August Möller (1840-1927) und Karoline Möller (1842-1927) Wirt-Ehepaar in Wanne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

August Möller (* 2. Dezember 1840 in Witten; † 23. Januar 1927 in Wanne) und seine Ehefrau Karoline Möller, geb. Wiegold (* 30. September 1842 in Heven; † 26. Januar 1927 in Wanne) gehörten zu den bekanntesten Einwohnern des heutigen Herne-Wanne. August Möller war Gastwirt, Kriegsveteran der deutschen Einigungskriege sowie langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des Kriegervereins Bickern-Crange. Durch sein gesellschaftliches Engagement und seine langjährige Tätigkeit als Gastwirt wurde er unter dem Namen „Oberst Möller“ weit über die Grenzen Wannes hinaus bekannt.
Besondere Aufmerksamkeit erregte das Ehepaar durch seinen Tod im Januar 1927: Nach über 61 Jahren Ehe starb Karoline Möller nur drei Tage nach ihrem Ehemann. Die gemeinsame Beisetzung entwickelte sich zu einer der größten Trauerfeiern, die Wanne in den 1920er Jahren erlebte.

August Möller
August Möller
Geboren2. Dezember 1840
in Witten
✝️
Gestorben23. Januar 1927
in Wanne
🏠
Letzte AdresseTh
Karoline Wiegold
Karoline Wiegold
Geboren30. September 1842
in Witten-Heven
✝️
Gestorben26. Januar 1927
in Wanne

Herkunft und Familie

August Möller wurde am 2. Dezember 1840 in Witten geboren und am 20. Dezember 1840 dort getauft. Er war ein Sohn von Heinrich Möller und dessen Ehefrau Sophie Hackmann.

Karoline Wiegold wurde am 30. September 1842 in Heven geboren und am 21. Oktober 1843 in Herbede getauft. Sie war eine Tochter des Landwirts Diedrich Peter Wiegold (* 1796; † 1865) und dessen Ehefrau Anna Maria Sibilla Christina Mai (* 1804).

Am 7. Mai 1865 heirateten August Möller und Karoline Wiegold in Witten (Heiratsregister Nr. 34).

Aus der Ehe gingen mindestens vier Kinder hervor:

  • Friedrich August Möller (* 1866 in Witten; † 1. Juli 1900 in Wanne), Bäcker.
  • Julius Otto Möller (* 30. Januar 1868 in Witten), Gastwirt in Wanne; ⚭ 22. Mai 1895 in Wanne mit Marie Sophie Wanggo (* 8. Dezember 1875 in Bremen).
  • Gustav Adolf Möller (* 21. April 1873 in Witten); ⚭ 15. Juni 1899 in Pelkum mit Elise Louise Spelbrink (* 29. September 1873 in Lippstadt; † 17. Juni 1951 in Essen).
  • Sophie Caroline Möller (* 29. Mai 1879 in Witten; † 2. Dezember 1951 in Beienrode); ⚭ 13. November 1894 in Wanne mit Heinrich Carl Schwarz (* 10. Juni 1870 in Hordel).

Berufsleben

Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete August Möller zunächst als Bergmann auf verschiedenen Ruhrzechen. Später war er in der Industrie tätig und wird 1865 als Maschinenwärter erwähnt. Anschließend führte er in Witten ein eigenes Geschäft.

Im Jahr 1875 zog die Familie nach Wanne und ließ sich zunächst im Ortsteil Unser Fritz nieder. Dort pachtete Möller die Gastwirtschaft Schmidt. Bereits 1877 übernahm er die Gastwirtschaft an der Thiesstraße 54 am Bahnübergang Wilhelm. Einige Jahre später erwarb er das Gebäude.

Die Gastwirtschaft entwickelte sich zu einem bekannten Treffpunkt in Bickern und Wanne. Bis 1904 führte August Möller den Betrieb selbst. Danach ging das Haus in den Besitz seines Sohnes Julius Möller über.

Militärdienst

Vom 5. November 1861 bis zum 23. September 1864 diente August Möller beim Infanterie-Regiment Nr. 37 in Mainz.

