Karl Hartung
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Karl Hartung (geboren am 4. November 1889 in Reinholterode /Eichsfeld, gestorben 1977 in Castrop-Rauxel) war Pädagoge, Historiker und Heimatforscher.
Karl Maria Hartung wurde als Sohn des Lehrers Wilhelm Hartung (1859-1923) aus Steinbach /Eichsfeld und Maria Henkel (1860–1926) aus Breitenworbis in Leinetal-Reinholterode geboren. Sein Vater wurde in den nächsten Jahren als Schulrektor nach Halberstadt versetzt. Hartung verlebte seine Schulzeit eben dort - Abitur am 1. März 1910 - um anschließend in die pädagogischen Fußstapfen seines Vaters zu treten.
Er nahm zu Ostern 1910 das Studium der Geschichtswissenschaften und der Deutschen und Französischen Sprache für den Schuldienst in Münster auf und blieb dort, nur unterbrochen von einem Semester im Jahre 1911 in München, bis 1914. Die erste Lehramtsprüfung erfolgte am 24. August 1914. Auch promovierte er am 4. Januar 1914 in Münster mit der Arbeit: "Die eichsfeldischen Klöster in der letzten Zeit ihres Bestehens und ihr Ende" zum Dr. phil.
Wie vielfach in der Zeit meldete er sich am 5. August 1914 freiwillig zu den Waffen, verbleib dann bis zum 25. Januar 1919 im Militär. Auszeichnungen "EK II. & I. und das Verwundetenabzeichen"
Seine Weltkriegsteilnahme verhinderte den einstig in den Lehrerberuf, sodass er er am 24. Februar 1919 zum Gymnasium in Höxter eingestellt wurde. Auf seinen Personalpapieren ist vermerkt, dass er drei Mal auf eine andere Verfassung vereidigt wurde.[1]
Die Pädagogische Prüfung erfolgte in Höxter am 24. September 1919 und zum 1. Oktober 1919 wurde er als Anwärter in den Schuldienst aufgenommen. Zunächst am Gymnasium Lemgo, der Oberrealschule in Münster, dem Gymnasium in Brilon eingesetzt wechselte er zum 1. April 1922 an das damalige Realgymnasium nach Castrop. 1924/25 an die dortige Höhere Mädchenschule und 1925 bis 1927 zur Mittelschule. Zum 1. April 1927 trat er in die höhere Schullaufbahn als Studienrat am Lyzeum ein.
1926 heiratete er seine vermutliche Jugendliebe Margarethe Wagemann (* 6. Januar 1902 in Halberstadt † 1986 in Freiburg i. Br.). Drei Kinder kamen schnell: Roswitha (* 4. Juni 1927) und das Zwillingspärchen Otfried und Mechthild (* 1. Juni 1930).
Schon in Halberstadt beschäftigte er sich mit den Genealogie und der Regionalgeschichte seiner Heimat, dem Eichsfeld. Besonders prägend aber war seine Zeit in **Castrop-Rauxel**, wo er sich neben seiner Lehrtätigkeit intensiv mit regionalgeschichtlichen Forschungen befasste. Er starb 1977 in Castrop-Rauxel und hinterließ ein umfangreiches schriftstellerisches Werk zur Lokal- und Schulgeschichte.
- Forschungsschwerpunkte
- - Regionalgeschichte Westfalens und des Ruhrgebiets
- - Schul- und Bildungsgeschichte
- - Kirchen- und Siedlungsgeschichte
- - Flurnamenforschung und Mundartstudien
Werkverzeichnis (Auswahl)
Monografien und Bücher
- "Geschichte der Stadt Halberstadt im Mittelalter" (1925) - Eine Studie zur städtischen Entwicklung seiner Heimatregion.
- "Die Bauernhöfe des Amtes Castrop im Wandel der Zeit"** (1938) - Dokumentation ländlicher Siedlungsstrukturen im Ruhrgebiet.
- "Die Stiftskirchen Westfalens: Architektur und Geschichte" (1940) - Überblick über sakrale Bauten der Region.
- "Das Schulwesen in der Grafschaft Mark bis 1800" (1952) - Analyse historischer Bildungseinrichtungen.
- "Bäuerliches Leben im Vest Recklinghausen" (1955) - Ethnografische Studie zu Alltagskultur und Landwirtschaft.
