Wochenenden in Haltern

Ab Ende der der 1950er- und Beginn der 1960er-Jahre zog es uns magisch nach Haltern in die Borkenberge.

Friedhelm Wessel [1]

Ab Ende der der 1950er- und Beginn der 1960er-Jahre zog es uns magisch nach Haltern in die Borkenberge. So packten mein Freund und Arbeitskollege Horst Schneider und ich jeweils am Freitag nach Schichtende ab 15 Uhr unsere alten Fahrräder und machten uns von Herne-Mitte aus auf den Weg in Richtung Norden. Meist fuhren wir über die alte B 51, die über Recklinghausen, Marl-Sinsen nach Haltern führte. Aber auch den kürzeren, dafür aber beschwerlicheren Weg durch die Haardt über Flaesheim wählten wir manchmal. Damals in in den 50-/60er-Jahren war jedoch das Rad- und Wandernetz durch dieses heute sehr bekannte Naherholungsgebiet noch nicht besonders gut ausgebaut. Da gab es unterwegs Sandflächen, die mit den schwer bepackten Rädern einfach nicht zu bezwingen waren. Daher hieß es an diesen Stellen in der Haardt: Absteigen und schieben. Ein schweißtreibendes Unterfangen.

Zunächst war der Zeltplatz, der gegenüber dem bekannten Alten Garten an der Stever lag, unser Ziel. Später wichen Horst und ich auch auf den etwas komfortableren in Richtung Sythen gelegenen neuen Campingplatz aus. Hier gab es nämlich schon fest installierte Gaskochstellen, was uns natürlich die Zubereitung vornehmlich von Nudeln mit Gulasch wesentlich erleichterte. Manchmal, wenn wir Lust und Laune verspürten, schlugen wir unser bodenloses Zelt auch schon mal irgendwo in der Wildnis auf.

Unsere damalige Zeltsaison, bedingt auch durch die damalige, sehr enge Wohnsituation forciert, dauerte damals für uns von Mai bis Oktober. Einmal wollten Horst und ich auch in der dortigen Jugendherberge übernachten. Daher hatten wir weitgehend auf wärmende Decken im Reisezubehör verzichtet. Wir reisten also mit leichtem Gepäck. Als wir an der Herberge eintrafen, war sie geschlossen – Ruhezeit. Unsere Fahrräder deponierten wir trotzdem sicher am Gebäude und machten uns auf in unsere geliebten Borkenberge. Vor allem der Bereich um den Feuerwachturm des Truppenübungsplatzes hatte es uns angetan. Horst und ich stromerten durch die Gegend und vergaßen so die Zeit. Endlich machten wir uns auf den Rückweg zur Jugendherberge, um festzustellen: sie war bereits bis auf den letzten Platz belegt. Wir hielten also Kriegsrat. Zurück nach Herne oder irgendwo im Freien übernachten. Nein, nach Hause wollten wir auf keinen Fall, daher suchten wir uns im Umfeld der Herberge einen alternativen Schlafplatz. Es war bereits dunkel, als wir schließlich einen Graben, der wohl mal während einer Übung einem oder mehreren Soldaten als Schutz gedient hatte, kletterten. Horst und ich hockten uns hin und versuchten uns mit den mitgebrachten Bettbezügen, die als Ersatz für die notwendigen und vorgeschriebenen Schlafsäcke in der Jugendherberge dienen sollten. Doch die damalige Mainacht war sehr kühl. Wir froren erbärmlich, die dünnen Decken boten kaum Schutz, daher war die Nacht auch sehr kurz. Als die Dämmerung einsetzte, krochen Horst und ich aus dem Mannloch, und suchten uns und der Nähe des Sees, was ebenfalls streng verboten war, eine Lichtung. Dort entfachten wir mutig ein wärmendes Feuer. Später kehrten wir für den morgendlichen Waschgang in die Jugendherberge zurück und schworen: Niemals wieder ohne wärmende Decken nach Haltern zu fahren. Die Faszination Borkenberge blieb. Auch in den späten 1960er- und Anfang der 1970er, fuhr ich oft nach Haltern. Nun aber etwas komfortabler, nämlich mit einem VW-Käfer. [2]


Verwandte Artikel

Einzelnachweise

  1. Dieser Text wurde von Friedhelm Wessel zur Verfügung gestellt. Der Text darf nicht ohne Genehmigung verändert oder weitergegeben werden.
  2. Ein Artikel von Friedhelm Wessel