Matthäuskirche (Baukau)

Matthäuskirche
Baukau-Matthäus-AK-1905.jpg
Bildinfo: Ansichtskarte aus der Zeit kurz nach der Fertigstellung.
Erbaut: 1898/1900
Stadtbezirk: Herne
Ortsteil: Baukau

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Letzte Änderung: 17.06.2022
Geändert von: Andreas Janik

Die Matthäuskirche in Herne-Mitte ist ein Kirchenbauwerk der Evangelischen Haranni Kirchengemeinde in Herne.

Im Zuge der Industrialisierung vergrößerte sich die Einwohnerzahl Baukaus ebenso wie in allen anderen Teilen unserer Stadt. Obwohl „recht kirchlich gesinnt“[1] konnten allein schon durch die Entfernung eine Teilnahme an den kirchlichen Feiern der Dionysius/Kreuzkirche nicht umfänglich gewährleistet werden.

Schulisch wurde 1866 eine ev. Schule in Baukau gegründet und mit Julius Hegenberg bekam sie ihren ersten Lahrer.

1880 zogen dann, überraschend, wie Hegenberg schrieb, 10 Baukauer in die Repräsentanten der ev. Gemeinde ein:

Landwirth H. Haarmann, Landwirth H. Hoverskamp, Landwirth Fr. Trösken, Landwirth H.Arndt, Landwirth H. Drögenkamp, Gemeindevorsteher H. Kortebusch, Steiger W. Wiesmann, Landwirth H. Sehrbruch, Landwirth W. Zimmermann genannt Papelmann, Landwirth H. Lochthofe, Wirt H. Lackmann und Lehrer Julius Hegenberg

Am 12. November 1894 wurde von 152 Baukauer Bürgern dem Presbyterium der Hauptkirche (Kreuzkirche) ein Schriftstück übergeben, in welchem diese den Bau einer eigenen Kirche und einen eigenen Geistlichen wünschten. Zeitgleich beantragten 320 Baukauer „selbständige“ die Auspfarrung von Herne und die Gründung einer eigenen Gemeinde.[2]. Dieses wurde wohlwollend und mit 30 000 Mark befördert, sodass bereits am 19. September 1896 die evangelische Kirchengemeinde Baukau urkundlich gegründet werden konnte[3] und zum 1. Oktober ihre Gültigkeit bekam.

Das 1. Presbyterium bestand aus den Herren: Landwirt Sehrbruch, Schmiedemeister Jansen, Landwirt Knop, Obermagazinverwalter Weiß, Landwirt Westerworth und Hauptlehrer Hegenberg.[4]

Ende Juli 1897 wurde der erste Pfarrer Heinrich Niedermeier (1867 Oberbauerschaft + 1956 Bochum) ordiniert. Dieser blieb er bis 1937. Niedermeier heiratet am 17. August 1897 Elisabeth Kunsemüller (1876-1958), Tochter des Pastors zu Alswede, wo Niedermeier seine letzte Stelle innehatte. Ihr Sohn Gerhard Niedermeier (1902-1974 war langjähriger Pastor in Bochum-Wiemelhausen.

Zuvor zog die Gemeinde in die Gaststätte Deutsche Eiche an der Bismarckstraße/Kaiserstraße (s.Bild). Dort stellte Gastwirt Carl Sehrbruch einen 170 Quadratmeter großen Saal gegen eine jährliche Entschädigung von 200 Mark für gottesdienstähnliche Zwecke zur Verfügung. Gottesdienste wurden hier von 1896 bis 1900 gefeiert.

Baugeschichte

1897 entbrannte ein Streit, wo die neu zu erbauende Kirche stehen sollte. Die beiden Flächen der Landwirte Sehrbruch/Lochthofe an der Bismarkstraße und ein weiterer des Landwirtes Arndt im Bereich auf den Höfen standen zur Debatte. Erst ein Gutachten zu Bergbauschäden entschied die Wahl zugunsten der Bismarckstraße.

Die Pläne stammen vom Karl Siebold (* 18. November 1854 in Schildesche, heute Bielefeld; † 16. Juli 1937 in Gadderbaum heute Bielefeld.) dem damaligen Leiter der von Bodelschwinghschen Bauverwaltung in Bethel und späterer Leiter des Provinzialkirchlichen Bauamtes.[5] Die Bauarbeiten wurden vom Baukauer Bauunternehmen Ewald Drücke[6] erledigt.

