Hermann Meyerhoff (Oberbürgermeister 1888-1970): Unterschied zwischen den Versionen

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| Name = Hermann Meyerhoff
| Abkürzung =
'''Hermann Meyerhoff''' (* 27. Mai 1888 in Göttingen; 03. Juli 1970 in Herne), Oberbürgermeister von Juni 1945 bis Februar 1946
| Bild = Hermann Meyerhoff.jpg
| Bildbeschreibung = <small>Hermann Meyerhoff, Foto: [[Bildarchiv der Stadt Herne]]</small>
| Geboren am = 27. Mai 1888
| Geboren in = Göttingen
| Gestorben am = 3. Juli 1970
| Gestorben in = Herne
| Friedhof=
| Beruf = Jurist
| Titel = Oberbürgermeister
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<big>'''Hermann Meyerhoff''' (geboren [[27. Mai]] [[1888]] in Göttingen; gestorben [[3. Juli]] [[1970]] in Herne), Dezernet, Oberbürgermeister von Juni [[1945]] bis Februar [[1946]] und anschließend Oberstadtdirektor bis 1953.</big>
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Nach dem Abitur nahm er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Bonn, Freiburg und München auf und legte am 27. Oktober 1910 die erste juristische Staatsprüfung als Referendar in Hamm ab. Während des Ersten Weltkriegs diente er von 1914 bis 1919 als Artillerieoffizier und befand sich anschließend in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr bestand er 1919 die zweite juristische Staatsprüfung und trat als Magistratsassessor in den Dienst der Stadt Geestemünde ein, wo er später zum Magistratsrat aufstieg und zuletzt als Senator das Finanz- und Steuerdezernat der Stadt Wesermünde (vormals Geestemünde) leitete.


== Tätigkeit in Herne ==
Nach dem Zweiten Weltkrieg führen zunächst zwei von der Militärregierung ernannte Oberbürgermeister die Bevölkerung in den schweren Nachkriegsjahren an. Eine eher undurchschaubare Persönlichkeit blieb Hermann Meyerhoff. Bereits seit 1927 war er Zweiter Bürgermeister und seit 1933 bekleidete er zusätzlich auch noch das Amt des Stadtkämmerers. Unklar blieb bis heute Meyerhoffs Haltung im Dritten Reich. Der englische Besatzungsstab, der nach zwei Wochen die Amerikaner ablöste, ernannte ihn zum siebten Herner Oberbürgermeister. Er blieb allerdings nur zehn Monate im Amt, weil er sich nach der Einführung der zweigleisigen Kommunalverfassung für das Amt des Oberstadtdirektors entschied. Bis 1953 war er Chef der Stadtverwaltung.


Meyerhoff trat 1927 in den Dienst der Stadt Herne als Nachfolger des verstorbenen [[Heinrich Sudkamp|Bürgermeisters Sudkamp]] zweiter Bürgermeister und Finanzdezernent der Stadt Herne ein und gehörte über Jahrzehnte zur administrativen Führungsspitze. Seine Amtszeit umfasste sowohl die demokratische Phase der Weimarer Republik als auch die Zeit des Nationalsozialismus und die unmittelbare Nachkriegszeit. In Herne war Meyerhoff maßgeblich an der Organisation und Steuerung der städtischen Verwaltung beteiligt und galt lange Zeit als sachorientierter, pflichtbewusster Verwaltungsfachmann.


In einem Zeitungsartikel vom [https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21237707 25. September 1937 im Herner Anzeiger]<ref>Online auf Zeitpunkt.nrw</ref> wurden seine Fähigkeiten als "Finanzdezernent" gelobt.<br> Ein anderes Licht wirft eine seiner Ansprachen vom 21. März 1933 auf ihn. <ref>Vgl. Herner Anzeiger vom 22. März 1933. [https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21212912 online auf zeitpunkt.nrw]</ref>


Der englische Besatzungsstab, der nach zwei Wochen die Amerikaner ablöste, ernannte Meyerhoff zum siebten Herner Oberbürgermeister. Er blieb allerdings nur zehn Monate im Amt, weil er sich nach der Einführung der zweigleisigen Kommunalverfassung für das Amt des leitenden Beamten der Stadt Herne in Form des Oberstadtdirektors entschied. Bis [[1953]] blieb er Chef der Stadtverwaltung.<br>
Nach 1945 spielte er also eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der kommunalen Verwaltung und blieb bis 1953 im Amt. In der lokalen Erinnerungskultur wurde Meyerhoff über viele Jahre hinweg vor allem als stabilisierende Figur der Stadtverwaltung wahrgenommen.


