Ewald Hülsmann (1904-n. 1960) Bürgermeister KPD
Ewald Hülsmann (* 21. März 1904) war ein deutscher Bergmann, kommunistischer Politiker und Kommunalfunktionär in Herne. Er gehörte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der Kommunistische Partei Deutschlands an und war von 1945 bis 1951 Mitglied der Herner Stadtverordnetenversammlung. Von 1948 bis 1951 bekleidete er das Amt des zweiten stellvertretenden Oberbürgermeisters der Stadt Herne.
Leben und Beruf
Ewald Hülsmann wurde am 21. März 1904 geboren.
Nach den vorliegenden Angaben war Hülsmann von Beruf Bergmann. Er wohnte in der Nachkriegszeit in der Hermannstraße 28 in Herne-Constantin. In den Herner Adress- und Einwohnerverzeichnissen erscheint er später auch als Redakteur und schließlich als Rentner.
Hülsmann war politisch in der KPD aktiv. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft gehörte er zu den kommunistischen Kräften, die sich am politischen und gesellschaftlichen Wiederaufbau Hernes beteiligten. Im Zusammenhang mit der kommunistischen Arbeiterbewegung wird er auch als Kreissekretär der KPD in Herne bezeichnet.
Politische Tätigkeit nach 1945
Nach der Befreiung Hernes vom Nationalsozialismus im April 1945 wurde eine neue kommunale Verwaltung aufgebaut. Hülsmann gehörte der von der Militärregierung eingesetzten ersten Herner Stadtverordnetenversammlung an.
In der Stadtverordnetenversammlung 1945–1946 ist er als KPD-Vertreter und Bergmann mit der Anschrift Hermannstraße 28 verzeichnet.
Auch der nach den ersten freien Kommunalwahlen der Nachkriegszeit gebildeten Stadtverordnetenversammlung gehörte Hülsmann an. In der Stadtverordnetenversammlung 1946–1948 wird er als Stadtverordneter der KPD geführt. Er rückte am 31. März 1947 für den ausgeschiedenen Stadtverordneten Fritz Schröder nach bzw. übernahm dessen Mandat.
Zweiter stellvertretender Oberbürgermeister
In der Sitzung der Herner Stadtverordnetenversammlung vom 2. November 1948 wurde Hülsmann zum zweiten stellvertretenden Oberbürgermeister gewählt. Zum ersten stellvertretenden Oberbürgermeister wurde Franz Kohlenbach (1900-1958) Bürgermeister (CDU) bestimmt. Beide Wahlen erfolgten einstimmig.
Hülsmann übte das Amt des zweiten stellvertretenden Oberbürgermeisters von 1948 bis 1951 aus. Damit gehörte er während einer politisch und wirtschaftlich besonders schwierigen Phase der unmittelbaren Nachkriegszeit zur politischen Führung der Stadt.
In diese Zeit fielen die anhaltenden Versorgungsprobleme der Bevölkerung, der sogenannte Hungerwinter 1946/47, Proteststreiks und die Auseinandersetzungen um die Lebensmittelversorgung, die Sozialisierung des Bergbaus und die wirtschaftliche Neuordnung der britischen Besatzungszone.
Hülsmann und die Nachkriegsnot
Als kommunistischer Stadtverordneter war Hülsmann wiederholt mit den sozialen und wirtschaftlichen Problemen der Nachkriegszeit befasst. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Brennstoffen und anderen Gütern gehörte zu den beherrschenden Themen der Herner Kommunalpolitik.
Im Jahr 1947 kam es im Ruhrgebiet zu umfangreichen Hungerprotesten und Proteststreiks. Am 3. April 1947 beteiligten sich auch die Herner Bergleute an einem großen Proteststreik. Die Forderungen richteten sich insbesondere gegen die unzureichende Lebensmittelversorgung und gegen die bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse. Gleichzeitig wurde die Überführung des Bergbaus in Gemeineigentum gefordert.
Die KPD erzielte bei der ersten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 20. April 1947 in Herne 24,3 Prozent der Stimmen. Damit gehörte Herne zu den Städten des Ruhrgebiets, in denen die Kommunisten besonders stark vertreten waren.
Auch 1948 blieb die Versorgungslage Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. Die KPD-Fraktion im Herner Stadtrat forderte unter anderem eine öffentliche Protestkundgebung gegen die anhaltende Ernährungskrise. Der Antrag wurde von den übrigen Parteien abgelehnt.
