Geläut (St. Peter und Paul)
Die Glocken von Herne
Die erste Glocke der Gemeinde läutete 1892 vom Dach der Urbanus-Notkirche. Sie stammte aus dem Jahre 1643 und hing bis zum Bau der neuen Castroper Kirche im Gestühl von Alt-St. Lambertus. Beim Bau der heutigen Kirche wurde ein neues Geläut vorgesehen, die alten Glocken — inzwischen war eine weitere Gussstahlglocke von Nachbarpfarreien geschenkt worden — wurden an die neuentstehende Gemeinden Holthausen und Merklinde weitergegeben. Leider ist die mittelalterliche Glocke später verschollen.
Die Glocke hatte zwischen Spitzenornamenten und einem Rankenband eine vierzeilige Inschrift:
- † Defunctos ploro vivos voco fulgura frango. Dedicata batae Mariae virgini [Ich beweine die Toten, ich rufe die Lebenden, ich breche den Blitz. Der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet]
- † R. D. Martinus Borchardius pro tempore pastor in Castrop hanc campanam renovari curavit uti [R. D. Martin Borchard, zeitweise Pfarrer in Castrop, gelang es, diese Glocke erneuert zu nutzen]
- † et J. Bertholdt zu Frolinden et G. Schulte zu Biegeibieg provisores ecclesiae, egregy ecclesiae catholicae: [und J. Bertholdt zu Frolinde und G. Schulte zu Biegeibieg Träger der Kirche, ??? der katholischen Kirche]
- † Romanae fautores et defensores Joannes Paris me fecit anno 1643: [Der römische Unterstützer und Verteidiger Johann Paris[1] fertigte mich 1643] Darunter waren 3 Medaillons mit der Mutter Gottes, einem Kruzifix und einem Kreuz angebracht.“
Das neue 3er Bronzegeläut von St. Peter und Paul (22, 33, 55 Tonnen) wurde von der Glockengiesserei Franz Otto aus Hemelingen bei Bremen hergestellt, konnte leider nur von 1903-1917 die Gemeinde zu Gebet und Gottesdienst rufen und Freude und Leid in die Öffentlichkeit hinaussingen. Es wurde 1917 als Kriegsmaterial abgenommen und eingeschmolzen. Erst 1923 konnte die Gemeinde wieder neue Glocken beim Bochumer Verein gießen lassen.
Für 164,384,- Mark wurde ein 5er-Geläut einschließlich Glockenstuhlumbau geliefert. Die örtlichen Baukosten betrugen rd. 60.000,— Mark (in diesen Zahlen zeichnet sich die Inflation ab).
Die Stimmung der Glocken ist a — c — es — f — g
- a-Glocke: 199 cm 3.359 kg
- Inschrift: "COR JESU SACRATISSIMUM, SALVATOR MUNDI MISERE NOBUS" „HERZ JESU, Erlöser der Welt, erbarme dich unser!"
- Rückseite: TRIBUS CAMPANIS BELLO 1917 PATRIAE OBLATIS * HAE QUINQUE AB KNIONE BOCHUMENSI * ANNO DOMINI 1922 FUSAE SUNT.
- Inschrift: "COR JESU SACRATISSIMUM, SALVATOR MUNDI MISERE NOBUS" „HERZ JESU, Erlöser der Welt, erbarme dich unser!"
- c-Glocke: 167 cm 1.982 kg
- SANCTE JOSEPH. SPONSE B.M.V. ET ECCLESIAE KNIVERSALIS PATRONE ORA PRO NOBIS „ST. JOSEPH - Gemahl Mariens, Patron der Weltkirche, bitte für uns."
- es-Glocke: 143 cm 1.287 kg
- SANCTI PETRE ET PAULE, PRINCIPES APOSTOLORUM ET PATRONE ECCLESIAE PAROCHIALIS NOSTRAE, INTERCEDITE PRO CLERO POPULOQUE." „ST. PETER und PAUL, Apostelfürsten und Pfarrpatrone, tretet ein für Priester und Gläubige."
- f-Glocke: 133 cm 1.015 kg
- MARIA, MATER DEI, REGINA PACIS! NOS CUM PROLE PIA, BENEDICAT VIRGO MARIA. „AVE MARIA, Mutter Gottes, Friedenskönigin, Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib!"
- g-Glocke: 117 cm 742 kg
- "SANCTE LIBORI, GLORIOSE PASTOR DIO ECESIS PADERBORNENSIS, DUC NOS IN PATRIAM SEMPITERNAM." „HL. LIBORIUS, ruhmreicher Patron des Bistums Paderborn, geleite uns in die ewige Heimat."
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Läutewerk generalüberholt und auf vollelektrischen Betrieb umgestellt. 1968 wurden Glocken und Glockenstuhl entrostet und wetterfest gestrichen. [2]
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Quellen
- ↑ Johannes Paris war ein bekannter Glockengiesser. Die Glocke von Alt-Marl stammte ebenso von ihm wie Landolinus Glocke in Boke. Er wurde 1619 als Kind einer lothringischen Glockengiesserfamilie geboren. er starb am 31. März 1677 in Dorsten, nachdem er seit 1644 in den Franziskaner Orden eingetreten war. Er blieb aber Giesser. [https://www.stadt-delbrueck.de/de-wAssets/docs/geschichtsforum/damals-und-heute-Nr.-54-gesamt.pdf damals-und-heute-54. online S.
- ↑ 100 Jahre Peter und Paul
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