Steckbriefe


Zahlreiche Steckbriefe von gesuchten Personen sind in alten Amtsblättern, Zeitungen und anderen veröffentlichungen bekannt. Zeugen sie nicht nur von einer großen Anzahl von Taten, sondern auch von der gesuchten Person inkl. ihrem Aussehen. Unter diesem Stichwort sollen einzelne Funde "angezeigt" werden.

Vgl.: Abschiebung und Ausweisung

1815

  • Gestern Abend in der Zeit zwischen 5 und 11 Uhr sind die beiden unten signalisierten Arestanten, welche wegen verübter Diebstähle inhaftiert [...] waren, aus ihrem Gefängnisse ausgebrochen [...]
    Dortmund den 27ten Febr. 1815.
    2. Johann Heinrich Heinemann, ein Ackerknecht, vormals Bergischer Soldat, der einige Zeit in Spanien gedient hat, ist aus Eickel gebürtig, und zuletzt bei dem Colonus Stratmann zu Hamme als Knecht in Diensten gewesen, 27 Jahre alt[1], lutherischer Religion. Er ist 5 Fuß 2 1/2 Zoll groß, hat schwarzbraune Haare und Augenbraunen, eine runde Stirn, blaue Augen, stumpfe Nase, gewöhnlichen Mund, ein rundes Kinn, schwarzbraunen Bart, rundes Gesicht und eine frische Gesichtsfarbe. Der Zeigefinger der linken Hand ist krumm, und hat eine längliche Hiebnarbe.
    Bei seiner Entweichung trug derselbe einen runden Hut, zugebundene Schuhe und einen blauen Kittel.[2]

1865

  • Der Arbeiter Friedrich Freund aus Wengern, zuletzt in Herne wohnhaft, ist wegen Mißhandlung mit 4 W[ochen] Gefängnis bestraft. Da sein Aufenthalt unbekannt ist, so ersuchen wir um Strafvollstreckung u. Benachrichtigung. Dortmund 5. März [18]65 K Kreisgericht.[3]

1876

  • Der Rendant [der Herner Sparkasse] Wilhelm Sprick aus Herne ist der Unterschlagung amtlich empfangener Gelder verdächtig und flüchtig.
    Ich ersuche um Verhaftung und Vorführung.
    Bochum, den 23. November 1876 - Der Staatsanwalt
    Signalement: Sprick ist etwa 50 Jahre alt, vielleicht 5´7´´ groß, trug bisher einen graumelirten bräunlichen Vollbart, hat sehr starke buschige Augenbrauen, gelbe Gesichtsfarbe, tiefliegende blaugeräderte große Augen, eine gekrümmte Nase, auf deren rechten Seite sich eine frische Narbe befindet, schmutzige, etwas defecte Zähne und an der rechten Hand einen steifen Finger.[4][5]

1882

  • Lickmeyer, Josef, Bäcker, 23 Fahre alt, aus Herne Kreis Bochum, ist wegen Unterschlagung vorläufig festzunehmen. Statur schlank, Größe ca. 1m 75. m, Haare blond, Bart ohne, Gesicht länglich, Gesichtsfarbe blaß. — Bremen, den 15. December 1882. Die Polizeidirektion.[6]

1900

  • Ausweisung von Anarchisten [...]. Dolak, Franz Serafin, Bergmann, geb. 9. 10. 1861 in Kornatic, Bez.-Hauptm. Rokitzau, Oesterreich, österr. Staatsangehöriger, heimathsber. in Kornatic, zul. wohnh. gewesen in Herne i. W. [Laut Adressbuch 1899 auf der Vödestraße 36], ist durch Verfüggung der Pol.-Verw. in Herne vom 2. 2. 1900 aus Preußen ausgewiesen und in seinen Heimathsort abgeschoben worden. Beschreibung: Größe 1,70 m, schlank, dblond, schwarzer Vollbard, Gesichtsbildung länglich, mit stark hervortretenden Backenknochen, Gesichtsfarbe gesund, Augen braun, Stirn hoch, Sprache deutsch u. tschechisch. (Bek. des Pol.-Präs, in Berlin v. 3.3.1900; Aktenz. 1. Nr. 576. P. J. I. 00.)[7]

Einzelnachweise

  1. Eigentl. 29 Jahre alt. Im Kirchenbuch Eickel Band 1 S. 287/144 steht: "April d 1t. Johann Henrich. parent Henrich Heinemann und Anna Sybilla Goert. nat. d. 29tn. comp. Johan Henr Holstein. Conrad Dux. XXX Maria Elisabeth Heinemann ind Hag. d alena Gedruth Westerman."
  2. Westphälisches Amtsblatt, Nr. 18 vom 03. März 1815 S. 131 online bei Zeitpunkt.nrw
  3. Königlich-preußisches Central-Polizei-Blatt, Band 47, S. 85 vom 15.03.1865 online bei Google Books
  4. Öffentlicher Anzeiger, Düsseldorf Nr. 118 vom 28. November 1876 Online bei der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  5. Gottfried Heinrich Friedrich Wilhelm Sprick wurde im Jahre 1825 in Petershagen geboren und heiratete am 29. November 1860 Maria Weusthoff. Er wird dabei als "Kaufmann" bezeichnet. Sie hatten mehrer Kinder. Vgl. Haus Nr. 80-76 in: Aus der Geschichte der Bahnhofstraße IX 1867 eröffnete er als Rendant den Geschäftsbetrieb der Herner Sparkasse um sich dann, wie oben steckbrieflich mitgeteilt, mit über 100.000 Mark. zu entferner.
  6. Der Wächter, 1882, S. 434 online bei der Staatsbibliothek Berlin
  7. Der Wächter, 1900, S. 99 online bei der Staatsbibliothek Berlin

Anmerkungen: