Elmar Herne 1922

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Elmar Herne 1922 e. V. ist ein Sportverein aus Herne, der seine Wurzeln im Herner Süden hat. Der Verein wurde 1922 gegründet und entwickelte sich insbesondere im Handball zu einem traditionsreichen Herner Sportverein. Seit den 2020er Jahren gehört neben dem traditionellen Handball auch der Schwimmsport zum Vereinsangebot. Im Jahr 2022 feierte Elmar Herne sein 100-jähriges Bestehen.[1]

Elmar Herne 1922
Logo Elmar Herne 1922


Gründung1922
👔
VorsitzHeiner Vogelsang
🏢
SitzViktor-Reuter-Straße 4,
44623 Herne

Elmar Herne 22

Elmar Herne 22 e. V. ist ein Sportverein aus Herne, dessen Geschichte bis in das Jahr 1911 zurückreicht. Die eigentliche Vereinsgründung erfolgte 1922 als DJK Herne-Süd im Umfeld der katholischen Herz-Jesu-Pfarrei an der Düngelstraße in Herne-Süd. Aus dem zunächst breit aufgestellten Turn- und Sportverein entwickelte sich insbesondere eine traditionsreiche Handballabteilung.

Die Geschichte des Vereins ist zugleich ein Teil der Sozial-, Kirchen- und Sportgeschichte des Herner Südens. In den ersten Jahrzehnten waren Sport, katholisches Vereinsleben, Jugend- und Bildungsarbeit sowie Theater und gesellige Veranstaltungen eng miteinander verbunden. 1932 erhielt der Verein nach einer erfolgreichen Theateraufführung den Namen DJK Elmar Herne. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Verein 1934 im Zuge der Auflösung der katholischen DJK-Organisationen verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1946 die Neugründung.

Heute ist Elmar Herne nicht mehr konfessionell gebunden. Neben dem traditionellen Schwerpunkt Handball gehört inzwischen auch Schwimmsport zum Vereinsangebot. 2022 beging der Verein sein 100-jähriges Bestehen.[2]

Vorgeschichte und Wurzeln

Die Wurzeln des späteren Vereins liegen in der männlichen Jugendorganisation der katholischen Herz-Jesu-Pfarrei an der Düngelstraße im damals noch dörflich beziehungsweise kleinstädtisch geprägten Herner Süden.

Bereits 1911 bildeten sich innerhalb des sogenannten Jungmännerbundes eine Turnriege und eine Fußballmannschaft. Der Fußballmannschaft war allerdings nur eine kurze Existenz beschieden. Nach der Überlieferung der Vereinsgeschichte wurde das Fußballspiel innerhalb der katholischen Gemeinde als „nicht gesellschaftsfähig“ angesehen. Die Turner konnten ihre Tätigkeit dagegen fortsetzen und blieben bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges hinein aktiv.

Die Entwicklung entsprach dem allgemeinen Aufkommen organisierter Jugend- und Sportvereine im Ruhrgebiet. Sport wurde dabei nicht ausschließlich als körperliche Betätigung verstanden, sondern war Teil einer umfassenden Jugend- und Gemeinschaftsarbeit.

Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Viele junge Männer wurden zum Militär eingezogen, andere kamen nicht zurück. Nach dem Krieg musste das Vereins- und Gemeindeleben unter schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen neu aufgebaut werden.

Wiederbeginn nach dem Ersten Weltkrieg

Bereits 1920 wurde in der Herz-Jesu-Gemeinde wieder geturnt. Nach der Überlieferung bildeten zunächst sieben Kriegsüberlebende die erste Riege. Bereits ein Jahr später, 1921, war die Zahl der Turner auf 38 angewachsen.

Der Wiederaufbau fiel in eine außerordentlich unruhige Zeit. Das Ruhrgebiet war nach dem Ersten Weltkrieg von politischen Auseinandersetzungen, Streiks und gewaltsamen Konflikten geprägt. Im Zusammenhang mit den Reparationsforderungen kam es Anfang der 1920er Jahre zur französischen und belgischen Besetzung des Ruhrgebiets. Auch Herne war von der Ruhrbesetzung ab Januar 1923 betroffen.

In dieser kurzen Phase zwischen den politischen und wirtschaftlichen Krisen entstand der eigentliche Sportverein.

