Heinrich Wilhelm Wiesche: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Heinrich Wilhelm Wiesche gt. Täpken''' (geboren [[24. September]] [[1837]] Holthausen, gestorben [[14. Januar]] [[1935]] Holthausen) war ein bekannter Holthauser Einwohner.
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'''Heinrich Wilhelm Wiesche gt. Täpken''' (geboren [[24. September]] [[1837]] Holthausen, gestorben [[14. Januar]] [[1935]]<ref>Standesamt Herne, Sterberegister Nr. 1935/36 [https://www.landesarchiv-nrw.de/digitalisate/Abt_Ostwestfalen-Lippe/P6/P6-10/~004/P6-10_00435/OWL_P6-10_00435_00040.jpg Online im Landesarchiv NRW. Abt. Ostwestfalen-Lippe]</ref> Holthausen) war ein bekannter Holthauser Einwohner.
 
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Dabei blieb er, auch aufgrund seines hohen Alters, überaus beliebt. Der Ortschronist [[Friedrich Becker|Friedrich Becker]] schrieb: "''Heinrich Wiesche war natürlich auch Mitglied verschiedener militärischer Vereine, auch die Düppelkämpfer hatten ihren eigenen Bund. Als er schließlich alle Düppelkameraden überlebte, wurde sein Name als „letzter Düppelkämpfer" auch im weiten Umkreis bekannt. Seine letzten Geburtstage gestalteten sich zu echten Dorffesten. Dann war der weite Raum von dem alten Wieschenhause gefüllt von Gratulanten und Zuschauern, eine Reihe von Fahnen flatterte im Wind, Musikchöre lösten einander ab und Festredner gratulierten. Er selbst stand mit seinem weißen Bart, gestützt auf seinen Krückstock, in der Dehlentür, umgeben von der Familie seines Sohnes. Er blieb bis zu seinem Tode in guter geistiger und körperlicher Verfassung. Die Holthauser waren fest davon überzeugt, der „alte Wiesche" würde auch der erste Hundertjährige des Dorfes sein. Aber die Hoffnung erfüllt sich nicht, im Alter von 98 Jahren starb er nach kurzer Krankheit.''"<ref>Stadtarchiv Herne: Nachlass Friedrich Becker: Heinrich Wilhelm Wiesche (1837 -1935) der Düppelkämpfer lebte und starb in Holthausen. Unveröffentl. Manuskript.</ref>
 
