Heinrich August Schulte zu Sodingen (1869-1920) Pastor

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Heinrich August Schulte zu Sodingen, weithin bekannt als August Schulte-Sodingen, (geboren am 10. Februar 1869 in Herne-Sodingen, gestorben am 25. Februar 1920 in Hörde, heute Stadtteil von Dortmund[1]), war ein evangelischer Pfarrer, Sozialreformer und Mitbegründer bedeutender Wohnungsbau-Initiativen für Industriearbeiter in Westfalen.

Heinrich August Schulte zu Sodingen
Schulte-Sodingen August (1869-1920) Pastor.png
Schulte-Sodingen August (1869-1920) Pastor.png
Geboren am: 10. Februar 1869
Geboren in: Sodingen
Gestorben am: 25. Februar 1920
Gestorben in: Dortmund-Hörde
Beruf: Pastor
Letzte Änderung: 04.03.2026
Geändert von: Andreas Janik


Traueranzeige aus der Dortmunder Zeitung vom 26. Februar 1920.

Leben und Ausbildung

Heinrich August Schulte zu Sodingen wurde als zweites Kind des Landwirts Heinrich Schulte zu Sodingen und dessen zweiter Ehefrau Elisabeth Grümer gen. Vortmann im Schultenhof am Ostbach in Sodingen geboren.

Er besuchte zunächst die Volks- und Rektoratsschule in Herne, bevor er Ostern 1883 auf das Burg-Gymnasium in Essen wechselte, wo er 1890 sein Abitur ablegte[2]. Bereits dort entschied er sich für die geistliche Laufbahn.

Anschließend studierte er evangelische Theologie in Halle/Saale, Berlin, Bonn und setzte seine Ausbildung am Predigerseminar der westfälischen Kirche in Soest fort. Nach dem Vikariat und dem theologischen Examen 1895 wurde er 1896–97 im Predigerseminar vorbereitet und begann seine seelsorgerische Tätigkeit.

Pfarrdienst und soziales Engagement

Nach ersten Stationen als Hilfsprediger in Haßlinghausen und als Pfarrvertreter in verschiedenen Gemeinden trat Schulte-Sodingen 1898 seine zweite Pfarrstelle in Weidenau (heute Siegen-Weidenau) an.

Wohnungsbau-Initiativen

In Weidenau widmete sich Schulte-Sodingen intensiv sozialen Fragen, insbesondere dem Wohnungsproblem der Industriearbeiter. Am 28. August 1902 gründete er gemeinsam mit Mitgliedern des örtlichen Evangelischen Arbeiter-Vereins die „Arbeiter-Wohnungsgenossenschaft zu Weidenau“ (heute Wohnungsgenossenschaft Hüttental e.G.).[3]

Unter seiner Leitung entstand die sogenannte Rentengutskolonie Vogelsang mit 75 Siedlerhäusern für Arbeiterfamilien. Die Siedlung bot neuartige Eigenheime mit Hausgarten, Wege- und Wasserleitungen sowie sozialen Einrichtungen. Sie wurde in Fachliteratur und auf Ausstellungen gewürdigt und galt als Beispiel moderner Wohnkonzepte für Arbeiterfamilien.

Schulte-Sodingen war zudem langjähriger Vorsitzender des Evangelischen Arbeitervereins in Weidenau und Gründer des Bezirksverbandes Siegen der Evangelischen Arbeiter- und Volksvereine.[4]

Letzte Jahre in Dortmund-Hörde

1913 folgte Schulte-Sodingen einem Ruf als Pfarrer in die evangelische Kirchengemeinde Hörde. Auch dort setzte er sich für genossenschaftlichen Wohnungsbau ein und unterstützte Projekte wie die Siedlung in Loh[5] sowie die Wohnungsgenossenschaft „Eigenheim“, die 1919 mit 36 Häusern in Dortmund-Wellinghofen entstand.[6]

Familie und Tod

Am 1. Mai 1900 heiratete Schulte-Sodingen in Herne Ottilie Partmann gen. Bohnenkamp (26. November 1870 in Herne). Das Paar hatte drei Töchter.

Am 25. Februar 1920 starb Schulte-Sodingen in Hörde an einer Lungenentzündung (Opfer der Spanischen Grippe), die er sich bei der Mithilfe an einem Neubau zugezogen hatte. Sein Tod löste große Anteilnahme aus.

Ehrungen und Vermächtnis

Sein gesellschaftliches Engagement und seine Verdienste um den Wohnungsbau wurden durch verschiedene Namensgebungen gewürdigt:

  • In Siegen-Weidenau erinnern u. a. die Schulte-Straße, die Sodingenstraße sowie der Schulte-Sodingen-Platz an sein Wirken.[7].
  • In Dortmund-Hörde gibt es die Schulte-Sodingen-Straße, ergänzt durch eine Gedenktafel.

Schulte-Sodingens Ansatz, soziale Verantwortung und kirchliche Seelsorge zu verbinden, gilt als beispielhaft für evangelisches Engagement in der Industrialisierungszeit Westfalens.

Literatur

  • Flender, Hans-Martin: Pastor Schulte-Sodingen und die Rentengutskolonie Vogelsang in Weidenau (Sieg). In: Um den Rabenhain, 1 (1986), S. 22–31.

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Quellen