Gründung als DJK Herne-Süd 1922

Im Jahr 1922 wurde der Verein gegründet, um sich der katholischen Sportbewegung Deutsche Jugendkraft (DJK) anschließen zu können. Der neue Verein erhielt zunächst den Namen DJK Herne-Süd.

Zum ersten Vorsitzenden wurde Adam Klasen gewählt.

Die vollständige Liste der Gründungsmitglieder ist nicht überliefert.

Am 23. september 1923 wurde im Herner Anzeiger - Kirchlicher Anzeiger . folgender Text abgedruckt: "Turnabteilung: Am vergangenen Sonntag fand die Generalversammlung der Turnabteilung statt. Eine schöne Anzahl Turner war zugegen. Zum Leiter wurde gewählt Adam Klasen, zum Schriftführer und Kassierer Jos. Engemann, Turnwart Aug. Berner, 1. Vorturner Joh. Diermann, 2. Vorturner und Ge­rätewart Paul Kleinsorge. Die Turnstunden wurden auf Mittwochs und Freitags von 6—8 Uhr festgelegt. Ferner wurde die Gründung einer Faust= und Schlag­ballmannschaft besprochen. Nachdem der Leiter noch einige warme Worte an die Versammelten gerichtet hatte, wurde die Versammlung mit dem üblichen Tur­nergruße geschlossen."[3]

Zu den Mitgliedern der Gründergeneration, die auch die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg noch erlebten, gehörten nach der Vereinsüberlieferung:

  • August Berner
  • Johann Diermann
  • Theodor Kostedde
  • Josef Reitemeyer
  • Franz Ucka
  • Wilhelm Wallek

Der Mitgliedsbeitrag wurde zunächst auf 0,10 Reichsmark festgelegt.

Damit begann die Geschichte eines Vereins, dessen Entwicklung über ein Jahrhundert eng mit dem Herner Süden verbunden bleiben sollte.

Die Inflation von 1923

Bereits das erste Jahr des Vereinsbestehens stellte die Gründer vor enorme Herausforderungen.

Die Besetzung des Ruhrgebiets und die zunehmende wirtschaftliche Krise führten 1923 zu einer dramatischen Geldentwertung. Die deutsche Inflation erreichte im Herbst 1923 ihren Höhepunkt. Auch der junge Verein musste seine Beiträge an die völlig veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse anpassen.

Im November 1923 wurde der Mitgliedsbeitrag deshalb neu festgesetzt. Er betrug nun 5 Milliarden Reichsmark.

Die außergewöhnliche Höhe des Beitrages verdeutlicht die Geschwindigkeit der Geldentwertung. Innerhalb von weniger als zwei Jahren war aus einem Monats- beziehungsweise Vereinsbeitrag von wenigen Pfennigen beziehungsweise Groschen ein nomineller Betrag in Milliardenhöhe geworden.

Für die Mitglieder bedeutete die wirtschaftliche Situation, dass die Sicherung der eigenen Lebensgrundlage häufig wichtiger war als sportliche Aktivitäten. Trotzdem gelang es, den Verein aufrechtzuerhalten.

Ein breit aufgestellter Sportverein

Die Gründer verstanden den neuen Verein nicht als reinen Handballverein. Von Beginn an war eine möglichst breite sportliche Betätigung vorgesehen.

Neben dem klassischen Turnen wurden unter anderem

  • Leichtathletik,
  • Faustball und
  • Schlagball

betrieben.

Handball gehörte dagegen zunächst noch nicht zum Sportprogramm.

Damit entsprach DJK Herne-Süd zunächst dem Charakter vieler Sportvereine der 1920er Jahre, bei denen Turnen, Leichtathletik und verschiedene Mannschaftsspiele nebeneinander betrieben wurden.

Die Goldenen Zwanziger

Nach dem Ende der Ruhrbesetzung im Jahr 1925 verbesserten sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die französischen Truppen verließen Herne im Juli 1925. Auch das Vereinsleben konnte sich wieder stärker entwickeln.

DJK Herne-Süd profitierte von dieser Entwicklung.

Besonders populär wurde zunächst der Schlagball. Bei diesem Spiel handelte es sich um eine traditionelle europäische Ballspielvariante, die in ihrer Spielidee Ähnlichkeiten mit dem später weltweit verbreiteten Baseball aufwies.

