Spvgg. Röhlinghausen 1913 e.V.

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Spvgg. Röhlinghausen 1913 e.V.
Abkürzung: SV Röhlinghausen
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Vorsitz: Hans-Günther Schwenz
Gründung: 1913
Adresse: Am Alten Hof - 44651 Herne
Homepage: http://www.svroehlinghausen.de/

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Letzte Änderung: 05.12.2020
Geändert von: Harry



Wolfgang Berke

„Fest wie ein Felsenstein steht unser Spielverein“

Die Spannung steigt am Röhlinghauser Markt. Kinder scharren unruhig mit den Füßen, und auch so mancher Herr im Sonntagsstaat schaut öfters auf die Armbanduhr. Dann endlich öffnen sich die Türen der Gaststätte Kreter: Hurra! Die Helden erscheinen im Kampfdress. Bayern München, der Rekordmeister voran, dahinter die wackeren Recken aus Röhinghausen. Nun beginnt der lockere Trab in Richtung Stadion, rhythmisch klackern die Stollen über den Bürgersteig der Edmund-Weber-Straße. Die Kinderschar läuft nebenher, und all die kleinen Gesichter glühen – teils in Ehrfurcht vor den Berühmtheiten, teils in ungezügelter Vorfreude: Wer weiß, ihr Herren Nationalspieler, ob unsere Väter, Brüder, Onkels und Nachbarn euch heute nicht ordentlich Dresche verpassen! Dann schließlich ist der Ascheplatz am Stratmanns Hof erreicht. 10.000 Erwartungsfrohe drängen sich auf den Rängen – das Meisterschaftsmatch kann beginnen.

Seltsame Vision? Im Grunde nicht. Man drehe die Uhr 70 Jahre zurück, tausche die Bayern gegen den damaligen Abonnementsmeister Schalke 04 aus – und schon stimmt die Szenerie exakt. Szepan, Kuzorra & Co. kamen damals des öfteren in unsere Heimatstadt. Aber ob sie wohl gerne kamen? Fraglich, denn immerhin war das Stadion der Spielvereinigung Röhlinghausen eine Festung. Wie ja schon der grün-schwarze Schlachtruf verhieß: „Fest wie ein Felsenstein / steht unser Spielverein“. Wobei die Festung merkwürdigerweise ihre Umkleidekabine in der Waschküche eben jener etwa ein Kilometer entfernten Vereinsgaststätte Kreter hatte. Und dort herrschten saubere Verhältnisse: Nix Dusche und Entmüdungsbecken – nach dem heißen Kampf auf roter Asche erhielt jeder Kämpe eine Schüssel laue Seifenlauge ausgehändigt, geschöpft aus dem großen Waschzuber. Star-Dasein in den Dreißigern.

Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Wenn in Wanne-Eickel jemals Fußball gespielt wurde, dann in Röhlinghausen: 1937 waren die Felsenfesten in die damals höchste Spielklasse, die Gauliga Westfalen, aufgestiegen. Nun war Wanne-Eickel endlich auf der Fußball-Landkarte verzeichnet, gleich auf Anhieb mit einem höchst respektablen vierten Platz!

Beste Saison der Spielvereinigung war 1942/43: Da belegten die Grün-Schwarzen den Dritten, übrigens vor solchen Provinzvereinen wie Borussia Dortmund und VfL Bochum! An Schalke jedoch war kein Vorbeikommen – wiewohl die galaktischen Knappen in jener Spielzeit ihre liebe Mühe mit den Röhlinghausern hatten: Am Stratmanns Hof trennte man sich 1:1, in der Glückauf-Kampfbahn erkämpfte die Spielvereinigung ein 3:3, in einem weiteren Heimspiel lagen die Grün-Schwarzen zur Pause schon mit 2:0 vorne – um das Spiel dann doch noch unglücklich mit 2:3 abzugeben. Dann aber folgte der totale Krieg – mit schrecklichen Auswirkungen: Zehn Röhlinghauser Spieler fielen im Feld.

So stand 1945 der große Neuaufbau an. Dieser sollte durchaus erfolgreich vonstatten gehen, immerhin hatten die Felsenfesten seit jeher brillante Jugendmannschaften. 1947 setzte der Spielbetrieb wieder ein, allerdings mit veränderter Ligenstruktur. Und dummerweise scheiterten die Röhlinghauser denkbar knapp daran, sich für die neue höchste Klasse, die Oberliga, zu qualifizieren. Na ja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dachte man sich, und nahm den Lizenzspielbetrieb in der 2. Liga auf.