Als Reservist nahm er am Deutschen Krieg von 1866 sowie am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Für seine Dienste erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter:

  • Kriegsdenkmünze für 1866
  • Kriegsdenkmünze für 1870/71
  • Zentenarmedaille
  • Allgemeines Ehrenzeichen

Die Kriegserlebnisse prägten ihn nachhaltig und bildeten die Grundlage seines späteren Engagements im Veteranenwesen.

Wirken im Kriegervereinswesen

August Möller gehörte über Jahrzehnte zu den führenden Persönlichkeiten des Kriegervereins Bickern-Crange. Er war Vorsitzender, Ehrenvorsitzender und wurde aufgrund seiner Stellung im Vereinsleben allgemein als „Oberst Möller“ bezeichnet.

In seinen Lebenserinnerungen schrieb er:

„Von jeher habe ich als echter Soldat Lust und Liebe am Kriegervereinswesen gehabt und solange ich meinen Wohnsitz in Bickern, dem heutigen Wanne, hatte und habe, gehöre ich dem Kriegerverein Bickern-Crange an, an dessen frohen und schwersten Zeiten ich als Oberst, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender regen Anteil genommen habe.“

Möller galt als zentrale Integrationsfigur des Vereinslebens in Bickern und Wanne. Seine Teilnahme an Festzügen und Jubiläumsveranstaltungen machte ihn weithin bekannt. Noch im hohen Alter nahm er aktiv an Vereinsfeiern teil.

Diamantene Hochzeit

Am 7. Mai 1925 feierte das Ehepaar Möller seine Diamantene Hochzeit. Gleichzeitig konnte August Möller auf fünfzig Jahre Wohnsitz in Wanne zurückblicken. Die Feierlichkeiten fanden große Beachtung in der Bevölkerung und wurden von zahlreichen Vereinen und öffentlichen Vertretern begleitet.

Letzte Lebensjahre

Nach der Übergabe der Gastwirtschaft wohnte das Ehepaar viele Jahre an der Gelsenkirchener Straße. In den letzten Lebensjahren zog es zu seinem Sohn Julius Möller in die Thiesstraße.

Trotz seines hohen Alters blieb August Möller bis in die Mitte der 1920er Jahre geistig rege und nahm weiterhin Anteil am öffentlichen Leben. Besonders bekannt waren seine Schilderungen aus der Militärzeit und den frühen Jahren Wannes.

Tod und Beisetzung

August Möller starb am 23. Januar 1927 im Alter von 86 Jahren in Wanne. Seine Ehefrau Karoline, die während seiner letzten Krankheit ebenfalls schwer erkrankte, verstarb am 26. Januar 1927.

Die gemeinsame Beisetzung auf dem Alten Friedhof in Wanne entwickelte sich zu einer außergewöhnlich großen Trauerfeier. Zahlreiche Vereine, Fahnenabordnungen und Bürger erwiesen dem Ehepaar die letzte Ehre.

Die Sängervereinigung Wanne sowie die Feuerwehrkapelle „Rheinelbe“ gestalteten die Feier musikalisch. Der Sarg August Möllers war mit der Kriegervereinsmütze und gekreuzten Degen geschmückt. Nach der Ansprache von Pastor Weidmann wurden drei Ehrensalven abgegeben und das Lied „Ich hatt' einen Kameraden“ angestimmt.

Zeitgenössische Zeitungen würdigten insbesondere die enge Verbundenheit des Ehepaares, dessen Mitglieder nach mehr als sechs Jahrzehnten Ehe innerhalb weniger Tage verstarben.

Bedeutung

August Möller zählt zu den markanten Persönlichkeiten der frühen Geschichte Wannes. Er erlebte den Wandel von den ländlichen Gemeinden Bickern und Crange über die Industrialisierung des Ruhrgebiets bis zur Stadtwerdung von Wanne-Eickel. Durch seine Tätigkeit als Gastwirt, Veteran und Vereinsfunktionär prägte er über Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben seiner Heimatstadt.

Karoline Möller wurde in den Nachrufen als treue und tatkräftige Lebensgefährtin beschrieben, die ihren Mann während des gesamten gemeinsamen Lebens unterstützte. Das Ehepaar blieb in der lokalen Erinnerung als Beispiel einer außergewöhnlich langen und engen Ehe verbunden.

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Quellen