Der Verein stellte mehrere Schlagballmannschaften auf. Bereits 1926 gelang der ersten Schlagballmannschaft der Aufstieg in die damals höchste Spielklasse, die sogenannte Gauklasse.

Auch der Faustball entwickelte sich zu einer wichtigen Sportart. Mehrere Mannschaften wurden gebildet. Die Vereinschronik beschreibt die sportliche Entwicklung dieser Jahre mit dem Anspruch, dass mit DJK Herne-Süd „immer gerechnet werden“ müsse.

Turner und Leichtathleten nahmen an zahlreichen Sportfesten teil. Dabei wurden Siegerkränze und Diplome errungen.

Eine besondere Gelegenheit zur öffentlichen Präsentation boten die Gemeindefeste der Herz-Jesu-Pfarrei. Die Turner konnten dort ihr Können vor der Gemeinde zeigen.

Beginn der Jugendarbeit

Parallel zur Entwicklung des Erwachsenenbereichs begann der Verein mit einer systematischen Jugend- und Schülerarbeit.

Jugendliche wurden an die verschiedenen Sportarten herangeführt. Insbesondere Faustballer und Schlagballer bauten Nachwuchsmannschaften auf.

Die Jugendarbeit erwies sich schon früh als erfolgreich. Bei dem überregional beachteten Staffellauf „Rund um den Bochumer Stadtpark“ konnte die Jugendmannschaft von DJK Herne-Süd zweimal den Sieg erringen.

Die Verbindung von Sport und Jugendarbeit entsprach dem Selbstverständnis der katholischen DJK-Bewegung. Der Sport sollte nicht nur der körperlichen Ertüchtigung dienen, sondern auch Gemeinschaft, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und persönliche Entwicklung fördern.

Der Handball kommt nach Herne-Süd

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre entwickelte sich der Handball zu einer der neuen Boom-Sportarten des Ruhrgebiets.

Auch bei DJK Herne-Süd wurde diese Entwicklung aufmerksam verfolgt.

Im Jahr 1927 beschloss der Verein, „auch im Handball im Sportbetrieb einzugreifen“. Damit begann die Entwicklung, die später die Identität des Vereins entscheidend prägen sollte.

Für die Saison 1927/28 wurden gleich zwei Handballmannschaften gemeldet.

Die erste Mannschaft erreichte auf Anhieb den zweiten Tabellenplatz ihrer Gruppe.

Bemerkenswert ist, dass Handball in dieser Anfangsphase noch nicht die wichtigste Sportart des Vereins war. Schlagball war mit drei Mannschaften weiterhin stärker vertreten; auch die Leichtathletik hatte eine große Bedeutung.

Trotzdem entwickelte sich Handball innerhalb weniger Jahre zum wichtigsten sportlichen Standbein des Vereins.

DJK und katholischer Sport

Die frühe Geschichte von DJK Herne-Süd ist ohne die katholische Sportbewegung nicht zu verstehen.

Für die damaligen Mitglieder bedeutete die Zugehörigkeit zum Verein nicht nur sportliche Betätigung. Sie verstanden sich zugleich als Mitglieder der katholischen Gemeinde und der katholischen Jugendbewegung.

Ein Vereinsbeitritt war nach der Vereinsüberlieferung mit der Zustimmung des Pfarrers der Herz-Jesu-Pfarrei verbunden.

Auch der sportliche Wettbewerb war zunächst konfessionell organisiert. DJK-Vereine traten innerhalb des DJK-Verbandes grundsätzlich gegeneinander an.

Diese Trennung entsprach den gesellschaftlichen Verhältnissen der Weimarer Republik. Sportvereine waren häufig eng mit sozialen, politischen, konfessionellen oder weltanschaulichen Milieus verbunden.

Neben der katholischen DJK existierten beispielsweise die evangelischen Eichenkreuz-Vereine des CVJM sowie die von der Arbeiterbewegung getragenen Sportorganisationen, die unter anderem eigene „Arbeiter-Olympiaden“ veranstalteten.

Hinzu kam, dass die Zuständigkeit für den damals noch jungen Handballsport innerhalb der deutschen Sportbewegung noch nicht eindeutig geregelt war. Turner und Leichtathleten beanspruchten beide Einfluss auf die neue Sportart.

