Martinsbuch Vorwort


Vorwort

Das im Archiv der evangelischen Gemeinde zu Eickel befindliche Martinsbuch enthält die Protokolle, die im Martinshaus abgefast wurden. Das Martinshaus war der Name für die Vereinigung der Eingesessenen der Bauerschaft Eickel. Diese kamen jährlich am Martins-Abend (10. Nov.), wenn das Zeichen mit der Glocke gegeben wurde, anfangs auf Schulten Hof, später in einem eigens erwähnten Hause zusammen.

Dieses Martinshaus wird hin und wieder auch Nachbarhaus genannt. Die Eingesessenen der Bauerschaft bildeten eine Nachbarschaft im weiteren Sinne. So war es in hiesiger Gegend auch bei anderen Bauerschaften der Fall. Innerhalb dieser großen Nachbarschaft gab es verschiedene kleiner Nachbarschaften. Die Glieder letzteren hießen Notnachbarn, denn sie waren verpflichtet in Not und Tod einander beizustehen.

Die Nachbarn im weiteren Sinne des Wortes, also die Eingesessenen der Bauerschaft kamen alljährlich im Martinshause zusammen. Von dem Verlauf dieser Versammlungen geben uns die Protokolle des Martinsbuches Kunde.

In seiner 1877 erschienenen "Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Eickel" erwähnt Superintendent Daniels häufig das Martinsbuch und geht auf Seite 137-139 ausführlich auf seinen Inhalt ein. Auch Gustav Hegler befasst sich in seiner Schrift „Der SchuItenhof zu Eickel“ (Beitrag zur Kulturgeschichte der Heimat. Sonderabdruck aus dem Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde der Grafschaft Mark) in Kap. XX Nachbarschaftsverband mit dem "Martinshaus".

Er druckt sogar ein Protokoll (1770) wörtlich ab, leider nicht ganz ohne Fehler. So dürfte es sich erübrigen, dem vorliegenden Abdruck der 90 Protokolle über die Versammlungen der Nachbarschaft am St. Martinstage eine längere Vorrede oder Einführung vorauszuschicken, zumal sie im Großen und Ganzen wohl nur dieselben Leser in Frage kommen wie für die Heger´sche Schrift. Aus ihrem Kreise ist auch immer wieder mir die Bitte ausgesprochen, das Martinsbuch herauszugeben.

Für die Notwendigkeit der Erläuterung bedarf es keiner besonderen Begründung.

Die Abbildungen zeigen uns noch einige wenige Höfe, die zur Nachbarschaft gehörten. Man wollte dabei auch beachten, dass zur Nachbarschaft nicht der ganze Ort Eickel gehörte, sondern nur das geschlossene Dorf Eickel, das damals 500-600 Einwohner hatte. Wenn Daniels (a.a.O. S. 139) schriebt: „Die allgemeine Nachbarschaft ist geschwunden. Die nicht mehr unter Controlle stehende Nachbarschaft in Not und Tod läuft Gefahr zu schwinden“, und wenn Hegler meint, (a.a.O. S. 56) „ In der Neuzeit hat jeder Bewohner, sofern er Eigentümer und Eingesessener ist, einige gegenseitige Hülfe sich versprechende Nachbarn“, so muss heute leider gesagt werden: Auch die besondere Nachbarschaft ist so gut wie ganz verschwunden, nur sehr wenige Alteingesessene halten noch an dem guten Alten fest. Wie lange noch? Über kurz oder lang wird auch Eickel seine Selbstständigkeit und seinen Jahrhunderte alten Namen verlieren. Möge dann dies Büchlein dazu beitragen, dass die Erinnerung an die wirklich gute alte „Nachbarschaft“ nicht verloren geht!

Eickel, im Juli 1925 - Beckmann

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