Kurt Baum

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Kurt Baum (geboren 30. November 1909 in Herne, gestorben 5. April 1945 KZ Buchenwald) war ein kommunistischer Widerstandskämpfer jüdischen Glaubens.

Der aus einer jüdischen Familie stammende Baum wurde nach seiner Schulbildung kaufmännischer Angestellte. Das politisch aktive KPD-Mitglied wohnte nachweislich in Herne auf der Hermann-Löns-Straße 29a und - laut seinen KZ Unterlagen als letzten Wohnsitz in Herne - das Haus Moltkestraße 10.[Anm. 1] Seit 1936 als KPD-Funktionär in Haft, wurde er nach seiner Verurteilung am 6. Juli 1937 in das Zuchthaus Hameln überführt und am 19. Oktober 1939 in das Zuchthaus Celle verlegt. Nach dem Ende seiner Haftstrafe (10. August 1940) blieb er inhaftiert. Nach einer Zwischenstation im Gestapogefängnis Stuttgart wurde er ins KZ Dachau deportiert, von dort am 12. Juli 1941 ins KZ Buchenwald überführt. [1][2] Über seinen Tod gibt es einige Aufzeichnungen. So berichtet der Buchenwald-Report[3] folgendes:

„Der ausgegebenen Losung gemäs, sich nicht wehrlos zu ergeben, griff unser Kamerad Kurt Baum aus Herne, ein seit 1935 eingekerkerter Antifaschist, den Scharführer, der ihn in seinem Versteck aufstöberte, mit dem Spaten an und fiel als erstes Opfer."[4]
„Im Keller des Blocks 49 hatte sich der jüdische Innenarchitekt Kurt Baum versteckt. Als der SS-Morder ihn mitnehmen wollte, setzte sich Baum zur Wehr und wurde von dem SS-Mörder niedergeschossen."[5].

Der ehemaligen deutschen Häftlings Emil Carlebach berichtet im Jahre 1980.

Am 5. April fanden die SS-Wachen die Judenblocks leer, während die anderen Baracken eine unkontrollierbare Überbelegung aufwiesen.
Brullen, Drohen, Schlagen - nichts half der SS. Nicht in einem einzigen Fall verriet ein Kamerad einen jüdischen Mithäftling. Unter unbeschreiblicher Brutalitat trieben die SS-Schergen die Haftlinge zusammen, die nach ihrer Meinung `wie Juden aussahen´. Unser Genosse Kurt Baum aus Herne/Westfalen wurde dabei erschossen, als er sich mit einem Spaten gegen zwei SS-Männer warf.
Etwa 3000 Juden konnten wir den Todesmarschen entziehen! Ihre Rettung ist eine der Ruhmestaten des antifaschistischen Widerstandskampfes von Buchenwald! Die Solidarität zu den jüdischen Haftlingen, die Kommunisten verschiedener Nationen und viele andere Antifaschisten bis zur Selbstbefreiung des Lagers geübt haben, ist ein Ausdruck des lebenserhaltenden aktiven Widerstandes gegen den faschistischen Terror.“[6] [7]
„Im Zusammenhang mit der Befreiung des Lagers kam die Rede auf Kurt Baum, der morgens um 6.00 Uhr zu Jakob Kindinger gekommen sei, der zu ihm gesagt habe: „Bleib da!" Kurt Baum sei aber nicht da geblieben, sondern rauf ins Lager gelaufen bis Block 49. Dort sei es zu einer Begegnung mit einem SS-Mann gekommen. Baum habe versucht, dem SS-Mann mit dem Spaten auf den Kopf zu schlagen. Baum wurde erschossen.[8] [9] [10]

Anmerkungen

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Quellen

  1. Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont: www.geschichte-hameln.de
  2. Haftnummer: 8426 http://totenbuch.buchenwald.de/names/details/person/37758/ref/recherche Totenbuch Buchenwald
  3. Hackett, David A. (Hrsg.): Der Buchenwald-Report - Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar, 2002. 456 S.: mit 1 Karte und 2 Abbildungen. Paperback ISBN 978-3-406-47598-6. s. 222
  4. (S. 202f, Nr. 36: Geschichte der Juden in Buchenwald)
  5. (S. 369, Nr. 149: 21000 Häftlinge befreit)
  6. Buchenwald. Mahnung und Verpflichtung. Dokumente und Berichte. Herausgegeben von der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald in Zusammenarbeit mit der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora beim Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. (1959) 4., völlig neu bearbeitete Auflage Berlin/DDR 1983, S. 452f.
  7. Zitiert in: Geschichtswerkstatt Geschwister-Scholl-Schule Bensheim: Jakob Kindinger - Ein Politisches Leben. 2004/2005, S. 83 und S. 92 http://arbeitsplattform.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/kindinger-2/jakob_kindinger_ein_politis.pdf Digitalisat auf dem Hessischer Bildungsserver
  8. Geschichtswerkstatt Geschwister-Scholl-Schule Bensheim: Jakob Kindinger - Ein Politisches Leben. 2004/2005, S.92 http://arbeitsplattform.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/kindinger-2/jakob_kindinger_ein_politis.pdf Digitalisat auf dem Hessischer Bildungsserver
  9. Landesarchiv Berlin, Hauptausschuss „Opfer des Faschismus“ (OdF)/Referat Verfolgte des Naziregimes (VdN) C Rep. 118-01, Baum, Kurt Nr. 677
  10. Herne und Wanne-Eickel 1933 - 1945 - Ein historischer Stadtführer, Seite 63, DGB-Geschichtswerkstatt u. a., Herausgeber Ralf Piorr, adhoc Verlag, Herne 2013