Handball im katholischen Verband

In Herne bestanden in den 1920er Jahren zahlreiche katholische Gemeinden mit eigenen Jugendorganisationen und Sportgruppen.

DJK Herne-Süd traf bei seinen ersten Handballspielen unter anderem auf:

DJK Falkenhorst,
DJK Arminia Welper und
DJK Arminia Eickel.

1928 wurde für Herne ein eigener DJK-Verband beziehungsweise eine entsprechende Organisationsstruktur geschaffen, um die sportlichen Aktivitäten der katholischen Vereine zu koordinieren.

Die Bindung an den katholischen Meisterschaftsbetrieb blieb für DJK Herne-Süd beziehungsweise später DJK Elmar Herne noch Jahrzehnte bestehen.

Noch in den 1950er Jahren wurde zwischen dem DJK-Spielbetrieb und den Meisterschaften des Westdeutschen Handball-Verbandes (WHV) unterschieden.

Während die erste Mannschaft beispielsweise 1952 noch überregional im DJK-Hauptverband in Altenberg spielte, konnte die zweite Mannschaft gleichzeitig im Spielbetrieb des WHV antreten und wurde auf Anhieb Kreismeister im Handballkreis Herne/Wanne-Eickel/Castrop-Rauxel.

Die Herner Stadtmeisterschaften

Die konfessionelle Organisation des Spielbetriebs hatte für die Handballer einen Nachteil.

Meisterschaftsspiele gegen die nichtkatholischen Vereine aus Herne waren nicht möglich. Gerade gegen die großen örtlichen Mannschaften waren dadurch nur Freundschaftsspiele möglich.

Zu den damaligen starken Herner Mannschaften gehörten insbesondere Polizei Herne und Westfalia Herne.

In Freundschaftsspielen konnte DJK Herne-Süd bereits früh gegen diese Mannschaften Erfolge erzielen. Gegen Westfalia Herne wurde ein Spiel mit 4:1 gewonnen, gegen die damals weit über Herne hinaus bekannte Mannschaft der Polizei Herne mit 3:2.

Eine organisatorische Lösung wurde 1928 gefunden.

DJK Herne-Süd trat dem Herner Zweckverband bei, einer kommunalen Sportorganisation, die als Vorläufer des späteren Stadtsportbundes angesehen werden kann.

Damit wurden nun auch offizielle Begegnungen mit nichtkonfessionellen Herner Vereinen möglich.

Die Lokalderbys wurden im Rahmen der Herner Stadtmeisterschaften im Handball ausgetragen.

Für den jungen Handballverein war dies ein wichtiger Schritt. Die Mannschaft konnte sich nun regelmäßig mit der gesamten Herner Konkurrenz messen.

Der spätere Bürgermeister Kai Gera erinnerte bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Vereins ausdrücklich an den Erfolg bei den ersten Herner Stadtmeisterschaften im Hallenhandball.[4]

Herne im Wandel – der Verein wächst mit

Das Jahr 1928 war auch für die Stadt Herne von großer Bedeutung.

Mit der Eingemeindung von Sodingen, Börnig und Holthausen vergrößerte sich das Stadtgebiet erheblich. Die Einwohnerzahl Herne stieg dadurch um ungefähr ein Drittel.

Gleichzeitig verbesserte sich die Verkehrsanbindung. Erstmals fuhr die Straßenbahn durchgehend von Recklinghausen über Herne nach Bochum.

Auch im Herner Süden entstanden neue Einrichtungen.

An der Bergstraße wurde 1928 das Sommerbad eröffnet. Rund 6.000 Besucher konnten die neue Anlage nutzen. Das Bad galt seinerzeit als besonders moderne und vorbildliche Sport- und Freizeiteinrichtung.

Die Entwicklung des Herner Südens bildete damit einen wichtigen Rahmen für die weitere Entwicklung des Vereins.

Sport und gesellschaftliches Leben

Von Anfang an war der Sport bei DJK Herne-Süd nur ein Teil des Vereinslebens.

Die frühen Vereinsmitglieder verstanden ihren Zusammenschluss auch als soziale und kulturelle Gemeinschaft.

Zum Vereinsprogramm gehörten:

besinnliche Leseabende,
Theateraufführungen,
Skatturniere,
Karnevalsveranstaltungen,
Vereins- und Werbeabende,
gesellige Veranstaltungen und
sportliche Vorführungen.

