Bahnhofstraße 41 - Herne - I-Punkt

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Bahnhofstraße 41
Andreas Janik 10. Oktober 2026
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Auch bekannt alsI-Punkt-Passage
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Die Bahnhofstraße 41 liegt in der Herner Innenstadt am westlichen Ende der Fußgängerzone, gegenüber der Einmündung der Schaeferstraße. Das Grundstück blickt auf eine wechselvolle Nutzungsgeschichte zurück: Auf das 1871 errichtete Wohn- und Geschäftshaus folgte nach dessen Abbruch die sogenannte I-Punkt-Passage. Sie wurde insbesondere durch ihre gastronomischen Angebote und Diskotheken bekannt. Die Entwicklung des Gebäudes spiegelt zugleich den Wandel der Herner Innenstadt und die Schwierigkeiten kleinerer Geschäftspassagen wider. [1]

Geschichte

Das ehemalig zweistöckige Haus ("Eisenstein") gehörte zu den alten Häusern der Bahnhofstraße. Das Grundstück, das zum Bergelmannschen Ackerland gehörte, ist im Jahre 1871 von dem Bürochef Adolph Heidelbach für 1400 Taler gekauft worden. Im Jahre 1875 hat er es an den Auktionskommissar Ottomar Noethe aus Börnig weiterverkauft, von dem es mit einem Wohnhaus bebaut wurde. Im Erbwege ist es 1894 an den Kaufmann Otto Altfeld in Herne gekommen, der es 1897 an den Kassierer Gustav Deitenbach aufließ. 1909 erwarb es der Kaufmann Albert Salomon, der es 1911 als Geschäftshaus umbauen ließ.

KI rekonstruiertes Aussehen

Das Gebäude entstand in einer Phase, in der sich die Bahnhofstraße zunehmend zu einer bedeutenden Geschäfts- und Verkehrsstraße Hernes entwickelte. Nach dem Ausbau der früheren Landstraße zur Chaussee und der Eröffnung des Bahnhofs Herne-Bochum im Jahr 1847 hatte die Straße erheblich an Bedeutung gewonnen. [2]

Die Häuser Bahnhofstraße 39-41 im Jahre 1965

Das Haus Noethe wurde von unterschiedlichen Eigentümern genutzt. Im Jahr 1892 wohnte dort der Bergwerksdirektor Wilhelm Dyckerhoff. 1899 befand sich das Gebäude im Besitz des Kassierers Gustav Deitenbach. Im Jahr 1910 gehörte es dem Kaufmann Albert Salomon. Für 1938 ist Heinrich Bieling als Eigentümer belegt; auch 1960 befand sich das Haus noch in seinem Besitz. [3]

Für das Jahr 1974 ist in dem Gebäude die Gaststätte Steffan nachgewiesen. Damit gehörte das Haus zu jener gewachsenen Bebauung der Bahnhofstraße, die Wohnen, Einzelhandel und Gastronomie miteinander verband.

Abbruch und Errichtung der I-Punkt-Passage

Das historische Gebäude wurde später abgebrochen. An seiner Stelle entstand die I-Punkt-Passage, die eine neue Form der gewerblichen Nutzung an diesem Standort ermöglichte.

Das Grundstück besitzt eine besondere städtebauliche Lage: Es liegt am Ende der Sichtachse der Schaeferstraße und bildet damit einen markanten Punkt im Straßenraum. Mit der Passage wurde die ältere Bebauung durch eine jüngere Geschäftsimmobilie ersetzt, deren Nutzung stärker auf Einzelhandel, Gastronomie und Freizeitangebote ausgerichtet war. [4]

Gastronomie und Diskotheken

Die I-Punkt-Passage wurde über viele Jahre hinweg durch ihre gastronomischen und unterhaltungsorientierten Angebote geprägt. Besonders bekannt waren nach der Rollschuh-Bahn "Rollerdrome" die Diskothek NANU, die bei vielen Hernern mit Erinnerungen an das Nachtleben der Innenstadt verbunden ist. Daneben gab es weitere Diskotheken und Freizeitangebote, darunter das Cas Card.

Auch gastronomisch bot die Passage unterschiedliche Möglichkeiten. Zu den bekannten Betrieben gehörten die Baguetteria und der Imbiss Rösti, der nach der Darstellung des Historischen Vereins als erster Imbiss in Herne Hamburger anbot. Im ersten Obergeschoss befanden sich außerdem die Pizzeria Italia, das Asia-Restaurant Peking sowie das Bewegungsstudio Do-It. [5] Auf dem Dach befand sich die beliebte Gaststätte "Biergarten".

