Black Sabbath in der Sporthalle

Kaum waren die letzten Töne von Natural born bugie verklungen, ...

Wolfgang Berke

... hämmerte es fast doppelt so schnell aus den Boxen: „Finished with my woman 'cause she couldn't help me with my mind“. Ozzy Osbourne und seine Gruppe Black Sabbath brachen den ersten lupenreinen Headbanger in die Top Ten. Und Paranoid gab der vielfachen Orientierungslosigkeit und dem persönlichen Durcheinander im Jahre 1970 den richtigen Ausdruck: „Happiness I cannot feel and love to me is so unreal“.

Wer eine eigene Gitarre hatte, schrubbte das Riff runter, wer keine hatte, spielte eben Luftgitarre.

Dann platzte die Nachtschicht ins behütete Wanne-Eickel: Black Sabbath kommt!! Die kaum fassbare Meldung wurde um so unglaubwürdiger, als auch noch die Sporthalle Wanne-Süd als Austragungsort des Konzertspektakels genannt wurde. Erst kurz zuvor war diese Scheußlichkeit der überdachten Leichtathletik gewidmet worden – und jetzt sollten dort die dunklen Mannen um Ozzy auftreten dürfen?

Ebenso wie wir schienen viele Sabbath-Fans das nicht glauben zu wollen. Die Karten lagen wie Blei in den Vorverkaufsstellen. Und während wir dem Ereignis entgegenfieberten, stritten sich der Düsseldorfer Konzertveranstalter und das Wanne-Eickeler Sportamt um eine Miet-Vorauszahlung. Gerade mal 600 Leute wollten schließlich Black Sabbath sehen, die Stadt forderte aber eine Vorauszahlung auf Grundlage einer ausverkauften Halle.

Am 18. Dezember war die Halle zu einem Drittel gefüllt. Ein paar Dutzend protestierten draußen gegen den überhöhten Eintrittspreis von 9,50 DM – und wollten für 2,- DM rein. Funktionierte natürlich nicht. Durch das finanzielle Gerangel hinter den Kulissen drohte das Konzert zu platzen. Erst ein Abgesandter der Konzertagentur nebst Scheck ließ das Sportamt einlenken und Black Sabbath auf die Bühne.

Allerdings – was heißt Bühne in der Sporthalle? Nackter Hallenboden, Handballtore und Sprungkästen als Kulisse.

Das Publikum auf steilen Rängen über den Musikern. Black Sabbath hatte sichtbar wenig Lust. Was auch nicht dadurch gesteigert werden konnte, dass „aus Sicherheitsgründen“ das Hallenlicht anbleiben musste. Sicherlich die brutalste Lightshow in der Geschichte des Düster-Quartetts ...

Natürlich hatte ich das Konzert heimlich mitgeschnitten. Ich hätte aber genauso gut das Rauschen eines kaputten Fernsehers aufnehmen können. Meine Freunde, denen ich stolz das grausame Bootleg vorspielte, hätten den Unterschied nicht bemerkt. Ob Sabbath eigentlich wussten, in welcher Stadt sie waren? Vielleicht schenkten sie uns dann die Zugabe nur aus Mitleid: „Make a joke and I will sigh and you will laugh and I will cry.“


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Quellen

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