== Handeln während der Zeit des Nationalsozialismus ==
==Quellen==
Neuere historische Forschungen haben das Wirken Hermann Meyerhoffs während der NS-Zeit differenziert, aber kritisch beleuchtet. Meyerhoff war kein Mitglied der NSDAP. Gleichwohl übte er seine Leitungsfunktionen auch nach 1933 ohne erkennbare Unterbrechung weiter aus und war Teil des kommunalen Verwaltungsapparates, der nationalsozialistische Politik auf lokaler Ebene umsetzte.
'''Stadtarchiv Herne:


Dazu gehörten unter anderem verwaltungsrechtliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger sowie anderer marginalisierter Gruppen. Die neuere Forschung bewertet Meyerhoff nicht als ideologischen Täter, sondern als einen sogenannten „funktionalen Mitträger“ des NS-Systems, der durch pflichtgemäße Amtsausübung zur Stabilisierung der Diktatur auf kommunaler Ebene beitrug.
Bestand Oberbürgermeister

== Neuere historische Bewertung ==
Einen wichtigen Impuls für die Neubewertung von Hermann Meyerhoffs Rolle lieferte eine in den 2020er-Jahren veröffentlichte Arbeitsbiografie, die sein Wirken erstmals systematisch im Kontext der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts untersuchte. Diese Studie betont die Kontinuitäten seines Verwaltungshandelns über unterschiedliche Staatsformen hinweg und stellt die Frage nach individueller Verantwortung innerhalb autoritärer Systeme.

Im Zuge dieser Neubewertung wurde auch die öffentliche Ehrung Meyerhoffs in Herne hinterfragt. Die Entfernung seines Porträts aus dem Sitzungssaal des Rathauses im Jahr 2023 markierte einen sichtbaren Wendepunkt in der lokalen Erinnerungskultur und verdeutlichte den veränderten Umgang mit belasteten Verwaltungseliten der NS-Zeit.

== Bedeutung für die Erinnerungskultur in Herne ==

Die Auseinandersetzung mit Hermann Meyerhoff steht exemplarisch für den heutigen Umgang mit kommunalen Funktionsträgern, die während der NS-Zeit im Amt blieben, ohne als exponierte Parteifunktionäre aufzutreten. Seine Biografie verdeutlicht die Rolle der kommunalen Verwaltung als tragende Säule des nationalsozialistischen Herrschaftssystems.

Die kritische Neubewertung Meyerhoffs hat in Herne eine breitere Diskussion über Verantwortung, Handlungsspielräume und moralische Bewertung von Verwaltungshandeln angestoßen und trägt zur differenzierten Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte bei.

==Wohnung und Familie==
Er bezog anfänglich eine Wohnung im Neubau des Verlag des [[Herner Anzeiger]] [[Bebelstraße 18 - Koethers & Röttsches|Bebelstraße 18]], später siedelte er in das ehem. Wohnhaus des Sodinger Amtmanns an der Mont-Cenis-Straße 290 um.

<br><br><br>
Der Arzt, Psychiater, Hochschullehrer und Ministerialdirigent [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann%20Meyerhoff%20(Mediziner) Hermann Meyerhoff] (* 18. Februar 1932 in Herne; † Dezember 1993) war sein Sohn und der Schauspieler [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim%20Meyerhoff Joachim Meyerhoff] ist sein Enkel, der mehrere Autobiografische Bücher über seine Familie schrieb, die auch hochkarätig Besetzt verfilmt wurden.
</div>
==Literatur==
*Piorr, Ralf: Staatsdiener - Der höhere Verwaltungsbeamte Hermann Meyerhoff zwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik. Herne 2025. 978-3-9826521-0-8


2 Rathäuser - 22 Oberbürgermeister, Publikation der Stadt Herne, November 2002'''
==Verwandte Artikel==
==Verwandte Artikel==
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==Quellen==
<references />




[[Kategorie:Bürgermeister|Meyerhoff]]
[[Kategorie:Bürgermeister|Meyerhoff]]
[[Kategorie:Person (Herne)|Meyerhoff]]
[[Kategorie:Oberstadtdirektor|Meyerhoff]]
[[Kategorie:Person|Meyerhoff]]

Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 16:58 Uhr

Hermann Meyerhoff
Hermann Meyerhoff.jpg
Hermann Meyerhoff.jpg

Hermann Meyerhoff, Foto: Bildarchiv der Stadt Herne

Geboren am: 27. Mai 1888
Geboren in: Göttingen
Gestorben am: 3. Juli 1970
Gestorben in: Herne
Beruf: Jurist
Titel: Oberbürgermeister
Letzte Änderung: 05.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Hermann Meyerhoff (geboren 27. Mai 1888 in Göttingen; gestorben 3. Juli 1970 in Herne), Dezernet, Oberbürgermeister von Juni 1945 bis Februar 1946 und anschließend Oberstadtdirektor bis 1953.

Nach dem Abitur nahm er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Bonn, Freiburg und München auf und legte am 27. Oktober 1910 die erste juristische Staatsprüfung als Referendar in Hamm ab. Während des Ersten Weltkriegs diente er von 1914 bis 1919 als Artillerieoffizier und befand sich anschließend in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr bestand er 1919 die zweite juristische Staatsprüfung und trat als Magistratsassessor in den Dienst der Stadt Geestemünde ein, wo er später zum Magistratsrat aufstieg und zuletzt als Senator das Finanz- und Steuerdezernat der Stadt Wesermünde (vormals Geestemünde) leitete.

