Vor 200 Jahren Grundstein gelegt (WR 1964)

Kossems Haus feiert Geburtstag / Drögenkamp 10a erhielt ein Festtagskleid

HERNER RANDSCHAU
Vor 200 Jahren Grundstein gelegt

1742 starb der letzte Ritter aus der Hauptlinie der Strünkeder, Johann Konrad. 1757, zwölf Jahre vor der Geburt Napoleon I., weilten die Franzosen zum zweiten Male in unserer Heimat. Um diese Zeit wird Herne als ein aus 116 Häusern bestehendes Kirchspiel bezeichnet. Und heute, vor genau 200 Jahren, am 4. Juli 1764, legte Johann Jürgen Kossem den Grundstein zu einem der ältesten Häuser in Herne, zum ehemaligen Haus Schnittstraße 1, und nun Drögenkamp 10a in Baukau.

Das Haus, in dem der Kötter Kossem (Schreibname Koßmann) und seine Frau Anamargarete Hob aus Hiltrop (Schreibname Hoppe) ihre Kleine Landwirtschaft betrieben, hat zwei Jahrhunderten getrotzt und bietet am Tage seines 200. Geburtstages noch zwei Herner Familien Obdach.

Wann Johann Kossem das Haus verkaufte, läßt sich heute nicht mehr nachprüfen. Als Besitzer tauchte später eine Familie Sichtermann auf, deren Nachkommen noch heute in Baukau an der La-Roche-Straße leben. Von Sichtermanns übernahm die Hafengesellschaft Herne-Wanne-Eickel das alte Fachwerkhaus, das sich heute noch, wie auch das Land ringsum, in ihrem Besitz befindet.

Um die Jahrhundertwende wurde der alte Kotten von einer Familie Oeing bewohnt, 1917 zog die Familie Neubert hinzu. 1921 wurde hier Sohn Franz geboren. Er blieb seiner Geburtsstätte treu. Heute Schachtmeister und verheiratet, bewohnt er die Wohnung der Nordseite. Die ebenfalls zur Wohnung umgebauten Wirtschaftsräume auf der Südseite, werden von der Familie Jakert, Schwester und Schwager von Franz Neubert, bewohnt.

Beide Männer haben in wochenlanger Arbeit dem Haus zum 200. Geburtstag ein Festtagskleid angelegt. Die Fenster wurden grün gestrichen, die soliden eichenen Balken und Bretter des Fachwerks schwarz nachgezogen und die Inschrift des Deelenbalkens renoviert. Deutlich ist nun wieder die alte Inschrift zu lesen: „Die Gerechten erben dts Land und bleiben Dein.
Der Mund des Gerechten redet die Weisheit und sein Auge lehrt das Rechte. Psalm 37 V. 79.

Die Neuberts fühlen sich in den kleinen, aber gemütlichen Räumen des alten Kottens wohl. Anschluß an das Stromnetz erhielten sie erst Mitte 1953, bis dahin dienten noch Petroleumlampen zur Beleuchtung. Auch fließendes Wasser gab es lange nicht im Drögenkamp 10 a. Johann Kossem pumpte noch das Wasser aus einem Brunnen, später wurde der Brunnen durch eine Handpumpe ersetzt, und Wasserleitungen gibt es noch nicht viel länger im Haus als elektrisches Licht. Auf Gas verzichteten die Neuberts noch immer.

Aber das betrachten sie nicht weiter als nachteilig, ist man doch inzwischen vom Gas zum Strom als Energiequelle übergegangen.

Museumsdirektor Brand, den wir über die Geschichte des alten Hauses befragten, konnte nur wenig Auskunft über den alten Bau geben. Er hat für ihn als Heimatkundler weniger Bedeutung, da der Kotten bereits nicht mehr im alten Stil der niedersächsischen Bauernhäuser gebaut ist. Letztes auf Herner Gebiet stehendes Kulturdenk-mal westfälischen Bauerntums ist der Weusthofsche Hof, von der Wiescherstraße aus zu erreichen. [1]

Zugehörige Artikel

Siehe auch


Einzelnachweise

  • Stadtarchiv Herne: Ordner Bauernhöfe und Kotten in Herne.
  1. Text aus dem Originalartikel der Westfälischen Rundschau vom Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 1964