Hof Beckebaum

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ehemaliger Hof Beckebaum
Letze Änderung: 29.03.2017
Geändert von: Harry
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Professor Achenbach mißfiel „Jerusalem"

Bauer Beckebaum ließ die Heilige Stadt malen - Hbf Wanne-Eickel wahrt Traditionsbegriff

Das ist die Geschichte des Bauern Beckebaum aus der ,,Wanne", dessen Haus und Hof im Jahr 1885 die Reichsbahn erwarb. Bauer Beckebaum ist inzwischen gestorben. Ueber den ehemaligen Grund und Boden rattern heute die Züge. Aber in Eisenbahnerkreisen ist heute noch ein Begriff lebendig, der von Beckebaums Hof entlehnt wurde - "Jerusalem". Heinrich Funke, wohl der einzige Wanne-Eickeler, der Heimatgeschichten aus dem eigenen Gesichtskreis formen konnte, weiß darüber zu berichten . . .

Etwa 200 m in Verlängerung der Oststraße gen Süden, auf dem jetzigen Bahngelände, lag inmitten eines Eichenkamps Beckebaums Hof. Die beiden letzten Besitzer hießen Schumacher, sie hatten jedoch, dem damals üblichen Brauch folgend, den Hofesnamen angenommen. Der einzige Sohn des letzten Bauern ertrank im Hofteich, ein Umstand, der den religiösen Vater veranlaßte, noch mehr als bisher Trost in der Religion zu suchen.

Maler lebte in Freuden

Auf einer Eisenbahnfahrt lernte Beckebaum einen Maler kennen, und bat diesen, in einem leeren Zimmer seines Hauses Darstellungen aus dem Heiligen Land als Wandmalerei anbringen zu lassen. Der Maler siedelte auf den Hof über, erhielt ein Eckzimmer mit zwei Fenstern und malte mit viel Fleiß die Heilige Stadt Jerusalem mit einem Tempel, der Burg Davids, der Klagemauer, den Stadttoren, Gethsemane und dem Oelberg.

Die Ausführung erfolgte in Wasserfarben. Seltsam war, daß der Maler häufig nach Düsseldorf und gar nach Köln fahren mußte, da nur dort die Farbe für ihn zu haben war. Von Anfang an hatte er es durchgesetzt, daß die Verpflegung seinem städtischen Geschmack angepaßt wurde. So lebte er einen ganzen Sommer herrlich und in Freuden.

Urteil war vernichtend

Endlich war das Werk vollendet, der Maler erhielt den vereinbarten Betrag und setzte seinen Wanderstab weiter. Der Name des Malers ist nicht bekannt geblieben, er hieß nur allgemein "Beckebaums Hofmaler". Das war im Jahre 1880. Fünf Jahre später erwarb die Reichsbahn das ungefähr acht Morgen große Grundstück mit Gebäuden für 62 000 Mark. Nun wollte aber Beckebaum sein „Jerusalem" besonders bezahlt haben, aber der Preis für dieses . . . Kunstwerk, den Beckebaum mit 3000 Mark bezifferte, erschien der Bahn zu hoch.
Montelange Verhandlungen führten nicht zum Ziel. Da machte die Reichsbahn den Vorschlag, Professor Achenbach [Andreas Achenbach (1815-1910)[1] ]von der Kunstakademie Düsseldorf als Sachverständigen zu hören. Dessen Urteil war vernichtend. Er bezeichnete die Arbeit als „Schweinerei", die mit 200 Mark mehr als gut bezahlt sei. Diesem Gutachten mußte sich Beckebaum beugen — und Jerusalem fiel zum zweiten Male.

Wo die Heilige Stadt stand, rollten dann die Kohlen- und Güterwagen vom östlichen Rangierberg des Bahnhofs. Als eines Tages ein Bremser diesen Teil des Bahnhofs näher bezeichnen wollte, sagte er „da hinten in Jerusalem". Zuerst belacht, dann aufgegriffen, wurde der Begriff später so allgemein, daß er in amtliche Papiere übernommen wurde. „Jerusalem" gilt heute, nach 70 Jahren noch.

Beckebaum rächte sich

Wilhelm Beckebaum, übrigens ein Urbild des alten, etwas eigensinnig-rechthaberischen westfälischen Bauern, rächte sich aber eines Tages doch noch mit echter Bauernschlauheit für die geringe Bewertung seines "Kunstwerks". Beim Verkauf hatte er ein etwa einen Morgen großes Grundstück behalten, darauf baute er ein großes Mietshaus in der Voraussicht, daß die Bahn ihm eines Tages bei weiterer Vergrößerung des Bahnhofs das Haus abkaufen müßte. Er hatte richtig kalkuliert, die Bahn mußte das Haus teuer erwerben, und so kam er zu einer wenn auch verspäteten Ausgleichssumme für sein „Jerusalem". Beckebaum hat später in der Dortmunder Gegend einen Hof gekauft. Sein Geschlecht ist mit ihm ausgestorben. [2]

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Quellen

  1. wikipedia.org
  2. Originalartikel und Bild aus: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Wanne-Eickel Nr. 56 vom 7. März 1950