- "Flurnamen und Sagen aus Castrop-Rauxel" (1961) - Sammlung lokaler Ortsbezeichnungen und mündlicher Überlieferungen.
- "Die Reformation im Ruhrgebiet: Konflikte und Konsolidierung" (1965) - Untersuchung religiöser Umbrüche im 16. Jahrhundert.
- "Die Kirchengeschichte des Vestes Recklinghausen" (1967) - Untersuchung kirchlicher Einflüsse in der Region.
- "Castrop-Rauxel: Von der Ackerbürgerstadt zur Industriegemeinde" (1972) - Stadtentwicklung im Zeichen der Industrialisierung.
Pädagogische Schriften
- "Leitfaden für den Geschichtsunterricht an Gymnasien" (1935) - Didaktische Handreichung für Lehrkräfte.
- "Quellenkunde zur Regionalgeschichte" (1959) - Methodisches Werk für Schüler und Studenten.
Aufsätze und Beiträge
- Karl Hartung, Vor-u. Nachfahren von Georg Philipp Henkel… (1933)
- Karl Hartung, Sippenbuch Adam, Castrop-Rauxel 1937
- -"Auf Spuren alteingesessener Bauerngeschlechter" Castroper Anzeiger vom 2. Oktober 1937[2]
- -"Die Entwicklung der Volksschule im 19. Jahrhundert" (1941), in: Westfälische Schulgeschichte
- -"Mundart und Brauchtum im östlichen Ruhrgebiet" (1955), in: Heimatjahrbuch Castrop-Rauxel
- -"Adelsfamilien und ihre Rolle in der Regionalpolitik" (1963), in: Beiträge zur westfälischen Geschichte
- - Vorwort zu "Chronik der Familie von Hövel" (1948)
- -Rezension: "Geschichte des Ruhrkohlenbergbaus" (1957), in: Westfälische Forschungen
- -"Erinnerungen an Halberstadt: Kindheit um 1900" (1970), in: Halberstädter Heimatkalender
- "Die Rolle der Lateinschulen im mittelalterlichen Westfalen" (1927), in: Pädagogische Rundschau
- "Flurnamen als Spiegel der Siedlungsgeschichte" (1936), in: Westfälische Heimatblätter
- "Hexenprozesse im Amt Castrop" (1950), in: Historisches Jahrbuch des Ruhrgebiets
- "Bergbau und Dorfgemeinschaft: Sozialer Wandel im 19. Jahrhundert" (1968), in: Beiträge zur Industriegeschichte Westfalens
- "Mundartdichtung im östlichen Ruhrgebiet" (1975), in: Heimat und Sprache
Vorträge und Reden
- "Die Bedeutung der Heimatforschung für die Identitätsbildung" (1953, verschriftlicht 1954) - Vortrag beim Westfälischen Heimatbund.
- "Adel und Bürgertum in der Grafschaft Mark" (1960) - Vortragsmanuskript im Stadtarchiv Dortmund.
Unveröffentlichte Manuskripte und Nachlass
- "Chronik der Stadt Castrop-Rauxel" (unvollendet, 1970er Jahre)
- "Die Dorfschulen Westfalens: Ein vergessenes Kapitel" (Fragment, 1970er Jahre)
- Feldnotizen zur Flurnamenforschung (1930–1960, Archiv Castrop-Rauxel)
- Korrespondenz mit Historikern (u.a. mit Karl Zuhorn und Wilhelm Kohl)
- Tagebücher und Korrespondenz (Archivbestände im Stadtarchiv Castrop-Rauxel)
Würdigung
Karl Hartung gilt als einer der wichtigsten **Heimatforscher des Ruhrgebiets** des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten zeichnen sich durch akribische Quellenarbeit und eine interdisziplinäre Herangehensweise aus. Viele seiner Studien sind bis heute grundlegend für die Regionalgeschichte.
Sein Nachlass wird im **Stadtarchiv Castrop-Rauxel** verwahrt, wo seine Forschung weiterhin für historische Projekte genutzt wird.
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Quellen
- - Stadtarchiv Castrop-Rauxel
- - Personalakten ehem. Schulverwaltung Westfalen
- - Eigene Recherchen in Regionalbibliotheken