange Straße die hinter dem Haus herführt und der Stadtgrenze. Die Geschichte dieses Hausplatzes ist aber viel länger.
Das Gebiet um die Gerther Straße gehörte in früherer Zeit zu Börnig bzw. Gysenberg und hieß in den "Börniger Büschen". Der Weg nach Gerthe war lange ein unbefestigter Weg und erst 1898 wurde beschlossen:
"Sodann wurde nach längerer Verhandlung [im Castroper Gemeinderat am 30. Dezember 1898] der Ausbau des etwa 4 km langen Weges von der Bochumerstraße [Castroper Hellweg] durch die börniger Büsche bis nach Börnig [Gerther Straße / Kirchstraße] beschlossen und zwar von den Vertretungen von Holthausen und Giesenberg=Sodingen einstimmig, von Börnig mit vier von sieben Stimmen. Börnig stellt jedoch die Bedingung, daß ihm, da es bei dem Straßenbau nicht so interessirt ist, aus Interessenten kreisen 1300 M zufließen, welche Bedingung inzwischen erfüllt ist. Außerdem soll der Ausbau der Straße, welche demnächst event. von einer der in Aussicht genommenen elektrischen Straßenbahnlinien benutzt wer den wird, von einer entsprechenden Beihülfe seitens der Provinz und des Kreises abhängig gemacht werden."[1][2]
Hier im Haus 21e der Gemeinde Börnig betrieb bis zu seinem Tode der Gastwirt Heinrich Brüss (1859-1891) seine Gaststätte. Er hatte die Gaststätte bereits von seinem Vater, dem Wirt und Winkelier Wilhelm Brüss übernommen. Seine Witwe Gertrud geb. Nöthe (1867-1900) heiratete 1892 den aus Kürten-Miebach stammenden Klempner Peter Rembold (1860-1933). Dieser übernahm nun unter seinem Namen die Gaststätte. Selber schnell gewordener Witwer heiratete er 1902 erneut und zwar Josefa Backwinkel (1871-1931).
Kinder:
- Friedrich Wilhelm Rembold, * 10. März 1893 in Börnig , ~ 13. März 1893 in Castrop.
- Sein Sohn Josef wurde am 4. Juli 1896 in Börnig geboren und wird die Gaststätte übernehmen.
Als Stammhaus der 3. Kompagnie des Bürgerschützenvereins "St. Hubertus" Sodingen war das Lokal bekannt. Auf dem Schild der Kompagnie stand der Spruch: "Börniger Büsche - in alter Frische." 1935 wurde der Wirt selbst Schützenkönig mit Frau Schmerfeld von nebenan als Königin. Josef I. und Paula I. [3]
Aufgrund einer Begebenheit 1940 erhielt er den Spitznamen
Bomben Jupp
Herne-Sodingen, den 11. April 1941 Josef Rembold Gastwirt An das Reichskriegsschädenamt Berlin Betr: Bombenschäden. Antrag des Schankwirtes Josef Rembold, Herne-Sodingen, Gerther Straße 57 um Bewilligung eines Zuschusses in Bomben-Schäden-Angelegenheiten. Endesunterzeichneter, z.zt. Gruppenführer in der 21. Sanitäts-Gruppe Herne-Sodingen, geb. am 4.7.1896 in Herne-Sodingen stellt den Antrag auf Bewilligung eines außerordentlichen Reichszuschusses in Bomben-Schädenangelegenheit. Zur Aufklärung diene Folgendes: Als mein Vater am 3. Febr. 1933 - er hatte Schankwirtschaft und Kolonialwarenhandlung - das Zeitliche segnete, übernahm ich sein schuldenfreies Erbe und legte mir eingehend und warm ans Herz, dafür Sorge zu tragen, dass ich die Heimatscholle gut verwalten und den Nachkommen dieselbe schuldenfrei übergeben sollte. Am 18. Juni 1940 schlugen 3 feindliche Fliegerbomben auf mein Grundstück in Herne-Sodingen Gerther Straße 57 ein, die mein Eigentum völlig zerstörten. Bei dieser Gelegenheit wurde ich selbst verwundet ... Ich musste mit meiner Familie - es wurden wegen eines angeblichen Blindgängers, der aber keiner war, 7 Häuser geräumt - Unterkunft suchen bei meinem Schwiegervater dem Bauer Kettling in der Langestraße ... An Stöcken habe ich wieder das Laufen gelernt ... Am 22. Juni, also 4 Tage nach dem Bombenwurf setzte schweres Regenwetter ein, so dass die Schäden, weil die Dächer offen standen, noch weit mehr verschlimmerten. Mein Eigentum bestand aus: 1. Wirtschaftsgebäude, Kolonialwarenhandlung und eigene Wohnung, 2. Seitenflügel mit 2 Wohnungen, 3. Kegelbahn mit kleiner Saal, 4. Gartenwirtschaft, 5. Stallungen. Das Wirtschaftsgebäude war am 1. August wieder hergestellt. Seitenflügel und kleiner Saal waren so sehr getroffen, dass ein Neubau errichtet werden musste ... Am 30. August, also 6 Wochen nach dem Bombenwurf, wurde meine Tochter Toni bei schwerster Flackbeschießung im Luftschutzkeller geboren. Am 14. November 1940 fielen bei dem großen orkanartigen Sturm 2 Bäume um, der größte Birnenbaum, die Zierde meiner Besitzung, mitten auf den zerstörten Seitenflügel. Nach den Bestimmungen unseres Herrn Reichsmarschalls Hermann Göring sollten doch die Wünsche der durch Bomben geschädigten Personen weitgehendst berücksichtigt werden ... Erwähnen möchte ich noch, dass ich Kriegsteilnehmer 1914-1918 bin, als Vizefeldwebel von Masch.-Gew.-Komp. abgegangen und dass ich vor dem Polenfeldzug ... an der Reichsautobahn Recklinghausen als Kommandoführer von 18 Mann einberufen war und z.Zt. als Gruppenführer in der Sanitätsgruppe 21 Herne-Sodingen tätig bin. Aus diesen vorerwähnten Gründen bitte ich das Reichskriegsschädeamt ebenso höflichst wie dringend zwei Drittel der Hypothekenbelastung mit zu übernehmen und sehe Ihrer diesbezüglichen Mitteilung gern bald entgegen, Josef Rembold
Geld bekam Josef Rembold nicht, wohl aber ein Schreiben mit dem Hinweis:
"Es ist doch eine Ehre, wenn für Volk und Vaterland das Haus zerstört wurde."
Verwandte Artikel

