Eduard Hellweg (1847-1917) Pfarrer und Schulrat

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Eduard Hellweg (* 24. Juli 1847 Spenge-(Bar-)Düttingdorf, Krs. Herford; † 25. Oktober 1917 in Arnsberg) war ein evangelischer Geistlicher und preußischer Schulbeamter. Als erster Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Wanne spielte er eine zentrale Rolle beim Aufbau kirchlicher Strukturen in der aufstrebenden Industrieregion. Später wirkte er als Regierungs- und Schulrat in Arnsberg.

Eduard Hellweg
Hellweg-Eduard-1847-1917.png
Hellweg-Eduard-1847-1917.png

Aus Amt Wanne 1925 S. 73 (KI restauriert)

Geboren am: 24. Juli 1847
Geboren in: Spenge-(Bar-)Düttingdorf
Gestorben am: 25. Oktober 2017
Gestorben in: Arnsberg
Beruf: Pfarrer
Titel: Geh. Regierungsrat
Letzte Änderung: 08.04.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben

Friedrich Adalbert Eduard Hellweg wurde am 24. Juli 1847 in Spenge-Bardüttingdorf geboren. seine Eltern waren der Lehrer Henrich Christoph Helweg (18131875) und Elise Wilhelmine Sophie Luise Helweg (geb. Wiethüchter) (1821-1892). Getauft wurde er am 13. August 1847 in Wallenbrück. Nach theologischer Ausbildung trat er in den Dienst der evangelischen Kirche ein.

Zunächst seit Oktober 1873 Pfarrer in Breckerfeld, dort auch schon Kreisschulinspektor von Schwelm-Langenfeld.

Nach langjähriger Tätigkeit als Pfarrer in Wanne - s.u. - wandte er sich der staatlichen Schulverwaltung zu und wechselte in den preußischen Verwaltungsdienst.

Seit 1905 war er Mitglied der Königlichen Regierung in Arnsberg, wo er als Regierungs- und Schulrat tätig war und den Titel eines Geheimen Regierungsrates führte.

Er verstarb am 25. Oktober 1917 im Alter von 70 Jahren in Arnsberg.

Wirken in Wanne

Mit der Gründung der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde Wanne am 1. Oktober 1884 wurde Hellweg am 22. April 1885 zu ihrem ersten Pfarrer gewählt[1]. Seine Einführung erfolgte am 5. August 1885.

Er betreute eine rasch wachsende Gemeinde, die im Zuge der Industrialisierung stark anwuchs. Die Gottesdienste fanden zunächst in provisorischen Räumlichkeiten statt.

Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt der Aufbau eines eigenständigen kirchlichen Zentrums. Unter seiner Mitwirkung wurde die Christuskirche errichtet: Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. Juli 1886, die Einweihung am 10. November 1887.

Darüber hinaus engagierte sich Hellweg im Bildungswesen. In Bickern förderte er eine höhere Knabenschule (die Konzession der Privat-Rektoratsschule wurde bereits im April 1886 beantragt und erteilt[2]), die ab 1895 auch Mädchen aufnahm, was zur Entwicklung des höheren Mädchenschulwesens in Wanne-Eickel beitrug. Anfänglich wurden die Knaben in der Wirtschaft Heitkamp an der Königstraße in Wanne unterrichtet. 1894 ins Gemeindehaus an der Hauptstraße.

Ebenfalls 1886 wurde der "Ev. Arbeiterverein Bickern" gegründet, dessen Ehren-Präses er wurde.[3] Vom 26. Juli 1891 bis zum 20. August 1893 sogar als Vorsitzender.[4]

Am 8. April 1895 wurde dem "Herrn Pfarrer Hellweg hierselbst [...] die Erlaubniß zur Errichtung einer Fortbildungsschule für Bickern ertheilt worden." [5] Das war die Grundung der Berufschule in Wanne.[6] Im selben Jahr wurde dann im August sein 10jähriges Jubileum in Bickern gefeiert. Noch weitere 8 Jahre blieb er alleiniger Pfarrer für Wanne.

