Jürgen Sunderwerth

Jürgen Sunderwerth (geboren 1940 in Sodingen) ist ein ehemaliger Bergmann, Mitglied der Grubenwehr, Ausbilder, Knappschaftsältester.

Jürgen Sunderwerth mit Helm aus dem Jahre 1965
Sunderwerth 5. v.l. im Kreis der FdG Grubenwehr, links Oberführer Waldemar Hoppe am letzten FdG Förderwagen.

Friedhelm Wessel [1]

Bergbau liegt den Sunderwerths im Blut

Weil seine männlichen Verwandten bei Familientreffen so schönen Dönekes und Anekdoten vom Pütt erzählten, stand für den 1940 in Sodingen geborenen Jürgen Sunderwerth fest: Wenn ich die Schule verlasse, lege ich auf Mont-Cenis an. Dort malochten bereits Großvater, Vater und weitere männliche Verwandte und Bekannte. Den Schritt, Bergmann zu werden, hat der vielseitig interessierte Sodinger aber nie bereut. Nach seiner bergmännischen Ausbildung arbeitete Jürgen Sunderwerth lange vor Kohle. „Auf Mont-Cenis gab es viele Flöze in steiler Lagerung“, erzählt der EX-Kumpel, der seit Jahren in einem der ehemaligen Steigerhäuser auf der oberen Mont-Cenis-Straße lebt.

1963 trat Jürgen Sunderwerth in die Grubenwehr ein. „Ich ging zum damaligen Oberführer Repons und bat um Aufnahme.“ erzählt der Sodinger. Doch der damalige Werksleiter und Grubenwehrchef berief erst eine Aufnahmerunde ein. „Sie blickten dabei sogar auf mein Schichtenbild“, lacht Sunderwerth, der dann aber ohne Zögern aufgenommen wurde.

Im Laufe seiner langen bergmännischen Laufbahn bis 1990 hat Jürgen Sunderwerth viel erlebt. „Als Berglehrling und später als Knappe hing ich oft am Seil meines Vaters,“ erzählt Sunderwerth weiter, denn Friedrich Sunderwerth war auf Mont-Cenis als Fördermaschinist tätig. Auch an den 22. Juli 1965 erinnert sich der ehemalige Grubenwehrmann noch ganz genau. „Ich hatte Morgenschicht, war schon in der Kaue, als wir alarmiert wurden. Wir fuhren also wieder an, waren der 1. Reservetrupp, der in Karl zum Einsatz kommen sollte,“ berichtet Sunderwerth weiter. „An der Einsatzstelle halfen wir unseren Kameraden beim Anlegen der Ausrüstung und Anziehen der Flammschutzanzüge. Von diesem Trupp kehrte aber nur ein Mann lebend zurück. Unter den Toten befand sich auch der damalige Oberführer Repons,“ erzählt der Sodinger. „Erst ein Grollen, dann folgte eine riesige Druckwelle. Alle, die sich in der Einsatzstelle befanden, suchten irgendwo Deckung, nachdem sich der Staub gelegt hatte, sahen wir das Ausmaß der Explosion, die sogar zwei Wettertüren in der Strecke aus den Angeln gerissen hatte“, berichtet Sunderwerth, dessen Einsatz an diesem Tag erst weit nach Mitternacht endete, weiter.

Trotz dieser Katastrophe blieb Jürgen Sunderwerth in der Grubenwehr, war anschließend noch bei Einsätzen auf Constantin und Friedrich der Große dabei. „Nichts dramatisches, aber jedenfalls war hier das Können der Wehr gefragt“, betonte Sunderwerth, der auch nach dem Zusammenschluss von Friedrich der Große und Mont-Cenis gerne mit dem neuen Oberführer Waldemar Hoppe und Gerätewart Adolf Freese zusammenarbeitete.

Bereits 1955 war Jürgen Sunderwerth in die Gewerkschaft IG Bergbau eingetreten, später wurde er auf Mont-Cenis Mitglied des Betriebsrates. 1976 ging der Sodinger dann in die Ausbildung, „Ich habe immer gerne mit Jugendlichen gearbeitet,“ verriet der langjährige Kumpel, der nach der Schließung von FdG/MC zur Schachtanlage Blumenthal in Recklinghausen wechselte. Auch hier war der ehemalige Grubenwehrmann in der Ausbildung tätig: „Unser damaliges Lehrrevier mit einem Hobelstreb galt als vorbildlich, wir waren sogar voll in die Produktion eingebunden".

Sunderwerth hat viele Ehrenämter bekleidet, war für die SPD im Bezirk, war Stellvertreter des Vorsitzenden der Lehrlingsprüfungskommission und Schöffe. Aber auch als „Knappschaftsältester“ hat sich Sunderwerth einen guten Ruf erworben. Seit 1988 berät der Sodinger in seinem kleinen Büro, das mit Arschleder, Lampen und anderen bergmännischen Utensilien verziert ist, Versicherte. „Früher waren es mehr, ich hatte einen sehr großen Bezirk“, unterstreicht der bekannte Sodinger, der vielfach für sein bürgerschaftliches Engagement geehrt wurde: Goldenes Grubenwehrabzeichen und Bundesverdienstkreuz gehören natürlich dazu.

Im Haus Sunderwerth wird auch heute noch die bergmännische Tradition gepflegt, sein Sohn Uwe, der im großen MC-Unglücksjahr 1965 geboren wurde, ging nach der Schulzeit ebenfalls zum Pütt – wurde Elektriker und wurde natürlich während der Ausbildungszeit auf Blumenthal für drei Monate einem Ausbilder namens Jürgen Sunderweth zugeteilt. Heute ist Uwe Sunderwerth Elektroingenieur und arbeitet für die RAG-Stiftung: Sein Aufgabenbereich: Die Entwässerung ehemaliger Revierzechen. Dass sich auch heute noch bei Famlientreffen der Sunderwerths (fast) alles um den Pütt dreht, versteht sich eigentlich von selbst - ist Tradition.

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Quellen

  1. Dieser Text wurde von Friedhelm Wessel zur Verfügung gestellt. Der Text darf nicht ohne Genehmigung verändert oder weitergegeben werden.