Tätigkeitsbericht 9 des Lehrlings Gerd Schug

Historisches Zeitdokument
Tätigkeitsbericht 9

Bericht eines Lehrlings über die Orga­ni­sa­tion und die Be­triebs­abläufe in einem mittel­stän­dischen Indus­trie­unter­nehmen der 1950er Jahre.

Tätigkeitsbericht des Lehrlings Gerd Schug
für die Zeit vom 1.10.1957 bis 31.3.1958
Arbeitsgebiet (Abteilung): Buchhaltung Bericht Nr. 9
der Hannoverschen Grubenholzindustrie
Für Betriebe von einer bestimmten Größe an ist vom Staat aus die Buchhaltung vorgeschrieben.

Die meisten Betriebe behandeln die Buchhaltung mit besonderer Sorgfalt, weil die Buchhaltung in erster Linie Auskunft über Schulden und Vermögen gibt. Die Art der Buchhaltung bleibt jedem Betriebe selbst überlassen. Die Auswahl liegt bei 4 Arten und zwar

1. die einfache Buchführung
2. die doppelte Buchführung
3. die Durchschreibebuchführung
4. die maschinelle Buchführung

In meinem Betriebe wird mit der Durchschreibebuchführung gearbeitet. Bei der Durchschreibebuchführung gibt es keine gebundenen Blätter mehr, sondern lose Journal- und Kontenblätter. Es hat den vorteil, daß man mit einem Arbeitsgang zwei Buchungen vornehmen kann. Dadurch vermeidet man

Übertragunsfehler und erhöht die Kontrollmöglichkeit durch Abschließen des Journalblattes. Es ließe sich daher jeden Monat eine Probebilanz aufstellen. Man benötigt für die Durchschreibebuchführung einen Buchungsapparat, bestehend aus einer Schreibplatte mit mehreren Einspannschienen zum Festhalten der zu beschriftenden Formulare. Ferner noch einen Klassierungskasten mit Einrichtung und einem Kontonummernregister. In dem Klassierungskasten folgen zuerst die Kontenkarten der Sachkonten, dann die der Kunden und zuletzt die der Lieferanten. Die Kunden- und. Lieferantenkarten sind alphabetisch geordnet.

Unsere Finanzbuchhaltung, eine Betriebsbuchhaltung führen wir nicht, erfaßt folgende Kontenklassen:

0 : Ruhende Konten
1 : Finanzkonten
2 : Abgrenzungskonten
3 : Konten der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
4 : Konten der Kostenarten
8 : Erlöskonten, Warenverkauf
9 : Abschlusskonten

Die Verbuchung geht in meinem Lehrbetriebe nach folgender Weise:

Zuerst das Verkaufsbuch. Die eingetragenen Rechnungen werden auf die einzelnen Kundenkarten verbucht, und die Gegenbuchuhg erfolgt auf die Kontenklasse 8.

Danach wird das Einkaufsbuch verbucht. Die eingetragenen Abrechnungen werden auf die verschiedenen Lieferantenkarten und die Gegenbuchung geht in die Kontenlklasse 3.

Anschließend werden die verschiedenen Lieferantenrechnungen verbucht. Die erste Buchung gelangt auf die Kontokarte der Lieferanten, die zweite Buchung in die Kontenklasse 4.

Jetzt werden die verschiedenen Beträge der Bücher von der Sparkasse, der Bank und der Betriebskasse verbucht.

Danach wird der Lohn und die sozialen Abgaben verbucht.

Zuletzt erfolgt die verbuchung des Wechsel- und Frachtenbuches.

Sind nun alle diese Buchungen vorgenommen, werden die Debitoren und Kreditoren des jeweiligen Monats aufgestellt. Man kann dadurch erkennen, ob die Buchungen des Monats stimmen. Der Endbetrag aus dem Journal der Kunden wird nun probeweise auf das Konto 140 in die Gut- und Lastschrift übertragen und zu dem Betrag des vorigen Monats zugezählt. Danach wird die kleinere Seite von der größeren abgezogen und man erhält den Saldo der Debitoren. Die Kundenkarten werden nun saldiert und die Salden zusammengezogen. Wenn der Endbetrag der Salden von den Kundenkarten mit dem Betrag des Kontos 140 übereinstimmt, so ist das Journalblatt in Ordnung und kann abgeschlossen werden. In ähnlicher Weise wird auch bei den Lieferanten verfahren. Hier erhält man den Saldo der Kreditoren. Bei den Sachkonten ist es anders. Hier werden sämtliche Beträge der Soll- und Habenseite von den Kontenklassen zusammengezogen und mit dem Endbetrag des Journalblattes verglichen. Stimmen die beiden Endziffern überein, so kann nun das ganze Journalblatt abgeschlossen werden. [1]

Lesen Sie auch

Einzelnachweise

  1. Aus dem Privatarchiv von Gerd E. Schug