Familie

Seit dem 15. Juni 1875 war er mit Magdalene Antonie Moeller (* 02.08.1853 + 29.05.1897) verheiratet (Schwelm Nr. 33). Sie war eine Nachfahrin des bekannten Kaufmanns Friedrich Wilhelm Springorums.
Kinder wurden Ihnen geboren:

  1. Sohn Hellweg * 7. Juni 1876 Breckerfeld † 7. Juni 1876 ebd.
  2. Sohn Hellweg * 11. März 1879 Breckerfeld; 1. März 1879 ebd.
  3. Elisabeth Hellweg * 25.12.1888
  4. Magda Hellweg * 25.12.1888

Schulwesen und Bildungsarbeit

Neben dem Pfarramt entfaltete Hellweg eine umfangreiche Tätigkeit im Schulwesen:

  • "Herbede. Ernennung Zum königlichen Kreis­schulinspektor des Bezirkes Schwelm=Hattingen ist dieser Tage der Herr Pfarrer Hellweg in Bichern ernannt und wird derselbe sein neues Amt am 1. Mai d. J. [1896] antreten. Der genannte Herr wird den Bezirk nicht nebenamtlich, sondern im Hauptamte verwalten und darum seine Pfarr­stelle quitieren."[7] Er blieb aber doch im Dienst.
  • Kreisschulinspektor (zunächst nebenamtlich, später ab 1902 für den Bezirk Gelsenkirchen-Hattingen) : "Der Pfarrer Hellweg zu Wanne ist durch Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts= und Medizinal­angelegenheiten vom 4. April 1902— U, III. B. Nr. 1065 G I — vom 1. Mai 1902 ab mit der kommissarischen Verwaltung des Kreisschulinspektionsbezirks Gelsenkirchen—Hattingen under vorläufiger Anweisung seines Wohnsitzes in Wanne beauftragt worden."[8] - Wanne, 17. März [1903]. Der bisherige Pfarrer Hellweg ist zum Kreisschulinspektor ernannt worden."[9]
  • Regierungs- und Schulrat in Arnsberg (ab 1905) mit Zuständigkeit u. a. für die Schulen in Wanne sowie im Land- und Stadtkreis Hagen

Zeitgenössische Berichte heben hervor, dass Hellweg als Vorgesetzter „gerecht und wohlwollend“ gewesen sei und den Lehrern pädagogische Freiheit ließ, solange die Ausbildungsergebnisse überzeugten.

Besondere Bedeutung kommt seinem Engagement für das weiterführende Schulwesen zu. In Wanne initiierte er eine Rektoratschule als Fortbildungsanstalt für Gemeindeschulen, die gemeinsam mit einer katholischen Einrichtung den Grundstock für das spätere Realgymnasium und Lyzeum bildete.

Hellweg-Stiftung

Vor dem Wechsel nach Arnsberg stellte Hellweg einen größeren Geldbetrag (18000 Mark) zur Förderung von Schülern in Wanne zur Verfügung. Aus diesem Kapital entwickelte sich durch Verzinsung eine Stiftung (sog. „Hellweg-Stiftung“), die insbesondere Söhne von Pfarrern und evangelischen Lehrern während ihrer Schul- und Studienzeit unterstützte.[10] Die Stiftung viel leider 1923 der Inflation zum Opfer.[11]

Wirken in der Schulverwaltung

Seine Tätigkeit musste er krankheitsbedingt vorzeitig aufgeben.

Zeitgenössische Nachrufe heben seine Tätigkeit bei der Regierung Arnsberg hervor und zeichnen Hellweg durch hohe Arbeitsleistung und Pflichtbewusstsein aus. Ein amtlicher Nachruf würdigt seine „unermüdliche Schaffensfreude“, seinen „selbstlosen, edlen Sinn“, sowie seine erfolgreiche Tätigkeit hervor, die er erst aufgrund schwerer gesundheitlicher Einschränkungen aufgeben musste.[12]

Nachruf

In einem amtlichen Nachruf der Königlichen Regierung Arnsberg heißt es wörtlich:

„Nach langjähriger Wirksamkeit als Pfarrer hatte sich der Entschlafene ganz der Schulverwaltung gewidmet. […] In diesem Amte hat er mit unermüdlicher Schaffensfreude und reichem Erfolge gewirkt […] Wir beklagen den Verlust eines Mitarbeiters von vorbildlicher Pflichttreue, dessen selbstloser, edler Sinn und warmes Gemüt ihm die Herzen gewann.“[13]

Bedeutung

Eduard Hellweg gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der frühen evangelischen Gemeindeentwicklung in Wanne. Als erster Pfarrer legte er die organisatorischen und baulichen Grundlagen des Gemeindelebens. Darüber hinaus wirkte er als Schulbeamter im preußischen Verwaltungsdienst und trug zur Entwicklung des Bildungswesens in der Region bei.

Werke (Auswahl)

  • Eduard Hellweg, Geschichte der evangelischen Gemeinde Breckerfeld, Schwelm 1883

Literatur

  • Friedrich Weiberg (Hrsg.): 50 Jahre Amt Wanne. Wanne 1925, S. 102 f.
  • Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde Wanne-Mitte (Hrsg.): 1884–1984. 100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde in Wanne.

Ehrungen

  • Juli 1914: Geheimer Regierungsrat
  • Roten Adler=Orden 4. Klasse

Verwandte Artikel

Quelle

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.