Denkmal "Zum Gedenken an die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in Herne"
Der Gedenkstein für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf dem Südfriedhof an der Wiescherstraße in Herne erinnert an die mindestens 477 Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes, die während des Zweiten Weltkriegs in Herne durch Zwangsarbeit oder in Kriegsgefangenschaft ihr Leben verloren.

Geschichte und Hintergrund
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen von Menschen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit im Deutschen Reich verschleppt. Auch in Herne, einem bedeutenden Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet, wurden zahlreiche Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – sowohl Männer als auch Frauen – unter oft unmenschlichen Bedingungen in der Kriegswirtschaft (unter anderem auf den lokalen Zechen) eingesetzt. Viele von ihnen starben an Unterernährung, Krankheiten, Misshandlungen oder den Folgen von Luftangriffen.
Das Denkmal wurde am 31. August 1989 enthüllt, am Vorabend des 50. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkriegs (Überfall auf Polen am 1. September 1939). Die feierliche Enthüllung wurde gemeinsam durch den damaligen Herner Oberbürgermeister Willi Pohlmann und den ehemaligen polnischen Zwangsarbeiter Dr. Karol Gawlowski (* 1922 in Südpolen † 19. Juni 2003)[1] vorgenommen. Dies setzte ein wichtiges Zeichen der Versöhnung und des gemeinsamen lokalen Gedenkens.
Gestaltung und Inschriften
Das Monument ist als steinerne Stele mit einer flachen, pyramidenförmigen Abdeckung ausgeführt. Es trägt auf drei Seiten eine inhaltlich identische Inschrift in drei verschiedenen Sprachen (Deutsch, Polnisch und Russisch), um den Herkunftsländern der meisten Opfer gerecht zu werden.
Vorderseite (Deutsch)
- „Als Opfer des nationalsozialistischen Krieges ruhen hier mindestens 477 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter - Männer und Frauen - vor allem aus der Sowjetunion und Polen“
Linke Seite (Polnisch)
- „Jako ofiary nazistowskiej wojny spoczywa tutaj co najmniej 477 jeńców wojennych oraz przymusowych robotników i robotnic – mężczyzn i kobiet – pochodzących głównie ze Związku Radzieckiego i z Polski.“[2]
Rechte Seite (Russisch)
- „Здесь покоятся по меньшей мере 477 военнопленных и угнанных на принудительные работы мужчин и женщин, главным образом из Советского Союза и Польши, ставших жертвами нацистской войны.“[3]
Standort und Bedeutung
Das Denkmal befindet sich auf dem Herner Südfriedhof an der Wiescherstraße, unweit der tatsächlichen Gräberfelder, auf denen die Opfer bestattet wurden. Es dient als zentraler Ort für jährliche Gedenkveranstaltungen, insbesondere zum Antikriegstag am 1. September, und mahnt kommende Generationen vor den Verbrechen des Nationalsozialismus und den Schrecken des Krieges.
Literatur
- "...bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten..."-Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel, Manfred Hildebrandt. In: Der Emscherbrücher Band 14 (2008/09), Seiten 57 bis 77, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008
- Karol Gawlowski: Die Sklavenarbeit der polnischen Bürger im »Dritten Reich«, in: Rimco Spanjer/Diete Oudesluijs/Johan Meijer (Hrsgg.), Zur Arbeit gezwungen. Zwangsarbeit in Deutschland 1940-1945, S. 115-118.
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