Eduard Fey (1900-1994) Pädagoge
Eduard Fey (* 11. Mai 1900 in Hannover; † 1994 in Münster[1]) war ein deutscher Philosoph, Pädagoge und Gymnasiallehrer. Über mehrere Jahrzehnte war er im höheren Schulwesen tätig und wirkte auch am Gymnasium Herne. Darüber hinaus erlangte Fey Bedeutung als Vertreter eines europäisch ausgerichteten Philosophieunterrichts und als einer der Wegbereiter der internationalen Zusammenarbeit der Philosophie-Lehrerverbände.
Leben und Wirken
Über die frühen Lebensjahre Eduard Feys liegen bislang nur wenige gesicherte Angaben vor. Julius Eduard Eugen Friedrich Jakob Fey wurde in Hannover geboren. Seinen Eletern waren Johann Heinrich Georg Fey und Dorette Auguste Frieda Adele Eugenie Fey (geb. Hattendorf). Fest steht, dass er Philosophie studierte und sich wissenschaftlich insbesondere mit der französischen Literatur und Philosophie beschäftigte. Einen Schwerpunkt seiner Forschungen bildete das Werk des französischen Dichters Alfred de Musset. Nach späteren Würdigungen hätte Fey aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten durchaus eine akademische Laufbahn einschlagen können. Wegen seiner oppositionellen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus blieb ihm jedoch eine Universitätskarriere versagt; er war stattdessen als Lehrer an einem Gymnasium tätig.[2]
Vom 1. Januar 1930 bis zum 30. September 1933 war er als Studienrat in Stettin beschäftigt und wurde anschließend nach Greifswald versetzt.
Während des Zweiten Weltkrieges war Fey Soldat. Schon im März 1938 nahm er an einem Lehrgang der Wehrmacht in Rostock teil um ab 1. September 1939 als Heeresbeamter (Truppenzahlmeister) im Nachschub und am März 1945 in de selben Position in Norwegen eingesetzt zu werden. Am 13. September 1945 wurde er entlassen. Nach dem Ende des Krieges wandte er sich verstärkt der Frage zu, welchen Beitrag Bildung und insbesondere der Philosophieunterricht zum demokratischen und europäischen Wiederaufbau leisten konnten.[3]
Bereits 1946 gehörte Fey im zerstörten Wuppertal zu den Aktiven einer „Gesellschaft für geistige Erneuerung“. Diese Nachkriegsinitiative stand im Zusammenhang mit den Bemühungen um eine geistige und demokratische Neuorientierung Deutschlands.[4]
Fey und das Gymnasium Herne
Eine wichtige Station seines beruflichen Wirkens war das Gymnasium Herne. Fey war dort als Oberstudiendirektor tätig und gehörte damit zu den prägenden Persönlichkeiten der Schule in der Nachkriegszeit.
1952 erschien zum 50-jährigen Bestehen der höheren Schule in Herne die Festschrift Fünfzig Jahre Gymnasium Herne – 80 Jahre Städtische Höhere Schule. Herausgegeben wurde die Denkschrift von Oberstudiendirektor Dr. Eduard Fey und Oberstudienrat Dr. Josef Stapenhorst.[5]
Unter seiner Leitung wurde 1952 der heutige Name Pestalozzi Gymnasium eingeführt.
Damit steht Fey zugleich in der Geschichte der Entwicklung der heutigen höheren Schule in Herne. Seine Tätigkeit fiel in eine Zeit, in der sich das Gymnasium nach dem Ende des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg neu orientieren musste.
Der „Werkschüler“
Ein zeitgeschichtlich besonders aufschlussreiches Zeugnis für die Tätigkeit und das pädagogische Denken Eduard Feys ist sein Beitrag'„Der Werkschüler“, der am 1. Juni 1951 veröffentlicht wurde. Fey beschäftigte sich darin mit der wirtschaftlichen Situation der Schüler des Herner städtischen Gymnasiums und insbesondere mit der zunehmenden Zahl von Jugendlichen, die neben ihrer schulischen Ausbildung einer bezahlten Arbeit nachgingen.[6]
Fey stellte den Begriff des „Werkschülers“ dem bereits seit dem Ersten Weltkrieg bekannten „Werkstudenten“ gegenüber. Hintergrund war die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit, die auch Familien von Schülern höherer Schulen betraf. Nach seinen Angaben mussten zahlreiche Schüler in den Ferien, teilweise sogar während der Schulzeit, einer bezahlten Arbeit nachgehen.
