Das Banner der Kolpingfamilie Herne Sodingen-Börnig von 1914

Die Kolpingsfamilie Herne-Sodingen/Börnig ist eine katholisch geprägte Gemeinschaft, die in der Tradition des von Adolph Kolping begründeten Gesellenvereinswesens steht. Ihre Geschichte ist im Zusammenhang mit der Entwicklung der katholischen Kirchengemeinde im Raum Sodingen und Börnig sowie mit dem sozialen Wandel durch den Bergbau zu betrachten.
Das historische Banner der Kolpingfamilie Herne Sodingen-Börnig aus dem Jahr 1914 ist ein bedeutendes Zeugnis der katholischen Vereins- und Handwerksgeschichte im heutigen Herner Stadtteil. Am 25. Oktober 2026 wurde das Banner – nach jahrzehntelanger Aufbewahrung im Kolpingraum des Urbanushauses – im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes unter der Zelebration von Pastor Thomas Poggel in die St. Peter und Paul Kirche überführt, wo es seither der Öffentlichkeit in einer dauerhaften Aufstellung präsentiert wird.
Historischer Hintergrund
Die Wurzeln der Kolpingarbeit in Sodingen und Börnig gehen auf den damaligen Kaplan Karl Stier zurück, der als Gründer und Präses des katholischen Gesellenvereins wirkte, bevor er im Mai 1914 eine neue Vikarstelle in Rünthe übernahm. [1]
Das erste Stiftungsfest des Gesellenvereins – verbunden mit der feierlichen Fahnenweihe – fand am 10. Mai 1914 statt. Ein zeitgenössischer Bericht aus dem Jahr 1914 schildert die Anfänge:
„Börnig=Sodingen, 13. Mai. Ein wichtiger Tag war der vergangene Sonntag für unsern kath. Gesellenverein. Unter Teilnahme der Brudervereine Herne, Bochum, Castrop, Gelsenkirchen, Eickel beging derselbe an diesem Tage ein erstes Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Die rege Teilnahme der hiesigen Bewohner an der schönen Doppelfeier zeigte, daß die Sache Kolpings auch hier festen Fuß gefaßt hat. Am frühen Morgen vereinigten sich die Gesellen und Ehrenmitglieder an der Kommunionbank. In der Festandacht des Nachmittags hielt dann Herr Pfarrer Bräckling die Festpredigt, in der er den Gesellen den hl. Josef als Vorbild hinstellte und zur Nachahmung seiner Tugenden ermahnte. Darauf nahm er in feierlicher Weise die Weihe der neuen Fahne vor. Die weltliche Feier fand gegen einhalb 6 Uhr im vollbesetzten Nöthe'schen Saale statt, die mit herzlichen Begrüßungsworten vom Präses eröffnet wurde. Der Pfarr=Cäcilien=Verein, welcher sich gern zur Verschönerung der Feier bereit erklärt hatte, fand mit seinen Männerchören wohlverdienten, reichen Beifall.“[2]


Beschreibung des Banners
Das Banner (fotografisch dokumentiert durch Barbara Rohde im Jahr 2026) ist zweiseitig gestaltet:
- Vorderseite (Dunkler Samtgrund):
- Zentrales Motiv: Der heilige Josef mit dem Jesuskind an einer Hobelbank, umgeben von der Aufschrift: „Heiliger Joseph bitte für uns!“
- Die vier Kolping-Tugenden: In den Ecken befinden sich Spruchbänder mit den Grundpfeilern der Bewegung: Religion-Tugend (oben links), Arbeit-Fleiss (oben rechts), Eintracht-Liebe (unten links) und Frohsinn-Scherz (unten rechts).
- Rückseite (Heller Grund):
- Inschriften: Der obere Bogen zeigt den Schriftzug „Kathol. Gesellen-Verein Börnig-Sodingen“, der untere den traditionellen Handwerksgruß „Gott segne das ehrbare Handwerk“. Die Jahreszahlen 1913 und 1914 markieren die Gründungs- und Weihephase.
- Zentrales Medaillon: Ein farbiges Innenschild mit gekreuzten Handwerkswerkzeugen (Hammer und Zirkel) sowie der Abkürzung „K.G.V.“.
- Die vier Kolping-Tugenden als Symbole: Religion-Tugend = Glaube (Kreuz) Liebe (Herz) Hoffnung (Anker) (oben links), Eintracht-Liebe = Händereichen (oben rechts), Arbeit-Fleiss = Bienenkorb (Unten links), und Frohsinn-Scherz = Lyra (unten rechts).
Übertragung 2026
Durch die Übergabe in die Peter-und-Paul-Kirche im Oktober 2026 ist dieses historische Artefakt der lokalen Vereinsgeschichte für nachfolgende Generationen im sakralen Raum gesichert und ausgestellt worden.
Quellen
- Zeitgenössischer Zeitungsbericht (Mai 1914) zum ersten Stiftungsfest und zur Fahnenweihe.
- Dokumentation und Fotografie von Barbara Rohde (Oktober 2026).
- https://www.halloherne.de/artikel/festmesse-zu-ehren-von-adolph-kolping-82536
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Siehe auch
Quelle
- ↑ Er wurde später Pfarrer der St. Joseph (Horsthausen) Pfarrei.
- ↑ Castroper Anzeiger vom 14. Mai 1914 https://zeitpunkt.nrw
