Bernhard Börding (1865-1926) Arzt und Lokalpolitiker

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Sanitätsrat Dr. med. Franz Bernhard Börding (* 9. April 1865 in Telgte; † 22. Dezember 1926 in Bonn) war ein deutscher Arzt, Marine- und Knappschaftsarzt sowie langjährig prägender Kommunalpolitiker im heutigen Stadtgebiet von Herne, insbesondere im Bereich Sodingen, Börnig und Giesenberg. Er gehörte zu den zentralen medizinischen und gesellschaftlichen Persönlichkeiten der frühen industriellen Entwicklung des nördlichen Ruhrgebiets.

Bernhard Börding
Bernhard Börding
Marine- und Knappschaftsarzt,
Kommunalpolitiker in Sodingen
Sanitätsrat
Geboren9. April 1865
in Telgte
✝️
Gestorben22. Dezember 1926
in Bonn
🏠
Letzte AdresseHermannstraße 12

Herkunft und Ausbildung

Bernhard Börding wurde als Sohn des Wirtes Peter Anton Börding und der Catharina Heyne in Telgte geboren. Er wuchs in Westfalen auf und besuchte zunächst das Knickenbergsche Institut in Telgte. Anschließend absolvierte er das Gymnasium in Münster, das er Ostern 1886 mit dem Abitur verließ.

Er studierte Medizin an den Universitäten Freiburg, München und Kiel. Während seines Studiums legte er 1888 die ärztliche Vorprüfung in München ab und bestand 1891 in Kiel das Staatsexamen sowie das Examen rigorosum.

Seine Dissertation verfasste er über das Thema „Das Meckelsche Divertikel als Ursache innerer Darmeinklemmung“ (Kiel 1891).[1]

Militärische und marineärztliche Laufbahn

Börding leistete zunächst Militärdienst beim Königlich Bayerischen Infanterie-Leibregiment in München (1888–1889). Anschließend trat er als einjährig-freiwilliger Arzt in die Kaiserliche Marine ein.

1891 wurde er dem Stationslazarett der Ostsee zugeteilt. 1892 erfolgte seine Beförderung zum Assistenzarzt II. Klasse der Marine-Reserve.

1895 wurde er in den Landwehrbezirk Dortmund versetzt.[2] 1904 wird er als Reserve-Stabsarzt der Marine geführt.

Niederlassung im Ruhrgebiet und ärztliche Tätigkeit

Nach seiner militärärztlichen Tätigkeit ließ sich Börding in Börnig nieder. Er entwickelte sich dort rasch zu einem zentralen Arzt der wachsenden Industriebevölkerung im Umfeld der Zeche Mont-Cenis.

Bereits in den 1890er Jahren wurde er als Knappschaftsarzt für den Bezirk Sodingen, Börnig, Giesenberg und Hiltrop eingesetzt.[3]

Zeitgenössische Berichte zeigen jedoch auch Konflikte um seine Bestellung als Knappschaftsarzt im Spannungsfeld zwischen Bergwerksverwaltung, Knappschaft und Arbeiterschaft.[4]

Bedeutung als Knappschafts- und Gemeindearzt

Börding war über Jahrzehnte als Knappschaftsarzt und später Sanitätsrat tätig und wurde zu einer festen Institution der medizinischen Versorgung im Amt Sodingen.

Er fungierte unter anderem als:

  • Knappschaftsarzt im Bezirk Sodingen
  • später erster Chefarzt im St. Josefs-Hospital Sodingen
  • Schularzt der Gemeinde Sodingen[5]

Seine medizinische Tätigkeit umfasste die Versorgung von Bergleuten, Familien und Unfallverletzten im stark industrialisierten Raum.

Ein dokumentierter Fall beschreibt seine Beteiligung an einer schweren chirurgischen Notoperation in Herne, bei der er als assistierender Arzt tätig war.[6]

Kommunalpolitisches Wirken in Sodingen

Bernhard Börding entwickelte sich zu einer der prägenden kommunalpolitischen Figuren in Sodingen.

Er war unter anderem:

  • Gemeindevertreter ab 1906
  • stellvertretender Gemeindevorsteher (1907–1919)
  • Mitglied verschiedener Ausschüsse (Schule, Gesundheit, Sparkasse, Versorgung Gas und Elektrizität)
  • Mitglied der Amtsversammlung Sodingen (ab 1924)

Politisch gehörte er dem katholischen Zentrum an.

In mehreren Wahlperioden wurde er einstimmig oder mit deutlicher Mehrheit in kommunale Gremien gewählt, was seine lokale Bedeutung unterstreicht.[7]

Gesellschaftliches und kirchliches Engagement

Neben seiner medizinischen und politischen Tätigkeit war Börding stark in Vereinen und kirchlichen Strukturen engagiert.

Er war unter anderem:

  • Ehrenoberst des Krieger- und Landwehrvereins Giesenberg-Sodingen
  • Redner bei Kaiser- und Gedenkfeiern
  • aktives Mitglied katholischer Gemeindevertretungen
  • Mitglied und stellv. Vorsitzender des Kirchenvorstandes der St. Peter und Paul Gemeinde.

Zeitgenössische Berichte heben seine Rolle bei der Einweihung von Denkmälern und öffentlichen Feierlichkeiten hervor, bei denen er regelmäßig Reden hielt und repräsentative Aufgaben übernahm.

Späte Jahre und Tod

1924 verzog Börding aus Sodingen nach Bonn, nachdem er über 30 Jahre im Amt Sodingen tätig gewesen war. Sein Wohnhaus - Poppelsdorfer Allee 104 - steht noch heute.

Er verstarb am 22. Dezember 1926 in Bonn, am selben Tage wie seine erste Ehefrau. Zeitgenössische Nachrufe betonen seine enge Verbindung zur Entwicklung des Amtes Sodingen sowie seine Verdienste in kommunalen und kirchlichen Körperschaften.

Sein Tod wurde in mehreren regionalen Zeitungen als Verlust einer „prägenden Persönlichkeit des öffentlichen Lebens“ gewürdigt.[8]

Familie

Börding war zweimal verheiratet:

  • I. Ehe 24. September 1894 in Bochum mit „Franziska“ Emma Maria Laue (* 6. Aug. 1872 Bochum † 22. Dezember 1914 Herne) Eltern: Wirt/Kaufmann Theodor Laue und Anna Schmitz
  • II. Ehe 8. Januar 1916 mit Anna Margaretha Prüssen, verw. Heinr. Johann Plass (* um 1873 Paderborn † ?).

Aus der ersten Ehe gingen Kinder hervor, darunter eine Tochter (geb. 1895 in Börnig).

Nachwirkung

Sanitätsrat Dr. Börding gilt als eine der zentralen Persönlichkeiten der medizinischen Versorgung und kommunalen Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert im heutigen Stadtgebiet Herne.

Seine Tätigkeit verbindet die Geschichte von:

  • Industrialisierung und Bergbaumedizin
  • kommunaler Selbstverwaltung im Ruhrgebiet
  • kirchlichem und gesellschaftlichem Vereinswesen

Sein Name bleibt eng mit der Geschichte Sodingens, des Knappschaftswesens und der sozialen Infrastruktur im Umfeld der Zeche Mont-Cenis verbunden.

Literatur

  • Zeitungsarchiv zeitpunkt.nrw (verschiedene Ausgaben 1893–1926)
  • „Das Meckelsche Divertikel als Ursache innerer Darmeinklemmung“, Kiel 1891[9]
  • Diverse zeitgenössische Berichte aus: Castroper Zeitung, Herner Anzeiger, Emscher Zeitung, Wattenscheider Zeitung
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Quellen