Besondere Bedeutung erlangte das Theaterspiel.

Die Vereinsmitglieder standen nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch auf der Bühne. Dadurch entstand eine ungewöhnliche Verbindung von Sport, katholischer Kulturarbeit und geselligem Vereinsleben.

Diese Theatertradition sollte schließlich sogar den Namen des Vereins bestimmen.

Der Name „Elmar“

Im Jahr 1932 führte der Verein mit großem Erfolg das Theaterstück „Elmar“ auf.

Die Vorlage war die Bühnenfassung des historischen Epos Dreizehnlinden des westfälischen Heimatdichters Friedrich Wilhelm Weber.

Im Mittelpunkt steht der germanische beziehungsweise heidnische Sachse Elmar, der in dem christlichen Kloster Dreizehnlinden mit dem Christentum in Berührung kommt und schließlich sein Seelenheil findet.

Das Werk war insbesondere im katholischen Milieu verbreitet und wurde auch von katholischen Gesellenvereinen aufgeführt.

Die Begeisterung über die Aufführung war bei den Mitgliedern von DJK Herne-Süd so groß, dass beschlossen wurde, den gesamten Verein nach dem Helden des Stückes zu benennen.

Aus DJK Herne-Süd wurde DJK Elmar Herne.

Der neue Name hatte dabei mehrere Bedeutungen. Einerseits sollte er den kulturellen Charakter des Vereins und seine Theatertradition widerspiegeln. Andererseits half die Umbenennung, Verwechslungen mit dem Fußballverein BV Herne-Süd zu vermeiden.

Damit war der Name Elmar geboren, unter dem der Verein bis heute bekannt ist.

Das Ende des Vereins unter dem Nationalsozialismus

Die politischen Veränderungen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 hatten unmittelbare Auswirkungen auf die katholischen Sportvereine.

In katholischen Kreisen hatte zunächst die Hoffnung bestanden, dass die kirchlichen Organisationen aufgrund des zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl geschlossenen Konkordats von staatlichen Eingriffen verschont bleiben würden.

Diese Hoffnung erwies sich als falsch.

Die nationalsozialistische Gleichschaltung erfasste zunehmend auch die konfessionellen Sportorganisationen. Die katholische DJK wurde unter staatlichen Druck gesetzt. Führende Funktionäre der DJK-Bewegung wurden verfolgt beziehungsweise ermordet, und konfessionelle Sportvereine verloren ihre organisatorische und öffentliche Handlungsfreiheit.

Auch die DJK Elmar Herne war davon betroffen.

1934 wurde der Verein verboten. Das Vereinsvermögen wurde eingezogen.

Damit endete nach rund zwölf Jahren die erste Vereinsperiode von Elmar Herne.

Die Auflösung war kein freiwilliges Ende, sondern Teil der nationalsozialistischen Zerschlagung der selbstständigen katholischen Vereinsorganisationen.

Die DJK-Fahne

Eine besondere Episode aus dieser Zeit betrifft die Vereinsfahne.

Der spätere Ruhrbischof Franz Hengsbach war in den 1930er Jahren Vikar in der Pfarrei St. Marien in Herne-Baukau.

Nach der Vereinsüberlieferung versteckte Hengsbach dort die Herner DJK-Fahne und bewahrte sie damit vor dem Zugriff der nationalsozialistischen Behörden.

Hengsbach wurde 1956 zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums Essen ernannt. Bekannt wurde unter anderem sein Bischofsring, in den anstelle eines Edelsteins ein Stück Kohle eingefasst war. Seine heute kritische Bewertung schmälert nicht seine Verbundenheit mit Herne.

Die Geschichte der versteckten DJK-Fahne gehört zu den symbolträchtigen Erinnerungen an die Verfolgung der katholischen Vereinsarbeit während der NS-Zeit.

Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte der Verein wieder auf.

1946 wurde Elmar Herne neu gegründet.

Die Voraussetzungen waren schwierig. Viele Vereinsmitglieder waren im Krieg gefallen oder kehrten erst nach Jahren aus Gefangenschaft zurück. Nur wenige Mitglieder der Vorkriegsgeneration erlebten die Neugründung.

Dennoch bestand der Wille, an die Tradition der Vorkriegszeit anzuknüpfen.

Nicht nur der Sport wurde wieder aufgenommen. Auch die kulturelle Tradition lebte zunächst weiter.

