Hausprediger der Freiherren von und zu Strünkede

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
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Die Hausprediger zu Strünkede waren die Hofgeistlichen der Freiherren von Strünkede an der Schlosskapelle von Schloss Strünkede in Herne (Westfalen). Im Zeitraum zwischen dem späten 17. Jahrhundert und der Mitte des 18. Jahrhunderts stellte die Schlosskapelle ein bedeutendes religiöses, kirchenpolitisches und kulturhistorisches Zentrum im märkisch-westfälischen Raum dar.

Als reformierte Enklave inmitten einer mehrheitlich lutherisch oder katholisch geprägten Region spiegelte die Besetzung dieser Predigerstellen das weitreichende dynastische und akademische Netzwerk der Schlossherren wider. Die Hausprediger stammten oft aus renommierten Gelehrtenfamilien oder Universitätsstädten (wie Basel, Bremen oder Duisburg) und nutzten ihre Zeit in Strünkede häufig als Sprungbrett für bedeutende akademische und kirchliche Karrieren.

Geschichte und Bedeutung

Die Freiherren von Strünkede gehörten zu den einflussreichsten Adelsgeschlechtern im Ruhrgebiet. Durch ihren Übertritt zum reformierten (calvinistischen) Bekenntnis nahmen sie eine konfessionelle Sonderrolle ein. Die Berufung hochkarätiger Theologen als persönliche Haus- und Hofprediger diente nicht nur der seelsorgerischen Betreuung der Familie und der Schlossgemeinde, sondern untermauerte auch den dynastischen Anspruch und das intellektuelle Prestige des Hauses Strünkede.

Die überlieferte Liste der Prediger aus den Jahren 1686 bis 1758 dokumentiert eine rege personelle Verflechtung mit den führenden reformierten Bildungszentren der Epoche. Namhafte Hebräisch-Professoren, Hofprediger an europäischen Fürstenhöfen sowie einflussreiche Pfarrer im Rheinland und in Westfalen gingen aus diesem Amt hervor.

Chronologische Liste der Hausprediger

Name * Rel. Antritt Abtritt ¥ dat. Name (Ehepartner) Bemerkung
Luth. Pfarrer zu Bladenhorst (Jobst v. Bönen?) Luth. 1573
Pleßmann, Dietrich Wetter/Ruhr Kath. 30.09.1583 1589 Da kath. Nach Buer versetzt aber offiz. Amtsinhaber. Verzichtet vor seinem Tode zugunsten Hermann v. Ahusen (kath.)
Alstedde, Matthias luth 1588 1589 Katharina Messing, To. d. Pastors Krafft Messing Ordiniert im Waldeckschen, Schlossbrediger zu Bladenhorst und Verwalter der Strünkede-Stelle
Albershausen, Heinrich luth 1618 1646 1612-1618 Pastor in Crange. 1618 Vikar zu Herne und Hausprediger Strünkede
Kaetenberg get. Vietor[1], Friedrich n. 1673 Luth Ord. 21.12.1646 Katharina Schilling Rektor in Bochum, Vikar zu Herne/Str., Pastor in Crange
Vietor, Gisbert Jobst 1729 Luth Ord. 27.06.1674 1729 Katharina Klock, To. d. Bürgermeister Matthias K. aus Essen Sohn des vorgenannten.
Trennung der Vikarsstelle zu St. Lucius Herne von der Hauspredigerstelle zu Strünkede durch Religionsübertritt der v. Strünkede
Name Herkunft & Lebensdaten Antritt Abtritt / Wechsel Bemerkungen & weiterer Lebensweg
Schrotberg, Johann Jacob Basel 01.09.1686 18.12.1688 Erhielt einen prestigeträchtigen Ruf als Hofprediger der Pfalzgräfin zu Neuburg.
Buxdorf, Johannes
* 08.01.1663 in Basel
† 17.06.1732 in Basel
14.12.1689
(Antrittspredigt am 18.12.1689)
05.09.1690
(Amtszeit bis ca. 1695)
Sohn des Basler Gelehrtenkreises. Heiratete am 05.09.1690 Augusta Dorothea Hummel (Tochter des Kaufmanns Johann Jakob). Legte 1685 sein Theologieexamen ab; widmete sich weiteren Studien der Bibel und der hebräischen Sprache. Vertiefte 1690 seine Studien der orientalischen Sprachen in den Niederlanden. Kehrte 1694 zurück und wurde Pfarrer in Arisdorf. Von 1704 bis 1732 wirkte er als renommierter Professor für Hebräisch in Basel (insb. Vorlesungen über die Psalmen). Veröffentlichte zahlreiche philologisch-theologische Schriften sowie Erbauungsliteratur und galt als brillanter Prediger.
Wagner, Eylhard Bremen 05.06.1697 1698 Wurde 1698 als Pfarrer in seine Heimatstadt Bremen berufen.
Loers, Johann Christian * 25.04.1675 in Duisburg
† 01.04.1743 in Duisburg
02.11.1698
(Antrittspredigt)
1702 Sohn des Pastors Lukas Loers. Wurde 1702 Pastor in Homberg, wechselte von 1706 bis 1717 an die Salvatorkirche nach Duisburg und wurde 1717 zum Professor an der Universität Duisburg berufen.
Rebenscheid, Johann Hermann * ca. 13.06.1668 in Mülheim an der Ruhr
† 13.11.1752 in Ruhrort
19.01.1703 1705 Sohn des Pastors Georg Rebenscheid. War im Anschluss von 1705 bis 1719 Pastor in Heiligenhaus und von 1719 bis zu seinem Tod 1752 langjähriger Pastor in Ruhrort.
Eylert, Johann Hermann * 20.12.1681 in Kaldenkirchen
† 07.09.1758 in Strünkede
10.10.1706 07.09.1758 Sohn des Pfarrers Johann Adolf Eylert (Pastor zu Ruhrort). Verheiratet mit Anna Theodora Lemminck aus Orsoy. Starb im Amt.
  • Sein Sohn Johann Rulemann Ludwig Eylert (1731–1813) wurde Pfarrer in Hamm und Professor am dortigen Gymnasium.
  • Sein Enkel Rulemann Friedrich Eylert (1770–1852) erlangte als Pfarrer in Hamm, späterer reformierter Hof- und Domprediger in Berlin sowie als Vertrauter und Berater des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. große historische Bedeutung.

Literatur & Quellen

  • Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Gelsenkirchen-Land. Münster 1908 (Abschnitt zu Schloss Strünkede).
  • Köchling 1961
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  1. Lat. für Böttcher