Den Bau finanzierten die allgemeine Kirchensteuer der Gemeinde, ein Provinziale Kollekte und Schenkungen. So stifteten u.a. die Landwirte Sehrbruch und Lochthofe das Kirchengrundstück und die Frau von Forell allein 5000 Mark. Die Gewerkschaft Friedrich der Große 3500 und die Harpener Bergbau AG 1000 Mark.

In der 2. Presbyter Wahl – es schieden turnusmäßig Jansen, Westerworth und Hegenberg aus – wurden Jansen, Hegenberg und neu Schulte gen. Kulkmann gewählt.

Im Herbst 1898 wurde mit dem Bau begonnen. 1899 fand die Grundsteinlegung für die evangelische Kirche statt. Die innere Ausstattung war aber noch nicht bereit, daher konnte erst am 28. März 1900 die Kirche eingeweiht werden.

Zur Einweihung schenkte die in diesem Sinne sehr spendable Kaiserin Auguste der Gemeinde eine aufwendige Bibel.[7]

Denkmal

Seit dem 4. März 1988 steht die Kirche unter Denkmalschutz (Reg. Nr. 29). In der Erläuterung heißt es:

"Die Kirche ist als Backsteinbau in neugotischen Formen errichtet. Sie ist eine Emporenhalle mit flach schließendem Chor. In der gesamten Baugestalt ist sie als typischer Vertreter protestantischen Kirchenbaus um 1900 anzusprechen. Die zur Straße gelegene Turmfront wurde im Dachbereich nach Kriegszerstörungen vereinfacht. Die Fassade ist sparsam, aber wirkungsvoll durch drei Portale hervorgehoben. Einheitlich sind alle Details der norddeutschen Backsteingotik des 13.-14. Jahrhunderts entlehnt, aber zu dem historischen Gesamteindruck neu komponiert Trotz der Veränderungen an Turmhelm und Dachformen ist die neugotische Anlage gut erhalten"[8]

1989 wurde die Kirche nach dem Apostel Matthäus benannt.

Am 26. September 2021 feierte die Gemeinde ihr 125jähriges Bestehen. Zum 1. Juli 2022 ging die Gemeinde in die neue evangelische Kirchengemeinde Haranni auf.

Ausstattung

Glocken. Die drei Glocken stammen aus dem Jahre 1899 und sind vom Bochumer Verein geliefert worden.

  1. “Glaube“ in c
  2. “Liebe“ in es
  3. “Hoffnung“ in g.

Fenster

Das große Chorfenster der Bauphase zeigte „Christus erschein den Jüngern“. Durch die Zerstörungen des letzen Weltkrieges ist heute Christi Auferstehung nach Matthäus zu sehen: Ein Engel verkündet den Frauen, die das Grab offen vorfinden, dass der Herr nicht hier ist. Links: der zwölfjährige Jesus im Tempel, Speisung der Fünftausend. Rechts: Hochzeit zu Kana, Taufe Jesu im Jordan. Oben im zentralen Rundfenster das Lamm mit Siegesfahne als Überwinder von Sünde (die Schlange des Sündenfalls links unten im Hauptfenster) und Tod (Schlange mit Kreuz rechts unten im Hauptfenster). Alle Fenster der Kirche sind Werke des Herner Professors Wilhelm Strauß (1902-1985)[9] und stammen aus dem Jahr 1952.

Orgel

Die Orgel wurde von der Firma Furtwängler & Hammer aus Hannover im Herbst 1900 eingerichtet.

Literatur

  • Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Baukau 1896-1996. Herne 1996.

Weblinks

Homepage der Matthäuskirchengemeinde Herne abgerufen am 14. Juli 2022.

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Lesen Sie auch


Einzelnachweise

  1. vgl. Hegenberg, S. 13
  2. Köchling 1963, S. 85
  3. ebd.
  4. Hegenberg S. 217
  5. Vgl.: wikipedia.org Karl Siebold. Abgerufen am 14. Juni 2022
  6. 1908 auf der Bismarckstraße 10 wohnhaft.
  7. vgl. Geck, Albrecht: Kirche, Kunst, Kultur: Recklinghausen und darüber hinaus. Münster 2013, S. 48
  8. Stadt Herne. abgerufen am 17. Juni 2022
  9. 1954 auf der Hermann-Löns-Straße 22 ansässig. Er war Mitglied im Herner Künstlerbund und dozierte an der Werkkunstschule Dortmund. Einer seiner Schüler war Gerhard Konopa.