Arthur Grasse (1902-1965) Bergmann und Laufsportler
Arthur Grasse (* 1. März 1902 in Sodingen; † 22. Januar 1965 in Herne) war ein Herner Bergmann und Langstreckenläufer. Er gehörte in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren zu den erfolgreichsten Leichtathleten Hernes und gewann 1926 die Deutsche Turnermeisterschaft über 10 Kilometer.
Leben
Arthur Josef Grasse wurde am 1. März 1902 in Sodingen als Sohn des Bergmanns Gustav Grasse (1866–1934) und dessen Ehefrau Maria, geb. Todten (1880–1947), geboren. Die Taufe erfolgte am 6. März 1902 in der katholischen Kirche St. Peter und Paul.
Wie sein Vater arbeitete Grasse als Bergmann. Er war zunächst auf Zechen in Sodingen und Herne beschäftigt und später als Gesteins- und Kohlenhauer auf der Zeche Lothringen in Gerthe tätig. Im Februar 1923 heiratete er Maria Gerhardt (* 23. April 1906). Aus der Ehe gingen mindestens zwei Kinder hervor.
Sportliche Laufbahn
Grasse begann im Frühjahr 1920 mit dem Langstreckenlauf. Bereits bei seinem ersten größeren Wettkampf, einem vom Herner Stadtverband für Leibesübungen veranstalteten 10-Kilometer-Lauf im Herner Stadtgarten, errang er den Sieg. Kurz darauf gewann er einen Straßenlauf in Eickel gegen bereits etablierte Läufer der Region.
Zunächst startete Grasse für den Turnerbund Sodingen 1889 beziehungsweise den BV Stamm Herne, später für Westfalia Herne. Anfang 1926 wechselte er zum Herner Turnklub. Im Laufe seiner Karriere nahm er an zahlreichen Lauf- und Gehwettbewerben in Westdeutschland teil und gehörte über Jahre zur regionalen Spitzenklasse.
Zu seinen größten Erfolgen zählen der Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft über 10 Kilometer im Jahr 1924 in Krefeld sowie der Titel des Deutschen Turnermeisters über dieselbe Distanz 1926 in Düsseldorf. Bereits 1925 belegte er bei den Westdeutschen Meisterschaften hinter dem späteren Deutschen Meister Bedarf aus Düsseldorf den zweiten Platz. Im gleichen Jahr gewann er in Duisburg ein hochklassig besetztes Stundenbahngehen beziehungsweise -laufen gegen mehrere nationale Spitzenathleten.
1928 erreichte Grasse bei den Deutschen Turnermeisterschaften in Düsseldorf den dritten Platz über 10 Kilometer.
Neben zahlreichen Erfolgen auf Vereins- und Verbandsebene gewann Grasse unter anderem 1922 den Langstreckenlauf „Um die Wälle der Stadt Recklinghausen“ sowie mehrere Straßen- und Geländeläufe in Herne und Umgebung. Noch 1930 gehörte er zu den führenden Langstreckenläufern der Stadt und gewann den Geländelauf des Herner Athletik-Clubs. Im selben Jahr würdigte der Verein sein zehnjähriges Jubiläum als aktiver Leichtathlet mit einer eigenen Jubiläumsveranstaltung („Championat der Langstreckenläufer“).
Auch während des Zweiten Weltkriegs trat Grasse noch gelegentlich bei Laufveranstaltungen an. Für den Herner Frühjahrsgeländelauf 1942 wurde seine Rückkehr als „alter Kämpe der Herner Leichtathletik“ besonders hervorgehoben.
Ehrenamt und weiteres Wirken
Arthur Grasse engagierte sich auch organisatorisch im Vereinssport. 1929 wurde er zum Obmann für Leichtathletik des Turnvereins Börnig-Sodingen gewählt.
Neben dem Sport widmete er sich der Brieftaubenzucht. Bei einer gemeinsamen Schlagschau der Sodinger Brieftaubenzuchtvereine im Jahr 1932 errang er den zweiten Preis.
Bedeutung
Arthur Grasse gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des Herner Langstreckensports der Zwischenkriegszeit. Zeitgenössische Berichte hoben wiederholt hervor, dass er seine sportlichen Erfolge trotz der körperlich schweren Arbeit als Bergmann und zeitweiliger Arbeitslosigkeit erzielte. Sein Leitspruch „Erst die Arbeit, dann das Spiel“ wurde vielfach als Ausdruck seiner sportlichen Haltung zitiert. Mit seinen Erfolgen trug er wesentlich zum Ruf Hernes als Hochburg des westdeutschen Langstreckenlaufs bei.
Quellen
- Zeitgenössische Berichte der Herner Tagespresse (1922–1942) auf Zeitpunkt.nrw
- Standesamts- und Kirchenregister Herne (Geburts-, Tauf- und Heiratseinträge).
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