Besonders eindrucksvoll sind die von Fey genannten Zahlen: Von 217 Schülern der vier Oberklassen des Herner städtischen Gymnasiums arbeiteten zwischen Weihnachten 1949 und Weihnachten 1950 insgesamt 114 Schüler in 273 Arbeitseinsätzen. Davon entfielen 156 Einsätze auf den Bergbau, weitere 42 auf Eisen und Stahl. Andere Schüler waren unter anderem im Baugewerbe tätig. Einige Jugendliche arbeiteten damit in zwei, teilweise sogar in drei Ferien.
Fey sah diese Entwicklung mit Sorge. Er unterschied zwischen Schülern, die aus wirtschaftlicher Not zur Arbeit gezwungen waren, und solchen, bei denen die Ferienarbeit eher zu einer zeittypischen Erscheinung geworden war. Eine solche „Modeerscheinung“ müsse seiner Auffassung nach bekämpft werden. Gleichzeitig forderte er eine stärkere Unterstützung wirklich bedürftiger und begabter Schüler. Die damals bestehenden Möglichkeiten der Schulgeldbefreiung und Beihilfen hielt er dafür nicht für ausreichend.
Die Schule müsse gemeinsam mit den Eltern die tatsächlichen Notfälle erkennen, damit vorhandene Unterstützung gezielt eingesetzt werden könne. Grundsätzlich sah Fey einen Gegensatz zwischen Gelderwerb und Schule. Beides gleichzeitig auf den Schultern von Jugendlichen im Entwicklungsalter zu tragen, sei eine Überforderung.
Der Beitrag ist auch deshalb von besonderem Wert, weil er einen unmittelbaren Einblick in die sozialen Verhältnisse der Herner Gymnasiasten in der frühen Nachkriegszeit gibt. Die genannten Zahlen machen deutlich, wie stark die wirtschaftlichen Folgen der Nachkriegszeit selbst in der Schülerschaft einer höheren Schule spürbar waren. Zugleich zeigt der Text Fey als Schulleiter, der die soziale Situation seiner Schüler nicht lediglich als individuelles Familienproblem betrachtete, sondern als eine Aufgabe, bei der auch die Schule Verantwortung übernehmen müsse.
Die Bezeichnung „Werkschüler“ steht dabei exemplarisch für die besondere Situation der frühen 1950er Jahre: Jugendliche besuchten weiterhin eine höhere Schule, waren aber zugleich in die industrielle Arbeitswelt des Ruhrgebiets eingebunden. Dass der Bergbau mit 156 von 273 Arbeitseinsätzen den mit Abstand größten Anteil stellte, spiegelt die damalige Bedeutung des Bergbaus für die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Herne wider.
Europäische Zusammenarbeit im Philosophieunterricht
Besondere Bedeutung erlangte Fey nach 1945 durch sein Engagement für eine internationale Zusammenarbeit der Philosophielehrer. Für ihn war Philosophieunterricht nicht ausschließlich eine Angelegenheit nationaler Bildungssysteme, sondern ein Beitrag zur Verständigung zwischen den europäischen Ländern.
1959 brachte Fey in Schwelm bei Wuppertal Philosophie-Lehrer aus Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland zusammen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine europäische Arbeitsgemeinschaft der Philosophie-Lehrer.[7]
Weitere internationale Zusammenkünfte folgten. Kongresse fanden unter anderem 1962 in Mailand, 1964 in Sèvres bei Paris, 1967 in Wien und 1971 in Brüssel statt. Beim Kongress in Sèvres wurde Fey zum Vorsitzenden des internationalen Verständigungskomitees gewählt. Zu diesem Komitee gehörten schließlich Vertreter aus 15 Ländern.[8]
Fey veröffentlichte auch selbst Beiträge zur internationalen Entwicklung des Philosophieunterrichts. 1974 erschien in der französischen Fachzeitschrift L'Enseignement philosophique sein Beitrag L'enseignement de la philosophie en Europe.[9]
Weg zur internationalen Vereinigung der Philosophie-Lehrer
Die von Fey seit 1959 geförderte internationale Zusammenarbeit bildete einen wichtigen Vorlauf für die spätere Gründung der Association Internationale des Professeurs de Philosophie (AIPPh).