1950 jedoch beschlossen die Funktionäre des Westdeutschen Fußballverbandes, ein wenig zu funktionieren – und entzogen der Spielvereinigung kurzerhand die Lizenz: Finanziell zu schwach, die Grün-Schwarzen sollte doch einfach mit dem Turnerbund Eickel fusionieren. Dann ließe sich durchaus über eine Lizenz reden. Ein Vorschlag, der in Röhlinghausen das Blut in Wallung brachte: Ein protestierender Fackelzug wälzte sich durch die Straßen und die flugs anberaumte Mitgliederabstimmung brachte dann das imposante Ergebnis von 1:130 für den Fusionsplan. Also blieb man, was man war – und wurde kurzerhand in die Amateurliga strafversetzt.

Hier rollten die Felsenfesten zunächst alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte und wurden Westfälischer Amateurmeister des Jahres 1951. Das letzte Ruhmesblatt einer großen Fußballgeschichte. Denn was nun folgte, war klar: Einer jungen, spielstarken und ehrgeizigen Mannschaft war der Weg nach oben verbaut. Der Epilog hieß „Röhlinghauser Reste-Rampe“ – die Spieler gingen von der Fahne. Dorthin, wo Erfolg und auch Geld zu haben war. Günter Wilmovius, Stürmer der Meistermannschaft und Schwarm aller Röhlinghauser Girls, wechselte 1951 zunächst zu Schalke, 1961 holte er dann noch mit Werder Bremen den DFB-Pokal. (Übrigens konnte sich Wilmovius an der Weser in seiner Muttersprache unterhalten: Mit im grünweißen Pokalsieger-Team stand der Wanner Willi Soya, ehemals Wanne 11.)

Doch damit nicht genug. Nun stand ein Röhlinghauser Massen-Exodus an: Gleich fünf Spieler verließen die Spielvereinigung, um Nachbarschaftshilfe zu leisten – Duddek, Schirrmacher, Bühner, Ehlert und Sturm schlüpften 1952 ins Trikot des VfL Bochum – und machten dort einen exzellenten Job: 1953 stieg der VfL dank der Röhlinghauser Jungs endlich in die Oberliga auf. Ein anderer grünschwarzer Held hängte die Schuhe altershalber an den Nagel: Ernst Piwoda, über viele Jahre der Kopf der Mannschaft, hatte 1932 im zarten Alter von 17 den Sprung ins Team geschafft. Nun war der halbrechte Supertechniker ein wenig in die Jahre gekommen. Der Rest feierte noch ein allerletztes Fußballfest: 1955 gastierte man zum Pokalspiel bei der Düsseldorfer Fortuna – und schenkte den Profis um Erich Juskowiak und Jupp Derwall sage und schreibe vier Dinger ein! Naja, vielleicht sollte nicht verschwiegen werden, dass die Röhlinghauser dafür auch sieben retour erhielten. Dann aber kam der nächste Stich ins grün-schwarze Fußballherz: Das Mega-Talent des Teams, der nimmermüde Halbstürmer Heiner Kördell, wechselte 1956 zu Schalke, wo er 1958 die Meisterschale in den Himmel stemmen durfte. Und Ende desselben Jahres trug er beim DFB-Auswärtsspiel in Kairo sogar den nationalen Adler auf der Brust.

Aber zurück zu den Felsenfesten. Was folgte, war der freie Fall, bis herab in die Kreisklasse. Dem Stadtteil ging’s nicht gut, unter anderem auch deshalb, weil die Zeche Königsgrube krankte. Und die war dem Spielverein stets eng verbunden. Zweifelsohne waren die Grün-Schwarzen im Grunde ein Zechenverein, so manches Paar Fußballschuhe war aus Königsgruber Arschledern zusammengeschustert worden, und so mancher Dribbelkünstler war hauptberuflich als Kumpel tätig.

Während die Zeche inzwischen gänzlich von der Landkarte und aus dem Stadtbild getilgt wurde, gibt es die Spielvereinigung nach wie vor. Immer noch am Stratmanns Hof. Immer noch in der Kreisliga. Und immer noch mit dem Traum, mal wieder weiter oben mitspielen zu können.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors [1]
Der Text wurde für das Wiki redaktionell bearbeitet. Er stammt aus dem Jahr 2005
Anmerkung
Wohl sind die Namen vieler einstiger Stars, ebenso wie ihre spielerischen Ruhmestaten, längst der Vergessenheit anheimgefallen – aber allein ihr Klang erwärmt die Herzen nach wie vor! Denn unsere Helden hießen 1936: Berlau, Wolski, Nawrocki, Polenz, Matzko, Orzechowski, „Eckel“ Nowicki, Piwoda, Zdero, „Stenz“ Nowicki, Genstwa.

Noch mehr köstliche Sphärenmusik aus anderen Epochen? Bitteschön: Ceppek, Chrystkowiak, Duddek, Grygowski, Jakubowski, Jaronski, „Abba“ Kaisowski, Kaminski, Karpinski, Klaskalla, Kosmalla, Kotzlowski, Kowalewski, Kowski, Lehmanski, Majrczak, Mosakowski, Nawrocki, „Käse“ Prill, Ruttek, „Ede“ Solinski, Zdunek, Zilinski.

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Quellen

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