Eines der ersten Theaterstücke, das nach dem Krieg von Elmaranern in Herne aufgeführt wurde, war „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal.

Damit wurde bewusst an die Verbindung von Sport und Kultur aus der Vorkriegszeit angeknüpft.

Schwieriger sportlicher Neubeginn

Auch der sportliche Wiederaufbau war von den Folgen des Krieges geprägt.

Material war knapp, Verkehrsverbindungen waren beschädigt und die Besatzungsmächte hatten zahlreiche Einschränkungen erlassen.

Die Vereinsüberlieferung berichtet von abenteuerlichen Fahrten zu Auswärtsspielen. Teilweise wurden Mannschaften auf der Ladefläche von Lastkraftwagen zu Spielen gefahren. Solche Fahrten waren wegen des nach dem Krieg geltenden Ausgehverbots und der alliierten Kontrollmaßnahmen nicht ungefährlich.

Ein weiteres großes Gemeinschaftsprojekt war der Bau eines Sportplatzes an der Bergstraße, der gemeinsam mit den Fußballern des BV Herne-Süd realisiert wurde.

Der Wiederaufbau des Sportplatzes war für den Verein von großer Bedeutung. Er schuf wieder eine eigene sportliche Infrastruktur und gab dem Vereinsleben im Herner Süden einen festen Mittelpunkt.

Entwicklung zum Handballverein

Nach dem Krieg gewann der Handballsport zunehmend an Bedeutung.

Während in den 1920er Jahren noch Turnen, Leichtathletik, Faustball und Schlagball nebeneinander gestanden hatten, entwickelte sich Handball zur dominierenden Sportart.

Die Verbindung mit der DJK-Tradition blieb zunächst erhalten.

Noch in den 1950er Jahren nahm die erste Mannschaft an den überregionalen DJK-Meisterschaften teil. Gleichzeitig entwickelte sich die zweite Mannschaft im regulären Verbandsspielbetrieb.

Diese parallele Entwicklung zeigt den Übergang vom konfessionell organisierten Sport der Vorkriegszeit zum zunehmend einheitlich organisierten Sport der Bundesrepublik.

Die Familie Reitemeyer und Elmar

Zu den Familien, die mit der Geschichte des Vereins verbunden sind, gehört die Familie Reitemeyer.

Der spätere Handballfunktionär Heinz Reitemeyer (* 26.06.1939; † 25.05.2019) wurde in Herne geboren. Sein Vater war Mitbegründer der DJK Elmar Herne. Heinz Reitemeyer begann als Kind beim Verein mit Fußball und Handball und entwickelte später eine lebenslange Verbindung zum Handballsport.[5]

1967 wechselte Reitemeyer zur Handballabteilung von Borussia Dortmund. Dort wurde er später zu einem wichtigen Funktionär des Vereins und insbesondere des Dortmunder Frauenhandballs.[6]

Seine Biografie zeigt exemplarisch, welche Bedeutung Elmar Herne als Ausgangspunkt sportlicher Laufbahnen innerhalb der regionalen Handballlandschaft besaß.

Vom katholischen Verein zum offenen Sportverein

Die konfessionelle Bindung, die das Vereinsleben der 1920er und frühen 1930er Jahre geprägt hatte, verlor nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend an Bedeutung.

Der Verein entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Sportverein, der grundsätzlich allen Interessierten offenstand.

Die frühere Verbindung zwischen Pfarrgemeinde und Vereinsmitgliedschaft bestand nicht mehr. Auch die strikte Trennung zwischen katholischen und nichtkatholischen Meisterschaftssystemen wurde mit der Neuordnung des Sports in der Bundesrepublik aufgehoben.

Gleichzeitig blieb die Erinnerung an die Ursprünge erhalten.

Der Name Elmar wurde zum verbindenden Element zwischen der katholischen Vereinsgeschichte der 1920er Jahre und dem modernen, konfessionsunabhängigen Sportverein.

Elmar und der Herner Handball

Über Jahrzehnte gehörte Elmar zu den Vereinen, die den Handballsport in Herne mitprägten.

Männer- und Frauenmannschaften nahmen am regionalen Spielbetrieb teil. Dabei entstanden zahlreiche lokale Derbys und sportliche Verbindungen zu Vereinen aus Herne und dem umliegenden Ruhrgebiet.

