Bahnhofstraße 132 - Herne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Gebäude Bahnhofstraße 132 in Herne wurde 1897 als Wohn- und Geschäftshaus für die Möbelfirma Brox errichtet. Über nahezu ein Jahrhundert war es Sitz eines der ältesten Möbelhäuser der Stadt und prägte den Geschäftsbereich der unteren Bahnhofstraße.

Denkmalplakette NRW
Bahnhofstraße 132
Herne-Mitte
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Erbaut1897
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Auch bekannt alsBrox
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StadtbezirkOrtsteil

Geschichte

Der Sattler- und Polstermeister Stephan Brox eröffnete im Frühjahr 1888 zunächst im ehemaligen Wünnenbergschen Haus an der Bahnhofstraße 13 ein Sattler- und Polsterwarengeschäft. Bereits 1892 zog das Unternehmen in größere Räumlichkeiten an der Bahnhofstraße 119 um.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Hernes erwarb Brox das gegenüberliegende Grundstück an der Bahnhofstraße 132 und ließ dort 1897 ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Werkstatt und einem großzügigen Ladenlokal errichten. Dieses Haus war ein Doppelhaus, die rechte Hälfte wurde vom Schumacher Wever (132b) errichtet und gelang erst später in den Besitz von Brox. Neben der Sattlerei und Polsterei wurde das Sortiment um komplette Wohnungseinrichtungen erweitert. Am 1. November 1898 wurde das Unternehmen "Stefan Brox" ins Handelsregister eingetragen. Das Unternehmen entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bekanntesten Möbelhäuser der Stadt.

1925 wurde das Ladenlokal erheblich vergrößert. Kurz vor seinem Tod übergab Stephan Brox das Unternehmen an seinen Sohn Fritz Brox, der den Betrieb weiter ausbaute und wenige Jahre später erneut modernisierte.

Umbau von 1934

Im Frühjahr 1934 erhielt das Geschäft eine umfassende Modernisierung der Straßenfassade. Der bislang mittig angeordnete Eingang wurde an die Seite verlegt, wodurch eine große, nahezu durchgehende Schaufensterfront entstand. Gleichzeitig wurden die Erdgeschossfassade und die Geschäftsräume vollständig erneuert.

Der Herner Anzeiger würdigte den Umbau als Beitrag zur Verschönerung der unteren Bahnhofstraße, deren Straßenbild damals noch von zahlreichen ungepflegten Häuserfassaden geprägt gewesen sei.

Hausgemeinschaft

Das Gebäude war nicht nur Geschäfts-, sondern auch Wohnhaus. Der Herner Anzeiger berichtete am 1. November 1934 über das fünfzigjährige Mietjubiläum von Ernestine Zöller, die seit 1884 im Haus der Familie Brox wohnte. Die Zeitung hob das außergewöhnlich gute Verhältnis zwischen Vermieter und Mieterin hervor.

Unternehmensgeschichte

Zum fünfzigjährigen Firmenjubiläum im Jahr 1938 erinnerte der Herner Anzeiger an die Entwicklung des Unternehmens von einer Sattlerei und Polsterei zu einem bedeutenden Möbelhaus. Stephan Brox engagierte sich zudem im Herner Handwerk als Obermeister, Prüfungsmeister und Mitglied der Handwerkskammer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Fritz Brox das Unternehmen weiter. Seit 1958 stand das Möbelhaus unter der Leitung seiner Töchter Adelheid Brox (bis 1975), Helga Brox und Hildegard Balsliemke, geb. Brox. Das Unternehmen wurde in dritter Generation geführt und galt 1988 als das älteste Möbelhaus Hernes. Durch wiederholte Erweiterungen der Verkaufsräume und den Erhalt einer eigenen Polsterei blieb das Haus seinem handwerklichen Anspruch verpflichtet.

Zum hundertjährigen Firmenjubiläum im Jahr 1988 wurde bereits mit Martin Balsliemke die vierte Generation der Unternehmerfamilie angekündigt.

Ende des Möbelhauses

Nach einem Brand der Geschäftsräume wurde der Betrieb im Oktober 1994 eingestellt. Die Handelsgesellschaft "Stefan Brox" (HRA 348) wurde zum 24. Januar 2000 gelöscht. Damit endete nach mehr als einhundert Jahren die Geschichte des Möbelhauses Brox an der Bahnhofstraße 132.

Nachnutzung

Nach der Aufgabe des Möbelhauses Brox wurde das historische Wohn- und Geschäftshaus abgebrochen. Auf dem Grundstück entstand in den Jahren 2004/2005 eine barrierefreie Wohnanlage unter der Anschrift Bahnhofstraße 132–134 / Dornstraße 2.

Die Anlage wurde als Projekt des Vereins „Wohnen im (Un)Ruhestand (W.I.R.) e. V.“ in Zusammenarbeit mit den Bauherren Günter, Michael und Stephan Brun errichtet. Sie umfasst 51 Wohnungen (44 öffentlich geförderte und 7 frei finanzierte) für Menschen ab 60 Jahren sowie zwei kleine Gewerbeeinheiten. Zur Ausstattung gehören unter anderem ein stufenloser Zugang, Aufzüge, Gemeinschaftsräume und eine Gartenanlage. Die Bewohner organisieren zahlreiche Aktivitäten und nachbarschaftliche Hilfen eigenverantwortlich über den Verein.

Die Wohnanlage ist Teil des Programms „Wohnen PLUS“ der Stadt Herne und gilt als Beispiel für gemeinschaftliches, selbstbestimmtes Wohnen im Alter.

Zeitleiste

  • 1888 – Gründung der Sattlerei und Polsterei Stephan Brox an der Bahnhofstraße 13.
  • 1892 – Umzug an die Bahnhofstraße 119.
  • 1897 – Neubau des Wohn- und Geschäftshauses Bahnhofstraße 132 mit Werkstatt und Ladenlokal.
  • 1925 – Erweiterung des Geschäftslokals.
  • 1934 – Modernisierung der Ladenfassade und Vergrößerung der Schaufensterfront.
  • 1938 – Feier des 50-jährigen Firmenjubiläums.
  • 1958 – Übernahme des Unternehmens durch Helga Brox und Hildegard Balsliemke.
  • 1988 – 100-jähriges Firmenjubiläum.
  • 1994 – Aufgabe des Unternehmens nach einem Brand.

Quellen

  • Herner Anzeiger, 22. März 1934: Verschönerung der unteren Bahnhofstraße.
  • Herner Anzeiger, 1. November 1934: Silbernes Mieterjubiläum.
  • Herner Anzeiger, 1. April 1938: 50jähriges Bestehen der Möbelfirma Brox.
  • Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 1988: Verläßlichkeit und solide handwerkliche Arbeit – Mit 100 Jahren ist Brox ältestes Möbelhaus Hernes.
  • Freundliche Auskunft von Herrn Dr. Martin Balsliemke im Juli 2026
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