Ripp (1980) 3

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

QUELLENARBEIT

ehem.
Pädagogische Hochschule Berlin ‚ Historisches Seminar

H E R N E - DIE ENTSTEHUNG EINER RUHRGEBIETSSTADT
Der Einfluss von Bergbau und Industrie auf die Entwicklung der Stadt Herne - anhand einer Festschrift zur Einweihung des Rathauses 1912

von Winfried Ripp


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2.3. Die Entwicklung der Stadt Herne bis zum ersten Weltkrieg

Das Dorf Herne wurde um 900 n.Chr. als 'Haranni' erstmals im Heberegister der Abtei Werden bei Essen erwähnt.

Es war ein Jahrtausend lang ein unbedeutendes Bauerndorf.

Wichtigster Punkt im Dorf-war die alte Kirche, die für die umliegenden Bauernschaften und Einzelhöfe eine-zentrale Funktion hatte. Im Jahre 1561 wurde hier die Reformation eingeführt.[1] 1664 hatte Herne ca. 400 Einwohner‚ 1809 erst 575.[2] Ein Beweis für den Stillstand der Entwicklung dieses unbedeutenden Dorfes.[3]

Infolge des Voranschreitens des Bergbaus von Suden an der Ruhr nach Norden bis zur Emscher wurde in Herne 1856 der erste Schacht der Zeche 'Shamrock' (engl. Kleeblatt) von dem irischen Bergbaupionier Thomas Mulvany in Betrieb genommen war die weitere Entwicklung des Ortes als Bergbaugemeinde, in der sich auch eine bergbauabhängige Eisenindustrie entwickelte, vorherbestimmt.

Eine günstige Verkehrslage durch das Angrenzen der Gemeinde an die erste Eisenbahnlinie der Provinzen Rheinland und Westfalen, der Köln-Mindener Eisenbahn (eröffnet 1847[4]), beschleunigte die Entwicklung des Bergbaus.

Bis zum ersten Weltkrieg wurde ein umfangreiches Eisenbahnnetz geschaffen, das in Herne einen wichtigen Kreuzungspunkt besaß. Zwei der wichtigsten deutschen Wasserstraßen, der Dortmund-Ems-Kanal und der Rhein-Herne-Kanal, wurden durch Hemer Gebiet gebaut.

Im Zuge der Verkehrs- und Industrieentwicklung vergrößerte sich die Bevölkerungszahl ab Mitte des 19. Jahrhunderts rapide. Der weitere Ausbau des Bergbaus besonders in den 'Gründerjahren' 1871/72 machte die Ansiedlung einer großen Zahl von Menschen nötig. Die Zuwanderung westfälischer, rheinländischer und hessischer Bauernsöhne reichte bald nicht mehr aus. Es setzte eine Fernwanderung aus den preußischen Ostprovinzen, besonders aus der polnisch sprechenden Provinz Posen, ein. Die alteingesessene bäuerliche Bevölkerung wurde zahlenmäßig zur Minderheit.

1910 besaß ca. 25 % der Herner Bevölkerung eine fremde Muttersprache (zu 95 Polnisch).[5]

Die Bevölkerungsvermehrung lässt sich aus der folgenden Tabelle ersehen:

Jahr Stadtgebiet v. 1858 Stadtgebiet vom 1.4.1908

(Herne, Baukau, Horsthausen) !!  !!

1809 575 Einw. [6]
1830 795 Einw. [7] 1262 Einw. [8]
1846 938 Einw. [9]
1861 2210 Einw. [10] 2820 Einw. [11]
1871 4417 Einw. [12] ca. 6000 Einw. [13]
1880 7290 Einw. [14] ca. 10000 Einw. [15]
1885 9906 Einw. [16]
1890 13920 Einw. [17] ca. 19000 Einw. [18]
1895 19304 Einw. [19] 26632 Einw. [20]
1900 39590 Einw. [21]
1905 48405 Einw. [22]
1910 57147 Einw. [23]
1913 64560 Einw. [24]



Fortsetzung ...

Dieser Text wurde von Winfried Ripp für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung des Autors einzuholen.
  1. Decker, Johannes Heimatbuch der Stadt Herne,1927, S.175
  2. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41
  3. Croon, Helmuth: Die Einwirkung der Industrialisierung auf die gesellschaftliche Schichtung der Bevölkerung im rheinisch-Westfälischen Industriegebiet, S. 302
  4. Steinberg, H.G. Sozialräumliche Entwicklung und Gliederung des Ruhrgebiets, 1967
  5. Schaefer, H. ‚ a.a.O. ‚ S. 16
  6. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41/42
  7. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41/42
  8. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41/42
  9. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  10. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41/42
  11. Schaefer, H. ‚ a.a.O. ‚ S. 16
  12. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  13. Schaefer, H. ‚ a.a.O. ‚ S. 16
  14. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  15. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41/42
  16. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  17. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  18. Knöll, Heinrich: Herne i.W. ‚ 1928 ‚ S. 41/42
  19. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  20. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  21. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  22. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  23. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102
  24. Steinberg, H.G., a.a.O., S. 40,68,102