Kaufhäuser in Wanne-Eickel

In Wanne-Eickel gab es mal Kaufhäuser ...

Wolfgang Berke

In Wanne-Eickel gab es mal Kaufhäuser. Es gab sie sogar noch früher – in Wanne, in Eickel und sogar in Röhlinghausen. Allerdings waren die meisten dieser Läden keine Vollkaufhäuser im heutigen Sinne. Meist beschränkten sie sich auf ein Warensegment, das sie dann aber ausgesprochen ordentlich anboten. Ob Bekleidung, ob Haushaltswaren, zu Beginn des 20. Jahrhunderts schien Wanne-Eickel für Handelsunternehmungen dieser Art ein durchaus gutes Pflaster zu sein. Namen wie Bresser in Eickel, Denis in Röhlinghausen oder Franken in Wanne sind vielen auch heute noch ein Begriff.

Etliche große und populäre Warenhäuser in Wanne-Eickel wurden von jüdischen Kaufleuten gegründet und betrieben. Zum Beispiel die beiden Häuser der Gebrüder Kaufmann an der Herzogstraße und an der Hauptstraße in Eickel. Das große Geschäft an der Herzogstraße war weit über die Grenzen der Gemeinde Eickel bekannt: Seine mehr als 20 Schaufenster über zwei Etagen waren eine kleine Sensation.

In den dunkelsten Stunden der Wanne-Eickeler Geschichte verschwanden die Kaufmanns, die Weinbergs, die Baums und die Sommers aus Wanne-Eickel. Ihre Häuser mussten sie für einen Spottpreis an „deutsche Volksgenossen“ verkaufen, wenn sie überhaupt einen Pfennig für ihr Hab und Gut bekamen. Die gut gehenden Läden wurden arisiert, die jüdischen Namen aus dem Stadtbild getilgt – und, wenn es sein musste, auch aus Postkarten herausretuschiert, wie im Falle von Sommer & Co an der Plutostraße in Röhlinghausen. Hier pinselte ein Geschichtsfälscher einfach „Becker“ drüber. Auch die Woolworth an der Hauptstraße/Ecke Parkstraße wurde 1939, nur wenige Jahre nach ihrer Eröffnung in Wanne, von den braunen Machthabern arisiert. Nach dem Krieg bekam der amerikanische Konzern sein Warenhaus wieder zurück. Die Juden kamen nicht wieder zurück, die meisten von ihnen waren tot.

Im Nachkriegs-Wanne eröffnete 1950 die Firma Theodor Althoff ein Textil-Kaufhaus an der Hauptstraße/Ecke Claudiusstraße. Der Laden florierte und die Wanner Innenstadt hatte einen Einkaufsmagneten, der von einer Reihe guter Fachgeschäfte umgeben war. Die Firma Althoff gehörte seit 1920 zum Karstadt-Konzern, führte ihre Häuser aber weiter unter eigenem Namen. Als sich dann Ende der 1960er Jahre Hertie in Wanne-Eickel ankündigte, sattelte Althoff noch mal drauf. Genau zwei Geschosse – und firmierte fortan als Karstadt. Hertie kam trotzdem, 1970 wurde das umstrittene Kaufhaus neben der Christuskirche eröffnet.

Obwohl bei uns „progressiven Jugendlichen“ verpönt, wurde es doch regelmäßig frequentiert. Die Cafeteria im Obergeschoss wurde bald der zentrale Samstagmittag-Treffpunkt für Horden von Schülern. Die Kellner nervten mit permanenten Getränke-Offerten, die Geschäftsleitung warf raus, erteilte Hausverbote und erdachte immer neue Vorschriften zur Abschreckung der lästigen Besucher. Auf der anderen Seite wurden die jungen Leute wieder umworben, mit einer Autogrammstunde von Peter Maffay im Jahre 1972 zum Beispiel. Nutzte aber nichts, die Schallplatten- und Musikabteilung nahm niemand von uns wirklich ernst.

Karstadt musste bald das Feld räumen. Auch der Zergliederung der riesigen Verkaufsfläche in viele kleine Läden war wenig Erfolg beschieden. Heute sind Teile der Verwaltung in dem Haus untergebracht, manches steht leer. Und der Triumphator Hertie? Schaffte es noch bis in die 1980er Jahre, wurde dann zergliedert in viele kleine Läden ... wenig Erfolg ... Teile der Verwaltung ... usw.

Heute hätte das Kräftemessen der beiden Kaufhäuser nicht mehr stattfinden müssen, Hertie und Karstadt gehören längst zum selben Konzern. Aber der scheint, wie auch andere Kaufhausketten, keine Lust mehr auf Wanne-Eickel zu verspüren.


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