Straßen in Wanne-Eickel

Zugegeben, nicht immer hatte Wanne-Eickel solche 1A-Straßen wie heute.

Wolfgang Berke

In den 1920er Jahren gab es nach Regenfällen keine Chance, trockenen Fußes nach Crange zu kommen. [1]

Vor 100 Jahren, bevor die Autos kamen, gab es in Wanne-Eickel nur wenige grob gepflasterte Straßen. Die Dorstener war so eine. Auf ihr rollte schließlich der Fern- und Schwerverkehr. Von Pferden gezogen rumpelten die Wagen der Händler, Kohletransporte und alle möglichen Transitreisende durch Eickel, Holsterhausen, Wanne und Crange. Vielleicht machte der eine oder andere Fahrensmann eine Rast in Löns Mühle, spannte die Pferde aus und stärkte sich, bevor die beschwerliche Tour weiterging. Später, als die Reisenden dann hinter Lenkrädern saßen, hielten sie gelegentlich auch mal bei Löns. Die Mühle war eine moderne Auto-Rast geworden. Heute hat McDonald’s die Rast-Funktion übernommen, in Löns Mühle werkeln inzwischen Zahntechniker.

Löns-Mühle, Poskarte herausgegeben 1936 [2]
Löns Mühle 2015 [3]

Bevor die Autos kamen, mussten die Wanne-Eickeler ihre Karren und Fuhrwerke meist über unbefestigte Wege und Straßen ziehen. Im Sommer staubte es, und bei Regen gruben sich die Räder in den Morast. Wohl dem, der über Kopfsteinpflaster wandelte. Nach und nach wurden immer mehr Straßen in Wanne-Eickel befestigt, und das, was einst die hohe Kunst des Straßenbaus darstellte, das Kopfsteinpflaster nämlich, war in den 1950er und 1960er Jahren dann nur noch lästig: Wie oft bin ich fluchend mit meinem Fahrrad darüber gerumpelt.

In den Siebzigern und Achtzigern machte man alles das wahr, wovon man in Wanne-Eickel jahrzehntelang geträumt hatte. Die Hauptstraße in Wanne wurde endlich Fußgängerzone – und als Entschädigung baute man den Autofahrern schnurgerade und extrabreite Umgehungsstraßen. Straßen, um die uns alle Ruhrgebietsnachbarn beneiden. In Bochum wurde die Herner Straße von vier auf zwei Spuren zurückgebaut. Wanne-Eickel hat die Wakefieldstraße und die Dorstener Straße, vierspurig natürlich, kompromisslos durch Wohnsiedlungen, Gärten und kleine Straßen gezogen. Mit Lärmschutzwänden, riesigen Kreuzungsbereichen und sogar Fuß- und Radwegen. Fehlt nur noch der Verkehr.

Anfang der 1960er Jahre, als erste Pläne für diese Straßen auf den Tisch kamen, ging man von erheblich steigendem Nord-Süd-Verkehr aus, warum auch immer. Wer heute schnell von Nord nach Süd durchs Ruhrgebiet will, nimmt die A43, die 1971 dem Verkehr übergeben wurde. Wer nun glaubt, dass auf der Grundlage dieser neuen Verkehrsverbindung die ursprünglichen Straßenbaupläne noch einmal überprüft worden wären, kennt die Wanne-Eickeler (und auch die Herner) schlecht: Zwar hatten sich die ursprünglichen Voraussetzungen völlig geändert, aber was einmal beschlossen war, war eben beschlossen. Basta. Also wurde gebaut. Allerdings nicht ohne Hindernisse ...


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Quellen

  1. Aus den Beständen des Stadtarchivs
  2. Aus den Beständen des Stadtarchivs
  3. Foto: Thorsten Schmidt 2015
  4. Aus: Das Buch zur Stadt Wanne-Eickel - Mythen, Kult, Rekorde: Eine Zeitreise durchs Herz des Ruhrgebiets, Seiten 107 - 108

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