Eilike Schlenkhoff (1984) Künstlerin
Eilike Schlenkhoff (*1984 in Herne) ist eine deutsche Malerin, Zeichnerin, Fotografin und Installationskünstlerin. Sie lebt und arbeitet in Wuppertal. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihre Auseinandersetzung mit den Grenzbereichen zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ihr Werk umfasst Malerei, Zeichnung, Fotografie, Rauminstallationen sowie langjährige fotografische Selbstbeobachtungsprojekte. Seit den 2010er Jahren zählt sie zu den markanten Positionen der jüngeren nordrhein-westfälischen Gegenwartskunst. 2022 erhielt sie den PHÖNIX-Kunstpreis.
Leben
Eilike Schlenkhoff wurde 1984 in Herne geboren. Nach einem Studium der Freien Kunst an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen (2003–2005) wechselte sie an die Kunstakademie Münster. Dort studierte sie von 2005 bis 2013 in der Klasse von Prof. Cornelius Völker, schloss als Meisterschülerin ab und absolvierte anschließend ein Meisterschülerjahr.[1]
Seit 2009 ist sie Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des Kunst- und Kulturvereins Hebebühne e. V. in Wuppertal.[2] Parallel dazu entwickelte sie Tätigkeiten im Bereich Bühnenbild und Kulturarbeit. Seit 2011 arbeitet sie für das deutschlandweit auftretende Vollplaybacktheater als Bühnenbildnerin. Zwischen 2019 und 2021 war sie dort zudem als Darstellerin tätig.
Ihre künstlerische Entwicklung wurde durch zahlreiche Stipendien und Förderprogramme begleitet, darunter das Förderprogramm Bildende Kunst der Vereinten Volksbanken Münster sowie das Stipendium der Kulturstiftung Unna. 2018 erhielt sie den Ramboux-Preis der Stadt Trier, 2022 den PHÖNIX-Kunstpreis.
Künstlerisches Werk
Grundposition
Schlenkhoffs Werk bewegt sich zwischen gegenständlicher Wahrnehmung und malerischer Abstraktion. Charakteristisch ist die Fähigkeit, aus wenigen scheinbar spontanen Pinselbewegungen Formen entstehen zu lassen, die zwischen Objekt, Bewegung und malerischer Geste oszillieren. Die Jury des PHÖNIX-Kunstpreises hob hervor, dass aus „wenigen dynamischen Pinselstrichen“ gegenständliche Erscheinungen hervortreten und so eine besondere malerische Illusion erzeugen.
Ihre Arbeiten verweigern sich einer eindeutigen Zuordnung. Farbflächen verwandeln sich in Gegenstände, abstrakte Formen gewinnen räumliche Präsenz, während gegenständliche Motive wiederum in malerische Strukturen zerfallen. Diese Mehrdeutigkeit bildet einen roten Faden ihres Gesamtwerks.
Malerei
Im Zentrum ihres Schaffens steht die Malerei. Wiederkehrende Themen sind:
- Schwebezustände
- Bewegung
- Materialillusion
- Transformation
- Wahrnehmungstäuschung
- Alltagsobjekte
- Naturformen
Die Bildräume erscheinen häufig reduziert. Vor monochromen oder nahezu monochromen Hintergründen entwickeln sich farbige Formgebilde, die zwischen abstraktem Zeichen und gegenständlicher Erscheinung changieren.
Zeichnung
Die Zeichnung bildet innerhalb ihres Werkes ein eigenständiges Experimentierfeld. Hier untersucht Schlenkhoff Gesten, Bewegungen und lineare Strukturen, die später häufig in malerische Arbeiten einfließen.
Fotografie
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Langzeitprojekt Wake Ups, das 2009 begann. Dabei fotografiert sich die Künstlerin unmittelbar nach dem Erwachen mit einer analogen Kamera. Das Projekt dokumentiert über Jahre hinweg Zustände zwischen Privatheit, Erinnerung und Selbstbeobachtung.[3][4]
Installation und Raumarbeit
Neben der klassischen Tafelmalerei entwickelt Schlenkhoff raumbezogene Installationen und Modellfotografien. Dabei werden malerische Prozesse in den Raum übertragen und fotografisch dokumentiert. Die Grenzen zwischen Objekt, Bild und Inszenierung lösen sich dabei zunehmend auf.[5]
Die Jury des PHÖNIX-Kunstpreises hob hervor, dass aus wenigen dynamischen Pinselstrichen gegenständliche Erscheinungen entstehen und dadurch eine besondere malerische Spannung erzeugt wird.[6]
Bedeutung für Herne
Obwohl Schlenkhoff seit vielen Jahren in Wuppertal lebt, bleibt ihre Herkunft aus Herne ein wichtiger biografischer Bezugspunkt. Sie gehört zu den überregional erfolgreichsten bildenden Künstlerinnen, die aus Herne hervorgegangen sind. Durch Ausstellungen in Berlin, Trier, München, Dortmund, Münster, Unna und weiteren Städten hat sie die Sichtbarkeit zeitgenössischer Kunst aus dem Ruhrgebiet wesentlich mitgeprägt.