Auch im 21. Jahrhundert blieb der Verein im Handball aktiv. Die Vereinsseite dokumentiert zahlreiche Spielberichte und Mannschaften.[7]

Im aktuellen Spielbetrieb ist Elmar Herne dem Handballkreis Industrie und damit dem Handballverband Westfalen zugeordnet. Auf handball.net wird der Verein als „Elmar Herne“ geführt.[8]

Erweiterung um den Schwimmsport

Neben dem Handball besitzt der Verein inzwischen auch eine Schwimmabteilung.

Elmar Herne 22 wird in Unterlagen zum Schwimmsport in Herne als Verein „vorm. HC Westfalia Herne“ geführt.[9]

Die Schwimmabteilung nahm unter anderem an den Herner Stadtmeisterschaften teil.

Bereits bei den Stadtmeisterschaften 2019 war Elmar Herne 22 mit Schwimmerinnen und Schwimmern vertreten.[10]

Auch 2023 und 2024 sind Teilnehmer des Vereins bei den Stadtmeisterschaften nachgewiesen.[11][12]

Damit ist aus dem ursprünglich breit aufgestellten Turn- und Sportverein wieder ein Verein geworden, der mehrere Sportarten unter seinem Dach vereint.

100 Jahre Elmar Herne

Im Jahr 2022 feierte Elmar Herne sein 100-jähriges Bestehen.

Die Jubiläumsfeier fand natürlich in Herne-Süd statt und begann mit einem Sport- und Spielfest an der Sporthalle an der Jean-Vogel-Straße. Neben dem Vereinsnachwuchs nahmen zahlreiche ehemalige Elmar-Handballer teil. Auch die Damenmannschaft beteiligte sich an einem Handballturnier.[13]

Am Abend wurde das Jubiläum im „Bergschlösschen“ fortgesetzt. Rund 150 Gäste nahmen an der Feier teil. Vertreter des Herner Sports sowie aus Gesellschaft und Politik waren anwesend.

In seinem Grußwort erinnerte der Erste Bürgermeister der Stadt Herne, Kai Gera, an die Anfänge des Vereins in Herne-Süd, an die sportliche Entwicklung und insbesondere an den Erfolg bei den ersten Stadtmeisterschaften im Hallenhandball. Darüber hinaus würdigte er die Bedeutung des Vereins für den Breitensport und die kulturellen Aktivitäten.[14]

Ein besonderer Moment des Jubiläums war die gemeinsame Präsentation der traditionellen Handballabteilung und der inzwischen neu hinzugekommenen Schwimmabteilung.

Der langjährige Vorsitzende Heiner Vogelsang (* 1962) führte den familiären Charakter des Vereins als einen wesentlichen Grund für dessen 100-jähriges Bestehen an.[15]

Erinnerungskultur

Mit der Aufgabe der früheren konfessionellen Bindung und dem Ende der Theatertradition hat sich der Charakter des Vereins grundlegend verändert.

Geblieben ist jedoch das Bewusstsein für die eigene Geschichte.

Die Vereinsgeschichte wird dabei nicht nur anhand von Tabellen und sportlichen Erfolgen erzählt. Erinnerungen ehemaliger Mitglieder geben Einblicke in den Alltag des Vereins.

So wird beispielsweise von den ersten Trikots nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet. Weil Sportbekleidung knapp war, wurden T-Shirts der amerikanischen Armee verwendet und blau eingefärbt. Die Farbe hielt nicht dauerhaft, sodass später der Schriftzug „US-ARMY“ wieder sichtbar wurde.

Die Episode steht beispielhaft für die improvisierten Bedingungen, unter denen der Verein nach 1945 seinen Sportbetrieb wieder aufnahm.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Die Geschichte von Elmar Herne ist zugleich ein Spiegel der Entwicklung Herne-Süds und der Stadt Herne im 20. Jahrhundert.

Aus einer Turnriege des katholischen Jungmännerbundes entstand zunächst ein katholischer Mehrspartenverein. In den 1920er Jahren spiegelte der Verein die gesellschaftliche Vielfalt der Weimarer Republik wider. Die Ruhrbesetzung und Inflation von 1923 prägten die Gründungsjahre. Die wirtschaftliche Stabilisierung der zweiten Hälfte der 1920er Jahre ermöglichte den Ausbau des Sportbetriebs.

