Woher sie kamen - Niederlassung jüdischer Familien in Herne und Eickel

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Autor Kurt Tohermes
Erscheinungsdatum 1987, in: Sie werden nicht vergessen sein, S. 14

Die erste jüdische Familie, die sich im Gebiet der heutigen Stadt Herne niederließ, war die Familie Leeser in Eickel. Die Metzgerfamilie kam während der französischen Besetzung um 1806 aus Sobernheim an der Nahe bei Kreuznach. Aus dem Gebiet am Rhein zwischen Bonn und Koblenz siedelte sich die Mehrzahl der ersten Juden hier an. So kam der Fleischergeselle David Jonas 1842 aus Neuwied nach Herne, um die Tochter des hiesigen Metzgers Salomon zu ehelichen. Um 1846 heiratete ein Sohn desselben Metzgers Susanna Jacoby, die aus Brohl bei Niederbreisig stammte. Zur gleichen Zeit blieb der Kunstreiter Adolph Blumenfeld aus einem Ort bei Beuel in Eickel, weil er eine weitere Tochter des Herner Metzgers Salomon heiratete. Salomon Salomon selbst war der erste jüdische Bürger in Herne und aus Herlinghausen bei Warburg hierher gekommen. Die Zahl der jüdischen Gläubigen wuchs nur langsam. 1860 zog Herman Lazarus aus Niederbreisig nach Eickel und erhöhte damit die Anzahl der jüdischen Familien auf drei. Die erste Zuzugsperiode, die hauptsächlich rheinische Juden nach Herne und Eickel brachte, war dann vorläufig beendet. Zu den jüdischen Familien rheinischer Landsmannschaft waren noch zwei Familien aus Westerkappeln und Mülheim an der Ruhr nach Herne bzw. Eickel gezogen.

Die beginnende industrielle Erschließung auf dem Gebiet der jetzigen Stadt Herne brachte eine zweite kleinere Zuzugswelle jüdischer Bürger mit sich. Vom Niederrhein, hauptsächlich aus Moers und Umgebung, zogen einige Familien nach Herne, Eickel und Wanne, so die Familien Heimann, Gordon, Klestadt und Marx.

Um die Jahrhundertwende warben die ansässigen Zechen in westpreußischen, später auch in ostpreußischen (Masurenaufruf, 1908) und polnischen Gebieten Arbeiter an, unter denen sich auch jüdische Gläubige befanden. Vereinzelt zogen auch Juden aus der Tschechoslowakei zu. Durch den Ersten Weltkrieg wurde diese Zuzugsperiode unterbrochen. 1919 und 1920 zogen viele Juden aus den Gebieten, die das Deutsche Reich an Polen abtreten musste, in das Ruhrgebiet. Ein anderer Teil von ihnen versprach sich in Frankreich und Belgien weit bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Diese Hoffnungen wurden jedoch durch Inflation und Weltwirtschaftskrise zerstört. Aus diesen Gründen zogen einige Ostjuden nach Herne und Wanne-Eickel zurück.

Auch in der Zeit der Industrialisierung kamen wieder jüdische Familien vom Mittelrhein in die hiesige Gegend. Im Gegensatz zu der ersten Zuzugswelle aus diesem Gebiet waren die wachsenden Zechensiedlungen Anlass für Kaufmannsfamilien, sich in Herne, Wanne oder Eickel niederzulassen. Hier sei als ein Beispiel an die Familie Hirsch erinnert, die in Herne und Wanne mehrere Geschäfte eröffnete.

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Quellen

Sie werden nicht vergessen sein - Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel (Ausstellungsdokumentation), Herausgeber: Der Oberstadtdirektor der Stadt Herne, 1987