Preise und Auszeichnungen
2010 Förderpreis der Kunstakademie Münster
2011 Stipendium Junge Kunst Essen
2013 Wolfgang-Zimolong-Förderpreis
2015 Atelierstipendium Werkstatt Altena
2015 Zeit-Kunstpreis Galerie QQArt Hilden (3. Preis)
2016–2018 Förderprogramm Kunst der Vereinten Volksbanken Münster
2017 Stipendium Kulturstiftung Unna-Kamen
2018 Ramboux-Preis der Stadt Trier
2022 PHÖNIX-Kunstpreis[7]
Shortlist zahlreicher weiterer Kunstpreise und Landesförderungen Nordrhein-Westfalens.[8]
Werkverzeichnis (Auswahl)
Gemälde und Werkgruppen
Blätter
Hound
Die Lesende
Zeichnung
Weißer Faden
Wedel
The New One
Ohne Titel (6)
Ohne Titel (15)
Ohne Titel (16)
Feuerwerk (2020)
Strich K (2024)
Diese Arbeiten und Werkgruppen sind durch Veröffentlichungen der Künstlerin beziehungsweise Ausstellungsdokumentationen nachweisbar.
Fotografische Werkgruppen
Wake Ups (seit 2009)
Modellfotografie (fortlaufende Werkgruppe)
Installative Arbeiten
Schloss Strünkede / Utopiastadt-Projekt (2014)
verschiedene Modell- und Rauminstallationen seit den 2010er Jahren[9]
Ausstellungsverzeichnis
Einzelausstellungen und Duo-Ausstellungen (Auswahl)
2008 – Malerei, Galerie Quartier 7, Münster
2009 – Ich komm zur Kartoffel, Hebebühne e.V., Wuppertal
2012 – Organische Flächen, Kunstakademie Münster
2013 – Blumenkohl für Sarah, Galerie Marion Scharmann, Köln
2014 – Schloss Strünkede, Utopiastadt Wuppertal
2016 – Banalitäten, Stadtgalerie Altena
2016 – Peripherien, Galerie Clowns und Pferde, Essen
2017 – Quetschkommode, Kunstverein Unna
2018 – Bildräume – Raumbilder, Kunsthalle im Kulturbahnhof Cloppenburg
2018 – Rambouxpreis der Stadt Trier, Stadtmuseum Simeonstift Trier
2019 – Gundula in Blau, Kunstverein Unna
2021 – Luftraumportal, Rotunde Barmen, Wuppertal
2021 – Alles auf Rot, Galerie Rasche Ripken, Berlin
2022 – Rauhfaserdackel, Galerie Rasche Ripken, Berlin
2022 – PHÖNIX Kunstpreis, Werksviertel München
2022 – Kurvette, NoCube, Münster
2023 – Malzeit, Volksbank Haltern am See
2023 – Eilike Schlenkhoff / Juergen Staack, Marburger Kunstverein
2024 – Das ist die Situation / Alles und Nichts, Galerie Rasche Ripken, Berlin
2024 – Wunderkammerflimmern (mit Thomas Autering), Friedrich 7, Dortmund[10]
2025 – Rokokokokotte, Galerie Stefan Rasche, Berlin
2025 – Großstadt! Menschen! Technik! Gefahr!, Galerie Stefan Rasche, Berlin
2025 – Hier. Biennale 2025, Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal
Rezeption
Die Kunstkritik hebt insbesondere Schlenkhoffs Fähigkeit hervor, die Grenzen zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei aufzulösen. Wiederholt wird auf die Leichtigkeit ihrer Bildsprache verwiesen, die trotz scheinbar spontaner Gestik eine hohe technische Präzision erkennen lässt. Die Arbeiten erzeugen oftmals einen Zustand zwischen Erkennen und Nicht-Erkennen und laden zu einem aktiven Wahrnehmungsprozess ein.
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Quellen
- ↑ Eilike Schlenkhoff: CV. https://eilike.de/cv/ Abruf: 11.06.2026.
- ↑ Eilike Schlenkhoff: CV. https://eilike.de/cv/ Abruf: 11.06.2026.
- ↑ Come-On.de: Werkstatt-Stipendiatin Eilike Schlenkhoff wagt mit „Wake Ups“ radikalen Bruch der Intimsphäre. https://www.come-on.de/lennetal/altena/werkstatt-stipendiatin-eilike-schlenkhoff-wagt-wake-ups-radikalen-bruch-intimsphaere-6017474.html Abruf: 11.06.2026.
- ↑ Come-On.de: Eilike Schlenkhoff erhält das Werkstatt-Stipendium. https://www.come-on.de/lennetal/altena/eilike-schlenkhoff-sichert-sich-werkstatt-stipendium-4918210.html Abruf 11.06.2026.
- ↑ Engels Kultur: Eilike Schlenkhoff – Nahaufnahme 07/16. https://www.engels-kultur.de/eilike-schlenkhoff Abruf: 11.06.2026.
- ↑ PHÖNIX Kunstpreis: Eilike Schlenkhoff gewinnt PHÖNIX 2022. https://www.xn--phnix-kunstpreis-nwb.de/eilike-schlenkhoff-gewinnt-phoenix-2022/ Abruf: 11.06.2026.
- ↑ PHÖNIX Kunstpreis: Eilike Schlenkhoff gewinnt PHÖNIX 2022. https://www.xn--phnix-kunstpreis-nwb.de/eilike-schlenkhoff-gewinnt-phoenix-2022/ Abruf 11.06.2026.
- ↑ https://eilike.de/cv/
- ↑ duesseldorf-art.de: Eilike Schlenkhoff. https://www.duesseldorf-art.de/kuenstler/eilike-schlenkhoff/ Abruf 11.06.2026.
- ↑ Wir in Dortmund: Flimmern zwischen Sichtbarem und Fühlbarem. https://www.wirindortmund.de/hoerde/flimmern-zwischen-sichtbarem-und-fuehlbarem-284369 Abruf 11.06.2026.