Die Mischung aus Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitangeboten verlieh der Passage zeitweise eine besondere Funktion innerhalb der Innenstadt. Sie ergänzte die klassischen Einkaufsmöglichkeiten der Bahnhofstraße um Angebote, die insbesondere auf Besucher außerhalb der üblichen Einkaufszeiten ausgerichtet waren.

Planungen zur Neuen Mitte Herne

In den Jahren 1991 und 2003 wurden Überlegungen angestellt, einen Durchbruch von der Passage zum Parkplatz des ehemaligen Kaufhauses Sinn heute C&A zu schaffen. Die Verbindung sollte Bestandteil weitergehender Planungen für eine sogenannte „Neue Mitte“ Herne werden. Ziel war es, die Innenstadt räumlich besser zu verknüpfen und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Die Vorhaben wurden jedoch nicht verwirklicht. Damit blieb die angestrebte städtebauliche Verbindung zwischen dem Bereich der I-Punkt-Passage und dem angrenzenden Parkplatz aus. [6]

Niedergang und spätere Nutzung

Die wirtschaftliche Entwicklung der I-Punkt-Passage verlief in den folgenden Jahren zunehmend ungünstig. Nach über 16 Jahre andauernde Zwangsverwaltung und die unzureichende Frequentierung der Geschäfte trugen zum Niedergang bei.

Die Zahl der ansässigen Betriebe ging zurück. Aus den ursprünglich zahlreichen kleineren Geschäften blieben schließlich nur noch zwei übrig. Damit verlor die Passage einen erheblichen Teil ihrer früheren Angebotsvielfalt. [7]

Die Entwicklung der Bahnhofstraße 41 steht exemplarisch für die Schwierigkeiten, mit denen kleinere Geschäftspassagen in innerstädtischen Lagen konfrontiert sein können. Die Konzentration des Einzelhandels auf größere Standorte, veränderte Einkaufsgewohnheiten und eine unzureichende Besucherfrequenz können die wirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Immobilien beeinträchtigen.

Nach einem erfolgreichen rückbau der Passage sind nur noch zwei große Verkaufsflächen übrig gebieben, die aber auch eine vielzahl von Pächtern hatten.. 2026 sind TAKKO - als Nachfolger von "Depot" und ONLY als Nachfolger von u.a. RENO Schuhe und TAKKO übrig.

Städtebauliche Bedeutung

Die Bahnhofstraße 41 besitzt vor allem aufgrund ihrer Lage eine städtebauliche Bedeutung. Das Grundstück markiert das Ende der Sichtachse der Schaeferstraße und liegt zugleich an einer wichtigen Einkaufs- und Fußgängerverbindung der Herner Innenstadt.

Die Abfolge von Wohn- und Geschäftshaus, Gaststätte und Passage verdeutlicht den Wandel der Innenstadtbebauung seit dem späten 19. Jahrhundert. Während das ältere Haus die traditionelle Verbindung von Wohnen, Gewerbe und Gastronomie repräsentierte, stand die I-Punkt-Passage für eine stärker auf spezialisierte Geschäftsnutzungen, Gastronomie und Freizeit ausgerichtete Entwicklung.

Die Geschichte des Standorts dokumentiert damit nicht nur den Wandel einzelner Gebäude, sondern auch die Veränderungen der innerstädtischen Geschäftsstruktur in Herne.

Literatur und Quellen

  • Janik, Andreas: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote. Zeitschrift des Historischen Vereins Herne / Wanne-Eickel e. V., September 2021, S. 34.
  • Stadt Herne: HERNE – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt, Herne 1997.

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Quelle

  1. ↑ Andreas Janik: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote, September 2021, S. 34.
  2. ↑ Stadt Herne: HERNE – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux und Franz Heiserholt, Herne 1997, Stichwort „Bahnhofstraße“.
  3. ↑ Andreas Janik: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote, September 2021, S. 34.
  4. ↑ Andreas Janik: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote, September 2021, S. 34.
  5. ↑ Andreas Janik: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote, September 2021, S. 34.
  6. ↑ Andreas Janik: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote, September 2021, S. 34.
  7. ↑ Andreas Janik: „Von C&A zum Robert Brauner Platz“, in: Der Bote, September 2021, S. 34.