Die Einführung des Handballs im Jahr 1927 führte zu jener Sportart, die später die Identität des Vereins maßgeblich bestimmen sollte.

Die Umbenennung in DJK Elmar Herne 1932 dokumentiert die enge Verbindung von Sport und katholischem Kulturleben. Das Verbot 1934 steht wiederum beispielhaft für die Zerschlagung der freien und konfessionellen Vereinsorganisationen durch den Nationalsozialismus.

Die Neugründung 1946 und der anschließende Wiederaufbau spiegeln die schwierigen Nachkriegsjahre wider. Aus dem ehemals katholisch geprägten Verein entwickelte sich im Laufe der Bundesrepublik ein konfessionsunabhängiger Sportverein.

Mit dem 100-jährigen Bestehen im Jahr 2022 konnte Elmar Herne auf eine ungewöhnlich lange und wechselvolle Vereinsgeschichte zurückblicken.

Chronologie

Jahr Ereignis
1911 Bildung einer Turnriege und einer Fußballmannschaft im katholischen Jungmännerbund der Herz-Jesu-Pfarrei.
1914–1918 Unterbrechung beziehungsweise Einschränkung des Vereins- und Sportbetriebs durch den Ersten Weltkrieg.
1920 Wiederaufnahme des Turnens; sieben Kriegsüberlebende bilden die erste Riege.
1921 Die Turnriege zählt 38 Mitglieder.
1922 Gründung der DJK Herne-Süd; erster Vorsitzender wird Adam Klasen.
1923 Ruhrbesetzung und Hyperinflation; der Mitgliedsbeitrag steigt im November auf 5 Milliarden Reichsmark.
1925 Abzug der französischen Besatzungstruppen aus Herne; Beginn einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erholungsphase.
1926 Die erste Schlagballmannschaft steigt in die Gauklasse auf.
1927 Aufnahme des Handballsports; zwei Mannschaften werden für die Saison 1927/28 gemeldet.
1928 Eintritt in den Herner Zweckverband; dadurch regelmäßige Teilnahme an den Herner Stadtmeisterschaften.
1928 Eingemeindung von Sodingen, Börnig und Holthausen nach Herne; Eröffnung des Sommerbades an der Bergstraße.
1932 Erfolgreiche Aufführung des Theaterstücks „Elmar“; Umbenennung von DJK Herne-Süd in DJK Elmar Herne.
1934 Verbot des Vereins im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung; Einziehung des Vereinsvermögens.
1946 Neugründung des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg.
1946 ff. Wiederaufnahme des Sport- und Kulturlebens; Aufführung von „Jedermann“.
1950er Jahre Weiterführung des Handballs in DJK- und regulärem Verbandsspielbetrieb.
1962 Feier des 40-jährigen Vereinsbestehens.
1994 Neufestsetzung der aktuellen Satzung am 25. November 1994
2022 Feier des 100-jährigen Bestehens in Herne-Süd.

Vereinsnamen

Im Laufe seiner Geschichte ist der Verein unter unterschiedlichen Bezeichnungen beziehungsweise in unterschiedlichen organisatorischen Zusammenhängen überliefert. Für die historische Entwicklung sind insbesondere folgende Bezeichnungen belegt:

1922 DJK Elmar Herne – historische Vereinsbezeichnung
Elmar Herne – Kurzbezeichnung des Vereins
Elmar Herne 22 e. V. – heutige Vereinsbezeichnung
Elmar Herne 22 e. V. (vorm. HC Westfalia Herne) – Bezeichnung im Zusammenhang mit der Schwimmabteilung

Literatur und Quellen

  • 40 Jahre Deutsche Jugendkraft Elmar Herne 1922-1962.
  • Elmar Herne 22 e. V.: 100. Geburtstag: Elmar Herne feierte feste, 20. September 2022.
  • Elmar Herne 22 e. V.: Über Elmar Herne.
  • Handballkreis Industrie: Vereine.
  • Handball.net: Elmar Herne.
  • Stadtsportbund Herne: Stadtmeisterschaften im Schwimmen.
  • Borussia Dortmund: Chronik der BVB-Handballabteilung.
  • Wolfgang Bruch: Herz-Jesu-Gemeinde Herne 1949 bis 1969.

Weblinks

Verwandte Artikel

Einzelnachweise