Nach Angaben einer späteren Darstellung der AIPPh spielte Fey eine wichtige Rolle bei den Vorarbeiten zur internationalen Organisation und bei der Formulierung ihrer Satzung. Ziel war insbesondere, den Philosophieunterricht in den beteiligten Ländern zu fördern und seine Grundlagen in der Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung zu sichern.[10]
1971 übergab Fey in Brüssel den Vorsitz an Marcel Franz Fresco. Fey wurde anschließend zum Ehrenpräsidenten der Organisation ernannt.[11]
Bedeutung
Eduard Fey verband seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer mit einem weit über die einzelne Schule hinausreichenden Verständnis von Bildung. Sein besonderes Anliegen war die Vermittlung philosophischen Denkens und die internationale Zusammenarbeit der Lehrer. Dabei erhielt der Philosophieunterricht für ihn nach 1945 eine zusätzliche politische und gesellschaftliche Bedeutung: Er sollte zur freien Urteilsbildung, zur Verständigung und zum europäischen Zusammenwachsen beitragen.
Seine Verbindung mit dem Gymnasium Herne macht Fey zugleich zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit der Herner Bildungsgeschichte. Die von ihm gemeinsam mit Josef Stapenhorst herausgegebene Festschrift von 1952 dokumentiert seine leitende Funktion an der Schule und stellt ihn in den Zusammenhang der Entwicklung des Herner Gymnasialwesens.
Fey starb 1994 in Münster. Seine Bedeutung für die europäische Zusammenarbeit der Philosophielehrer wurde nach seinem Tod insbesondere innerhalb der AIPPh gewürdigt.[12]
Werke (Auswahl)
- Fünfzig Jahre Gymnasium Herne – 80 Jahre Städtische Höhere Schule. Denkschrift zur 50-Jahr-Feier, herausgegeben von Oberstudiendirektor Dr. Eduard Fey und Oberstudienrat Dr. Josef Stapenhorst, Herne 1952.
- Petro Salinas: Die Rätsel-Bombe. Eine Fabel vom Weltuntergang und Glauben. Limes 1959. Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Eduard Fey.
- Eduard Fey: L'enseignement de la philosophie en Europe. In: L'Enseignement philosophique, 24. Jahrgang, Nr. 5, 1974, S. 62–64.
- Eduard Fey (Hrsg.): Beiträge zum Philosophieunterricht in europäischen Ländern. Münster 1978.
Ehrungen
- 1972 Bundesverdienstkreuz
Archive
- Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- NW 1022-F / SBE Hauptausschuss Stadtkreis Wuppertal NW 1022-F, Nr. 6886 - Entnazifizierung Eduard Fey , geb. 11.04.1900 (Studienrat) Digital auf https://www.archive.nrw.de
- Stadtarchiv Münster
- Kreis-D / Archive d. ehem. Landkreises MS: Registratur nach 1955/57, Nr. 1085 - Wohnsiedlungsgenehmigungen 1960
- 1230/60 Grundstückskaufvertrag Erbdroste Dr. Georg Graf Droste zu Vischering / Eheleute Oberschulrat Dr. Eduard Fey und Dr. Helga geb. Meckenstock; St. Mauritz
- Kreis-D / Archive d. ehem. Landkreises MS: Registratur nach 1955/57, Nr. 1085 - Wohnsiedlungsgenehmigungen 1960
Literatur
- Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie – Histoire et actualité. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- Stadt Herne: Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Anlage: Straßennennungen seit 1997.
- Weiterführende Literatur: https://www.herne.de/PDF/Verkehr/stadtgeschichte_im_spiegel_der_strassennamen_anlage_strassenneubenennungen_seit_1997.pdf
- Fachartikel von Eduard Fey: https://www.persee.fr/doc/enphi_0035-1393_1974_num_24_5_17738
- Zur Geschichte der AIPPh: https://diotime.lafabriquephilosophique.be/numeros/086/022/
- Bericht zum internationalen Philosophieunterrichtskongress 1964: https://kpbc.umk.pl/Content/234021/PDF/EOD_OPEN_005_21_3-4.pdf
Verwandte Artikel
Quelle
- ↑ https://www.archive.nrw.de/archivsuche?link=VERZEICHUNGSEINHEIT-A92x49378234148025520251022104245414
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- ↑ Stadt Herne: Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Anlage: Straßeneubenennungen seit 1997, Literaturverzeichnis, Eintrag „Fünfzig Jahre Gymnasium Herne“.
- ↑ „Der Werkschüler“, Beitrag von Oberstudiendirektor Dr. Fey, Herne, zeitpunkt.nrw
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- ↑ Ruch Filozoficzny, XXVI; Bericht über den dritten internationalen Kongress des Philosophieunterrichts in Sèvres 1964.
- ↑ Eduard Fey: L'enseignement de la philosophie en Europe. In: L'Enseignement philosophique, Jahrgang 24, Nr. 5, 1974, S. 62–64.
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
- ↑ Werner Busch: L'Association Internationale des Professeurs de Philosophie. In: Revue internationale de la didactique et des pratiques de la philosophie, Nr. 86, 2020.
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