Generalstreik vom 12. November 1948
Die politischen Auseinandersetzungen verschärften sich 1948 infolge der Währungsreform, der Preissteigerungen und der unterschiedlichen Vorstellungen über die wirtschaftliche Neuordnung der Westzonen.
Am 12. November 1948 kam es zum größten Generalstreik der deutschen Nachkriegsgeschichte. Auch in Herne und Wanne-Eickel stand die Arbeit in zahlreichen Betrieben und auf den Zechen weitgehend still. Der Streik richtete sich unter anderem gegen die Preisentwicklung, den Lohnstopp und gegen die wirtschaftspolitische Entwicklung der Westzonen.
Die KPD unterstützte die Forderungen nach einer stärkeren wirtschaftlichen Demokratisierung, nach Mitbestimmung und nach einer Überführung wichtiger Industriezweige in Gemeineigentum.
Eine unmittelbare organisatorische Funktion Hülsmanns beim Generalstreik ist nach den bislang vorliegenden Unterlagen nicht eindeutig belegt. Seine politische Tätigkeit als führender kommunistischer Stadtverordneter fällt jedoch in die Zeit dieser Auseinandersetzungen.
Tätigkeit im Stadtrat
Hülsmann gehörte der Herner Stadtverordnetenversammlung über mehrere Wahlperioden der unmittelbaren Nachkriegszeit an. Seine Tätigkeit fällt in eine Phase, in der sich die politische Landschaft Hernes nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur neu formierte.
Als KPD-Stadtverordneter vertrat er insbesondere die Interessen der Bergarbeiter und der Arbeiterschaft. Die kommunistische Fraktion setzte sich in den Jahren 1947 und 1948 unter anderem mit der Ernährungskrise, der Lebensmittelverteilung, der Preisentwicklung und der Kontrolle der Verwaltung auseinander.
So nahm Hülsmann im September 1947 in einer Debatte über Unregelmäßigkeiten beim städtischen Ernährungsamt Stellung. Dabei ging es um Vorwürfe über die Verschiebung beziehungsweise ungerechtfertigte Verteilung von Lebensmitteln. Hülsmann verwies in der Aussprache auf die organisatorischen Zustände bei der Aufbewahrung von Unterlagen und darauf, dass für den betreffenden Raum nach Angaben der Polizei fünf Schlüssel vorhanden gewesen seien.
Spätere Jahre
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des stellvertretenden Oberbürgermeisters blieb Hülsmann in Herne wohnhaft.
Im Jahr 1954 wird er im Herner Adressverzeichnis als Redakteur Ewald Hülsmann, Hermannstraße 28, geführt. In den Ausgaben für 1959/60 erscheint er als Rentner Ewald Hülsmann, ebenfalls mit der Anschrift Hermannstraße 28.
Über seinen weiteren Lebensweg sowie sein Sterbedatum liegen derzeit keine gesicherten Angaben vor.
Einordnung
Ewald Hülsmann gehört zu den bislang nur teilweise erforschten kommunistischen Politikern der Herner Nachkriegszeit. Seine politische Laufbahn steht beispielhaft für die starke Stellung der KPD in den Bergarbeiterstädten des Ruhrgebiets unmittelbar nach dem Ende des Nationalsozialismus.
Als Bergmann, KPD-Mitglied und Stadtverordneter war Hülsmann Teil jener Arbeiterbewegung, die nach 1945 eine grundlegende politische und wirtschaftliche Neuordnung anstrebte. Seine Wahl zum zweiten stellvertretenden Oberbürgermeister im Jahr 1948 zeigt zugleich, dass kommunistische Politiker in der unmittelbaren Nachkriegszeit trotz der beginnenden politischen Konfrontation des Kalten Krieges noch in die kommunalen politischen Strukturen eingebunden waren.
Quellen
- Stadtverordneten-Versammlung Herne 1945-1946
- Stadtverordneten-Versammlung Herne 1946-1948
- Stadtverordneten-Versammlung Herne 1948-1952
- 1948
- Herner Adress- und Einwohnerverzeichnisse, 1954 sowie 1959/60.
- Zeitgenössische Berichte der Westfalenpost, der Westfälischen Rundschau und der WAZ/Ruhr-Nachrichten zur Ernährungskrise, den Proteststreiks und den kommunalpolitischen Auseinandersetzungen der Jahre 1947/48.
- Norbert Arndt: Revolution wird nicht geduldet! – Der Generalstreik vom 12. November 1948.
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- Stadtverordneten-Versammlung Herne 1948-1952 (← Links)
Quellen
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