Bruno Lehnemann (1892-1944) Architekt
Ernst Otto Bruno Lehnemann (* 14. Juli 1892 in Mönchengladbach; † Ende März 1944) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner, Hochschullehrer und nationalsozialistischer Funktionär. Er wirkte unter anderem als Stadtbaurat in Stettin, Beigeordneter und Baumeister in Wanne-Eickel sowie später als Professor für Städtebau an der Technischen Hochschule Hannover. Während des Zweiten Weltkriegs war er im Umfeld des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition tätig.
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Leben
Bruno Lehnemann war der Sohn von Ernst und Ellen Lehnemann. Er besuchte die Oberrealschule und legte im Februar 1912 das Abitur ab. Anschließend studierte er Architektur und Städtebau in Berlin und München.
Während des Ersten Weltkriegs diente er als Leutnant der Reserve aus Mönchengladbach. Er gehörte den Pioniertruppen an und wurde am 15. Juli 1918 leicht verwundet.[2] Für seine militärischen Leistungen erhielt er das Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern sowie das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Am 13. Juni 1920 bestand Lehnemann die Diplom-Hauptprüfung. Vom 1. August 1920 bis zum 25. November 1922 war er als Architekt und Vorstand des städtischen Stadterweiterungs- und Siedlungsamtes in Mönchengladbach tätig. Am 25. November 1922 legte er die Staatsprüfung ab und wurde zum Regierungsbaumeister ernannt.[3] Bereits im Dezember 1923 schied er auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst aus.[4]
Nach dem Ende des Krieges und dem Abschluss seiner Studien übernahm Lehnemann 1925 die Leitung des Stadtbauamts in Wanne-Eickel. Dort machte er sich durch städtebauliche Arbeiten, Veröffentlichungen und Vorträge einen Namen. Er gilt als Planer der Stadthalle „Käseglocke“ in Wanne-Eickel.
Der Hannoversche Kurier schrieb 1944 rückblickend:
„Nach Beendigung des Weltkrieges und seiner Studien übernahm er in Wanne-Eickel die Leitung des Stadtbauamts. Dort zeigte er eine besondere Befähigung für die zu lösenden Aufgaben, die er nicht nur praktisch, sondern auch durch zahlreiche Veröffentlichungen und in Vorträgen mit großer Klarheit erörterte. Der Name, den er sich in Fachkreisen erworben, die Energie und Lauterkeit seiner Person gaben Anlaß zu seiner Berufung in das Amt des Stadtbaurats von Stettin.“[5]
Von 1929 bis 1935 war er als Stadtarchitekt beziehungsweise Stadtbaurat in Stettin tätig. In einer Ratssitzung der Stadt Stettin vom 29. September 1939 wurde Lehnemann zur Übernahme einer Professur für Städtebau an der Technischen Hochschule Hannover verabschiedet.[6]
Nationalsozialismus
Lehnemann war Mitglied der NSDAP. In den Akten der Parteikanzlei wird eine Mitgliedsnummer 12327 genannt.[7] Aufgrund der niedrigen Nummer wurde vermutet, dass er bereits um 1925 der Partei beigetreten sei. Laut einem Mitgliedsverzeichnis im US-Archiv trug er jedoch die Mitgliedsnummer 2653677 und trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein.
Außerdem führte er den Rang eines SS-Sturmführers.
Während des Zweiten Weltkriegs war Lehnemann innerhalb des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition unter Albert Speer tätig. Er wurde dort mit der Betreuung des Munitionsprogramms beauftragt.[8]
Am 1. August 1940 nahm er an einer Besprechung zur Umsteuerung der deutschen Rüstungswirtschaft teil. Im Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht heißt es dazu:
„Am 1. 8. 1940 fand eine Besprechung bei Rü In[dustrie] III statt über ‚bisherige Maßnahmen zur Umsteuerung der Rüstungswirtschaft gemäß neuer Führerentscheidung am 31. 7. 40.‘ Die Sitzung wurde geleitet durch den Inspekteur, Herrn Gen.Lt. Stieler von Heydekamp. Anwesend waren die Sachbearbeiter der Rü In III, der Vertreter des Wehrkreisbeauftragten, der Vorsitzende des Rüstungsausschusses, vom R.Min. f. Bew. u. Mun., Prof. Lehnemann, der Präsident des Landesarbeitsamtes Brandenburg, Dr. Gassner und vom WiRüAmt Oberstlt. Wittekind und Major Dr. Krull.“[9]
1941 bis 1943 wohnte Lehnemann laut Adressbüchern als „Prof. a. D.“ in der Yorckstraße 16 in Hannover. 1943 ist zusätzlich eine Adresse in Berlin-Charlottenburg, Suarezstraße 26, nachweisbar.
Am 24. Januar 1944 wird er als Beauftragter Speers für kriegsbedingte Stellenwechsel erwähnt.[10]
Durch seinen Tod im März 1944 wurde seine Professorenstelle an der Technischen Hochschule Hannover vakant.[11]
Schriften
- M.Gladbach – 10 Federzeichnungen von Dipl.-Ing. Bruno Lehnemann, Verlag der Kunstkammer M.Gladbach, 1921.
- Wege zur Arbeit und Brot – Betrachtungen und Berechnungen über die Auswirkung der Streichung von Produktivausgaben in den öffentlichen Haushalten, Volksbote Stettin, 1932.
- Die nationalsozialistische Baugesetzgebung, in: Ministerial-Blatt des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Innern, Band 7, Teil 1, 1940.
Verwandte Artikel
- Bruno Lehnemann (Weiterleitungsseite) (← Links)
Quellen
- ↑ Quellenrecherche: Andreas Janik © aus: ancestry.de Stadtarchiv Mönchengladbach; Mönchengladbach, Deutschland; Bestand: 41; Signatur: 41/01/G/179; Nr.: 179
- ↑ http://des.genealogy.net/search/show/8852170 Genealogienetz.de Deutsche Verlustlisten
- ↑ Zentralblatt der Bauverwaltung, 42. Jahrgang, 1922, Nr. 97, S. 1.
- ↑ Zentralblatt der Bauverwaltung, 43. Jahrgang, 1923, Nr. 101/102, S. 12.
- ↑ Hannoverscher Kurier vom 4. April 1944. online
- ↑ https://archive.spk-berlin.de/actaproweb/document/Vz_8431826e-ec8e-4352-9be7-c2d3803dc48b
- ↑ Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP : Rekonstruktion eines verlorengegangenen Bestandes; Sammlung der in anderen Provenienzen überlieferten Korrespondenzen, Niederschriften von Besprechungen usw. mit dem Stellvertreter des Führers und seinem Stab bzw. der Partei-Kanzlei, ihren Ämtern, Referaten und Unterabteilungen sowie mit Hess und Bormann persönlich / Hrsg.: Institut für Zeitgeschichte. Bearb. von Helmut Heiber. Oldenbourg Verlag, 1983, ISBN 3486518011, S. 231.
- ↑ http://pallas.cegesoma.be/pls/opac/opac.search?lan=N&seop=2&sele=51&sepa=16&doty=&sest=&chna=&senu=183310&rqdb=1&dbnu=1
- ↑ Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Band 1, S. 74e
- ↑ Rüstungspolitik in Baden: Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz in einer Grenzregion im Zweiten Weltkrieg. De Gruyter, 1995.
- ↑ Jung, Michael: Eine neue Zeit. Ein neuer Geist? Hannover 2020, S. 91.

