Jüdisches Leben nach 1945

Der 8. Mai 1945 beendete das zwölfjährige Martyrium der europäischen Juden, dessen Folgen bis in die Gegenwart reichen. Die neue Stadtverwaltung in Herne bemühte sich unter den gegebenen Umständen, ihren jüdischen Bürgern zu helfen. "Nach dem Krieg hatte die Herner Stadtverwaltung meine Brüder von Bergen-Belsen abgeholt. Rudolf war im Evangelischen Krankenhaus mit Tuberkulose, und Manfred war sehr lange im Krankenhaus, er war nur ein Skelett. Meine Brüder haben bis 1947 in Herne gewohnt. ... Mein Vater war bis 1947 in der (englischen, Anmerkung des Verfassers) Armee in Italien. Er kam aber nach Herne, uns zu besuchen nach dem Krieg. Wir wohnten nach dem Krieg in der Bochumer Straße bei guten Bekannten, dann gab uns die Stadtverwaltung eine Wohnung. Wir bekamen doppelte Lebensmittelkarten." Soweit der Bericht eines Zeitzeugen. Trotzdem starben einige der ehemaligen KZ-Häftlinge an den Folgen der erlittenen gesundheitlichen Schäden.

Ein "Kreissonderhilfsausschuss" versuchte, die überlebenden Opfer der Nazizeit mit dem Nötigsten zu versorgen. Es wurden sogar wieder jüdische Gottesdienste in einer Wohnung in der Schaeferstraße organisiert. Durch das Verfahren der "Wiedergutmachung" sollten jüdische Mitbürger ihr Eigentum zurückerhalten bzw. für ihre Verluste und die erlittene Haft entschädigt werden. Dieses Verfahren lief langsam und schwerfällig, und nicht alle Opfer wurden berücksichtigt. Trotz aller Mängel konnten sich so einige Herner und Wanne-Eickeler Juden in ihrer alten Heimatstadt eine neue Existenz aufbauen. Doch nicht alle, die zurückgekehrt waren, blieben hier. Einige zogen in andere Städte oder wanderten aus. So nahm die jüdische Bevölkerung in beiden Städten nach 1949 wieder ab. Die Wanne-Eickeler Juden bildeten in der Nachkriegszeit mit Gelsenkirchen eine Kultusgemeinde, während die Herner Juden zusammen mit Bochum und Recklinghausen eine Gemeinde gründeten. Seit der kommunalen Neugliederung 1975 gehörten auch die wenigen verbliebenen Wanne-Eickeler Juden zur Kultusgemeinde Herne-Bochum-Recklinghausen.

In beiden Städten wurden als ein erstes Zeichen der Erinnerung Gedenksteine an die ehemaligen Gemeinden errichtet worden. 1963 wurde auf dem ehemaligen Grundstück der Synagoge in der Schaeferstraße eine Gedenktafel enthüllt. In Wanne-Eickel konnte erst nach einem jahrelangen Ringen ein Platz im Sportpark Wanne-Süd gefunden werden. Im Herbst 1976 wurde der Gedenkstein eingeweiht.

Doch auch die Nachkriegsgeschichte der zurückgekehrten Juden ist nicht von antisemitischen übergriffen verschont geblieben. 1962 war ein jüdisches Ehepaar das Ziel einer antisemitischen Aktion. 1974, 1975, 1979 und 2007 wurde der jüdische Friedhof am Hoverskamp geschändet. 1986 wurde im Vorfeld des NPD-Landesparteitags in Herne die Gedenktafel der Synagoge zweimal mit Farbe übergossen.

Schließlich sollten uns die vereinzelt zu findenden antisemitischen Schmierereien mahnen, die Vergangenheit nicht vorschnell zu verdrängen.

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Quellen

Sie werden nicht vergessen sein - Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel (Ausstellungsdokumentation), Herausgeber: Der Oberstadtdirektor der Stadt Herne, 1987