Tätigkeit in Herne

Meyerhoff trat 1927 in den Dienst der Stadt Herne als Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Sudkamp zweiter Bürgermeister und Finanzdezernent der Stadt Herne ein und gehörte über Jahrzehnte zur administrativen Führungsspitze. Seine Amtszeit umfasste sowohl die demokratische Phase der Weimarer Republik als auch die Zeit des Nationalsozialismus und die unmittelbare Nachkriegszeit. In Herne war Meyerhoff maßgeblich an der Organisation und Steuerung der städtischen Verwaltung beteiligt und galt lange Zeit als sachorientierter, pflichtbewusster Verwaltungsfachmann.

In einem Zeitungsartikel vom 25. September 1937 im Herner Anzeiger[1] wurden seine Fähigkeiten als "Finanzdezernent" gelobt.
Ein anderes Licht wirft eine seiner Ansprachen vom 21. März 1933 auf ihn. [2]

Der englische Besatzungsstab, der nach zwei Wochen die Amerikaner ablöste, ernannte Meyerhoff zum siebten Herner Oberbürgermeister. Er blieb allerdings nur zehn Monate im Amt, weil er sich nach der Einführung der zweigleisigen Kommunalverfassung für das Amt des leitenden Beamten der Stadt Herne in Form des Oberstadtdirektors entschied. Bis 1953 blieb er Chef der Stadtverwaltung.
Nach 1945 spielte er also eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der kommunalen Verwaltung und blieb bis 1953 im Amt. In der lokalen Erinnerungskultur wurde Meyerhoff über viele Jahre hinweg vor allem als stabilisierende Figur der Stadtverwaltung wahrgenommen.

Handeln während der Zeit des Nationalsozialismus

Neuere historische Forschungen haben das Wirken Hermann Meyerhoffs während der NS-Zeit differenziert, aber kritisch beleuchtet. Meyerhoff war kein Mitglied der NSDAP. Gleichwohl übte er seine Leitungsfunktionen auch nach 1933 ohne erkennbare Unterbrechung weiter aus und war Teil des kommunalen Verwaltungsapparates, der nationalsozialistische Politik auf lokaler Ebene umsetzte.

Dazu gehörten unter anderem verwaltungsrechtliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger sowie anderer marginalisierter Gruppen. Die neuere Forschung bewertet Meyerhoff nicht als ideologischen Täter, sondern als einen sogenannten „funktionalen Mitträger“ des NS-Systems, der durch pflichtgemäße Amtsausübung zur Stabilisierung der Diktatur auf kommunaler Ebene beitrug.

Neuere historische Bewertung

Einen wichtigen Impuls für die Neubewertung von Hermann Meyerhoffs Rolle lieferte eine in den 2020er-Jahren veröffentlichte Arbeitsbiografie, die sein Wirken erstmals systematisch im Kontext der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts untersuchte. Diese Studie betont die Kontinuitäten seines Verwaltungshandelns über unterschiedliche Staatsformen hinweg und stellt die Frage nach individueller Verantwortung innerhalb autoritärer Systeme.

Im Zuge dieser Neubewertung wurde auch die öffentliche Ehrung Meyerhoffs in Herne hinterfragt. Die Entfernung seines Porträts aus dem Sitzungssaal des Rathauses im Jahr 2023 markierte einen sichtbaren Wendepunkt in der lokalen Erinnerungskultur und verdeutlichte den veränderten Umgang mit belasteten Verwaltungseliten der NS-Zeit.

Bedeutung für die Erinnerungskultur in Herne

Die Auseinandersetzung mit Hermann Meyerhoff steht exemplarisch für den heutigen Umgang mit kommunalen Funktionsträgern, die während der NS-Zeit im Amt blieben, ohne als exponierte Parteifunktionäre aufzutreten. Seine Biografie verdeutlicht die Rolle der kommunalen Verwaltung als tragende Säule des nationalsozialistischen Herrschaftssystems.

Die kritische Neubewertung Meyerhoffs hat in Herne eine breitere Diskussion über Verantwortung, Handlungsspielräume und moralische Bewertung von Verwaltungshandeln angestoßen und trägt zur differenzierten Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte bei.

Wohnung und Familie

Er bezog anfänglich eine Wohnung im Neubau des Verlag des Herner Anzeiger Bebelstraße 18, später siedelte er in das ehem. Wohnhaus des Sodinger Amtmanns an der Mont-Cenis-Straße 290 um.




Der Arzt, Psychiater, Hochschullehrer und Ministerialdirigent Hermann Meyerhoff (* 18. Februar 1932 in Herne; † Dezember 1993) war sein Sohn und der Schauspieler Joachim Meyerhoff ist sein Enkel, der mehrere Autobiografische Bücher über seine Familie schrieb, die auch hochkarätig Besetzt verfilmt wurden.

Literatur

  • Piorr, Ralf: Staatsdiener - Der höhere Verwaltungsbeamte Hermann Meyerhoff zwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik. Herne 2025. 978-3-9826521-0-8

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Quellen

  1. Online auf Zeitpunkt.nrw
  2. Vgl. Herner Anzeiger vom 22. März 1933. online auf zeitpunkt.nrw