Kornbrennerei Hülsmann in Holsterhausen - Ihre Geschichte

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Die Kornbrennerei und Likörfabrik Heinrich Hülsmann in Holsterhausen war über mehr als 150 Jahre ein bedeutender Familienbetrieb im Raum Wanne-Eickel. Aus einem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb entwickelte sich ein angesehenes gewerbliches Unternehmen, dessen Produkte weit über die Region hinaus bekannt waren.












Kornbrennerei und Likörfabrik Heinrich Hülsmann †
Stadtbezirk: Holsterhausen
Die Karte wird geladen …
Letzte Änderung: 20.02.2026
Geändert von: Andreas Janik

Brennerei Hülsmann in Holsterhausen
Kornbrennerei und Likörfabrik Heinrich Hülsmann

Gründung und landwirtschaftliche Anfänge (1817–um 1900)

Im Jahr 1817 gründeten Georg Engelbert Hülsmann und seine Ehefrau Anna Catharine geb. Schulte-Altendorneburg die Kornbrennerei Hülsmann als landwirtschaftlichen Nebenbetrieb. Wie vielerorts in Westfalen diente das Brennen von Korn der Verwertung eigener Getreideerträge und stellte eine zusätzliche Einnahmequelle dar.

Der Betrieb befand sich an der heutigen Holsterhauser Straße und lag verkehrsgünstig nahe der Dorstener Straße. Bereits früh entwickelte sich die Brennerei zu einem festen Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens in Holsterhausen.

Ihr Sohn Heinrich Hülsmann heiratete 1852 die Witwe des Wirtes und Brauereibesitzers Georg Markmann und wurde Begründer der Hülsmann Brauerei in Eickel.

Ausbau zum gewerblichen Unternehmen (um 1900–1945)

Um die Jahrhundertwende erfolgte ein entscheidender Entwicklungsschritt: Durch Neuerrichtung der Brennereianlagen sowie den Zukauf zusätzlicher Brennrechte entstand aus dem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb ein gewerbliches Unternehmen.

Zum Sortiment gehörten nun neben Kornbränden:

  • in- und ausländische Weine
  • Sekt
  • Markenspirituosen
  • alkoholfreie Getränke (Mineralwasser)

Die Gebäudeanlage umfasste:

  • die Brennerei an der Holsterhauser Straße 73
  • die repräsentative „weiße Villa“ (Holsterhauser Straße 72)
  • ein Kutscherhaus

Die 1901 errichtete Villa lag auf dem Gelände der heutigen Hiberniaschule und unterstrich den wirtschaftlichen Erfolg der Familie.

Modernisierung und Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1970er Jahre)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Brennereianlagen umfassend modernisiert und in ihrer Kapazität erweitert. Der Betrieb befand sich mittlerweile in fünfter Generation im Familienbesitz.

Der Firmenleitspruch lautete:
„Tradition verpflichtet.“

Hohe Auszeichnungen bei Qualitätsprüfungen durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) bestätigten den Qualitätsanspruch des Hauses.

Zu den beliebtesten Erzeugnissen zählten:

  • Weizenkorn
  • Doppel-Wacholder
  • Herrenlikör „Dorneburger“

Diese Produkte waren sowohl in der Gastronomie als auch im Groß- und Einzelhandel stark gefragt.

Die Lage des Betriebes zwischen Holsterhauser Straße und Brennerstraße, mit Blick auf die Kühltürme der Zeche Shamrock, dokumentiert die enge Verbindung von Landwirtschaft, Industrie und Handwerk im nördlichen Ruhrgebiet.

Abriss und Ende der Brennerei (1974)

Im Jahr 1974 fielen sowohl die Brennerei an der Holsterhauser Straße 73 als auch die gegenüberliegende Firmenvilla den Verbreiterungsarbeiten an der Dorstener Straße zum Opfer. Die Spitzhacke beendete damit die über 150-jährige Geschichte des Betriebes an diesem Standort.

Auf dem hinteren Betriebsgelände entstand Anfang 1980 ein Wohnhaus mit 18 Wohneinheiten (Dorstener Straße 177). Ein zuvor dort befindlicher Kleinbunker wurde im Zuge weiterer Straßenumbauten entfernt.

Erinnerung und Nachwirkung

Erhalten geblieben sind:

  • der Straßenname Brennerstraße, der bereits im Gemeinde-Atlas von Eickel von 1823 verzeichnet ist
  • historische Marken und Etiketten der Brennerei
  • zahlreiche Fotografien und Dokumente aus Familienbesitz

Die Brennerei Hülsmann steht beispielhaft für die Entwicklung vieler westfälischer Familienbetriebe: vom landwirtschaftlichen Nebenerwerb über industrielle Modernisierung bis hin zum Strukturwandel der 1970er Jahre.

Gemeinsam mit der Brauerei Hülsmann in Eickel dokumentiert sie die wirtschaftliche Vielseitigkeit der Familie Hülsmann und ihre nachhaltige Prägung der lokalen Geschichte.

Quellen

  • 25 Jahre Stadt Wanne-Eickel, 1954
  • Kultur- und Wirtschaftschronik für die Stadt Wanne-Eickel, 1971
  • Interview mit Dieter Hülsmann, 16. Oktober 2012

Siehe auch


Einzelnachweise