Familiengruft Schulte-Hiltrop (Südfriedhof)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Dieses Bauwerk ist ein hervorragendes Beispiel für die sepulkrale Architektur (Grabmalskunst) des frühen 20. Jahrhunderts, die sich stark an der klassischen Antike orientiert. Die Gruft der Familie Schult-Hiltrop auf dem Herner Südfriedhof spiegelt den Repräsentationsanspruch einer wohlhabenden Familie dieser Ära wider.

Familiengruft Schulte zu Hiltrop
Bildinfo: Bild: Andreas Janik 2009
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Die im benachbarten, ursprünglich zur Gemeinde Herne gehörenden, Bochum-Hiltrop ansässigen Schulte zu Hiltrop, später einfacher als Schulte-Hiltrop genannt, entstammt einer zu Wohlstand gekommenen landwirtschaftlich geprägten Familie im ehemals zur Gemeinde Herne gehörenden Dorf Hiltrop. Die Anlage der Gruft als griechischer Totentempel nimmt in ihrer Fassung die Trauerhalle auf oder vorweg. Seit 2000 steht die Anlage, welche die Gruft, einige Gräber und das original Jugendstil-Gitter umfasst, und von der Familie weiterhin belegt wird, unter Denkmalschutz.
Die älteste dort beigesetzte Person ist (Umbettung) Hildegard Schulte-Hiltrop (* 14. September 1891; † 30. September 1892).

1. Architekturstil: Neoklassizismus

Das Bauwerk ist als Prostylos konzipiert – ein kleiner antiker Tempeltyp, bei dem eine Säulenreihe (Portikus) der Vorderfront vorgelagert ist.

Antikes Vorbild: Die Gestaltung lehnt sich eng an griechische Tempel an, was in der Bestattungskultur oft genutzt wurde, um Beständigkeit, Würde und Bildungsideale auszudrücken.

Material: Es scheint sich um Naturstein (vermutlich Sandstein oder Muschelkalk) zu handeln, der durch die Verwitterung eine charakteristische Patina angesetzt hat, was die monumentale Wirkung verstärkt.

2. Die Bauelemente

Das Grabmal folgt einer strengen hierarchischen Gliederung:

Das Gebälk & Giebel: Den oberen Abschluss bildet ein flaches Dreiecksgiebel (Tympanon). Dieses ist hier schlicht gehalten und ohne figürlichen Schmuck, was die Ernsthaftigkeit des Ortes unterstreicht.

Die Säulen: Das Dach wird von vier Säulen getragen.

Ordnung: Es handelt sich um Säulen der dorischen Ordnung (erkennbar an den fehlenden Basen und den schlichten Kapitellen).

Kannelierung: Die vertikalen Rillen (Kanneluren) verleihen den Säulen Eleganz und betonen die vertikale Ausrichtung.

Die Cella (Innenraum): Hinter den Säulen befindet sich die eigentliche Gedenkstätte. An der Rückwand ist eine bogenförmige Nische erkennbar, die für Inschriften genutzt wird. Im Boden ist der Zugang zur eigentlichen Gruft.

Inschriften (Bestattungen)

HERMANN SCHULTE-HILTROP
* 29.11.1851 + 13.1.1934[1]
BERTHA SCHULTE-HILTROP
GEB. OVERKAMP
* 21.10.1862 + 30.7.1943
HILDEGARD SCHULTE-HILTROP
*14.9.1891 + 30.9.1892
LUISE SCHULTE-HILTROP
GEB. GESSMANN
* 22.5.1889 + 28.2.1952
HERMANN SCHULTE-HILTROP
*29.10.1884 + 29.4.1931
HERMANN SCHULTE-HILTROP
* 17.5.1925 + 4.11.1986
HERTA SCHULTE-HILTROP
* 10.8.1922 +. 1.6.2003
GWENDOLYN SCHULTE-HILTROP
BEG. CAHILL
*24.12.1929 + 3.11.2013

3. Symbolik und Wirkung

Ewigkeit: Die massive Steinbauweise und die Anlehnung an die Antike suggerieren Überzeitlichkeit.

Schwellencharakter: Die Stufen und die offene Vorhalle markieren den Übergang von der Welt der Lebenden (dem Friedhofsweg) in das Reich der Toten.

Natur-Integration: Die dichte Umrahmung durch hohe Hecken und Sträucher (Rhododendren/Efeu) wirkt wie ein "grünes Zimmer" und isoliert das Grabmal akustisch und visuell, was eine private Atmosphäre für Trauernde schafft.

Zusammenfassung

Die Schult-Hiltrop-Gruft ist ein typisches Zeugnis für die herrschaftliche Grabkultur in Herne. Familien, die durch Bergbau oder Landwirtschaft zu Wohlstand kamen, nutzten solche Monumente auf dem 1905 eröffneten Südfriedhof, um ihren gesellschaftlichen Status über den Tod hinaus zu festigen. Es ist ein ruhiges, architektonisch strenges Denkmal, das Ruhe und Beständigkeit ausstrahlt.

DENKMAL-NR. 649

  • Grabstätte [...] Schulte-Hiltrop,
  • Wiescherstraße; Südfriedhof
  • Erbaut:
  • Architekt:

[...] Die Familiengruft Schulte-Hiltrop ist in Form eines kleinen Tempels mit dorischen Säulen und einer offenen Vorhalle sowie einem schlichten Giebeldreieck ausgeführt. An der Rückwand sind die verstorbenen Familienangehörigen aus den Jahren 1892 – 1992 auf einer Tafel festgehalten.
Der Bau wurde im Sinne des Neuklassizismus errichtet. Soweit bekannt, gehört die Familie Schulte-Hiltrop zu reichen, aus der Landwirtschaft wachsenden Familien, deren Schultenhof "Schulte-Hiltrop" im Jahre 1822 erbaut wurde und in Bochum an der Frauenlobstraße 104 steht.
Die Gruftanlage ist bedeutend für die Stadt Herne, weil sie das Selbstverständnis eines wohlhabenden Herner Bürgers im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts veranschaulicht.

Veröffentlichung im Wiki der Herner Stadtgeschichte mit freundlicher Genehmigung der Stadt Herne, Untere Denkmalbehörde.

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Quellen