Dabei blieb er, auch aufgrund seines hohen Alters, überaus beliebt. Der Ortschronist [[Friedrich Becker|Friedrich Becker]] schrieb: "''Heinrich Wiesche war natürlich auch Mitglied verschiedener militärischer Vereine, auch die Düppelkämpfer hatten ihren eigenen Bund. Als er schließlich alle Düppelkameraden überlebte, wurde sein Name als „letzter Düppelkämpfer" auch im weiten Umkreis bekannt. Seine letzten Geburtstage gestalteten sich zu echten Dorffesten. Dann war der weite Raum von dem alten Wieschenhause gefüllt von Gratulanten und Zuschauern, eine Reihe von Fahnen flatterte im Wind, Musikchöre lösten einander ab und Festredner gratulierten. Er selbst stand mit seinem weißen Bart, gestützt auf seinen Krückstock, in der Dehlentür, umgeben von der Familie seines Sohnes. Er blieb bis zu seinem Tode in guter geistiger und körperlicher Verfassung. Die Holthauser waren fest davon überzeugt, der „alte Wiesche" würde auch der erste Hundertjährige des Dorfes sein. Aber die Hoffnung erfüllt sich nicht, im Alter von 98 Jahren starb er nach kurzer Krankheit.''"<ref>Stadtarchiv Herne: Nachlass Friedrich Becker: Heinrich Wilhelm Wiesche (1837 -1935) der Düppelkämpfer lebte und starb in Holthausen. Unveröffentl. Manuskript.</ref>
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[[Datei:Wiesche 2020-01-13 ULB Münster 61 (1935) (156).png|thumb|Todesanzeige für Heinrich Wiesche im Castroper Anzeiger vom 16. Januar 1935]]
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<big><big>"Opa Wiesches letzte Fahrt</big></big><br>
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Nun hat „Opa Wiesche“ seine letzte Fahrt getan. Donnerstagnachmittag führte ihn ein Trauerzug, wie ihn Holthausen noch nie gesehen hat, hinaus zum Gottesacker, wo er ausruht von seinem fast hundertjährigen Leben.<br>
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In der schwarz verhängten Scheune seines Erbhofes war die sterbliche Hülle des Toten im schlichten, kreuzgeschmückten Eichensarg aufgebahrt, inmitten von brennenden Kerzen von Lorbeerbäumen, Kränzen und Blumen.<br>
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Mitgliedern des Artillerievereins Castrop wurde die Ehre zuteil, den Sarg des ältesten Artilleristen Deutschlands zum Wagen zu tragen. Dumpf hallten vom Holthauser Kirchturm die Schläge der Trauerglocke und mischten sich in die Klänge des Liedes vom guten Kameraden, das die Musik spielte.<br>
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Durch das dichte Spalier all derer die gekommen waren, um sich von dem allverehrten ältesten Volksgenossen unserer Gegend zu verabschieden, setzte sich der unabsehbare Trauerzug in Bewegung. An der Spitze marschierte der Ortsverband der militärischen Vereine von Castrop=Rauxel mit Musik und vielen umflorten Fahnen. Es folgten, ebenfalls mit Musik, der Krieger- und Landwehrverein Holthausen, Fahnenabordnungen des NS=Deutschen Frontkämpferverbundes (Stahlhelm), Börniger und Sodinger Militärvereine, Schützenverein Holthausen, Freiwillige  Feuerwehr Holthausen und die Kreisbauerschaft.<br>
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Unmittelbar vor dem Leichenwagen wurden auf schwarzen Samtkissen die zahlreichen Orden und Ehrenzeichen getragen, die Zeugnis von der Treue des Verstorbenen gegenüber Volk und Vaterland gaben.<br>
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Neben dem auf offenem Wagen ruhenden, mit Kränzen überdeckten Sarge schritten die vom Artillerieverein Castrop gestellten Träger. Dem Wagen folgten die trauerden Hinterbliebenen, die Vertreter benachbarter Bauernschaften, sowie viele, viele Volksgenossen aus allen Schichten und Ständen.<br>
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Mit diesem stattlichen Geleite durchzog der Tote noch einem die Fluren, die seine starke Bauernfaust so viele Jahrzehnte hindurch beackerte.<br>
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Nun ward er selbst als Saat zur ewigen Auferstehung hinab gesenkt in den Schoß der Erde. Mit Rasenmatten und Weidenfäßchen, die der Tote alljährlich mit kindlich froher Liebe als Boten des nahenden Frühlings begrüßt hatte, war die Gruft ausgeschmückt.<br>
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Als der Sarg langsam in sie hineingelassen wurde, erklang ein ergreifender Trauerchoral über den Friedhof, Ehrfurchtsvoll senken sich die vielen Banner und Fahnen vor der Majestät des Todes.<br>
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Pfarrer Klarholt nahm die kirchlichen Zeremonien vor, und die große Trauergemeinde betete mit ihm für die Seelenruhe des Dahingeschiedenen.<br>
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Dann scharfe militärische Kommandos. Die Gewehrgruppe legte an, drei Ehrensalven für den toten Krieger durchschnitten die Stille des Gottesackers und krachten über das offene Grab hin.<br>
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Gedämpft erklang noch einmal das Lied vom guten Kammeraden, während sich die Hände zum letzten Gruß erhoben.<br>
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Die Fahnen von gegen 40 Vereinen senkten sich zum Abschied je dreimal in das Grab des Mannes der länger als ein gewöhnliches Menschenalter in so hohem Maße Volk und Vaterland die Treue hielt und so eifrig für das Allgemeinwohl wirkte.<br>
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Nacheinander traten dann die vielen an das Grab , die Opa Wiesche die letzte Ehre erweisen wollten. Blumen und Erde fielen auf den Sarg und mit ihnen der letzte Gruß von Menschen, die den knorrigen Westfalen, den aufrechten Deutschen, der dort im heimatlichen Boden, den er so sehr geliebt und dem sein ganzes Wirken und Schaffen galt, dem letzten großen Apell entgegen schlummert."<ref>Castroper Anzeiger vom 19. Januar 1935 [https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/6808802 online auf Zeitpunkt.nrw]</ref><br>
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Aktuelle Version vom 14. Januar 2020, 12:23 Uhr

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Heinrich Wilhelm Wiesche gt. Täpken (geboren 24. September 1837 Holthausen, gestorben 14. Januar 1935[1] Holthausen) war ein bekannter Holthauser Einwohner.

Heinrich Wilhelm Wiesche [2]

Schon in jungen Jahren trat er für die Dorfgemeinschaft in die Öffentlichkeit. So gründete er 1857 mit einigen Nachbarjungen den Schützenverein Holthausen. Als Soldat in einem Feldatillerie-Regiment nahm er 1864 am Deutsch-Dänischen Krieg[3] teil und war seit dem als "Düppelkämpfer"[4] bekannt.

Am 2. Juli 1867 heiratete er in der letzten sog. „Gebehochzeit" Maria Alwine Schlingermann aus Obercastrop. Diese starb schon bald (1875) und so heiratete er in 2. Ehe Maria Sybilla Camarina Klein aus Düsseldorf-Itter.

Sein Engegement für Holthausen seitze er fort, indem er von 1896 bis 1908 als Holthauser Gemeindevorsteher und Chef der Feuerwehr ehrenamtlich tätig wurde. Nach diesen Amtsjahren blieb er als Schiedsmann[5] für seine Gemeinde tätig.

Dabei blieb er, auch aufgrund seines hohen Alters, überaus beliebt. Der Ortschronist Friedrich Becker schrieb: "Heinrich Wiesche war natürlich auch Mitglied verschiedener militärischer Vereine, auch die Düppelkämpfer hatten ihren eigenen Bund. Als er schließlich alle Düppelkameraden überlebte, wurde sein Name als „letzter Düppelkämpfer" auch im weiten Umkreis bekannt. Seine letzten Geburtstage gestalteten sich zu echten Dorffesten. Dann war der weite Raum von dem alten Wieschenhause gefüllt von Gratulanten und Zuschauern, eine Reihe von Fahnen flatterte im Wind, Musikchöre lösten einander ab und Festredner gratulierten. Er selbst stand mit seinem weißen Bart, gestützt auf seinen Krückstock, in der Dehlentür, umgeben von der Familie seines Sohnes. Er blieb bis zu seinem Tode in guter geistiger und körperlicher Verfassung. Die Holthauser waren fest davon überzeugt, der „alte Wiesche" würde auch der erste Hundertjährige des Dorfes sein. Aber die Hoffnung erfüllt sich nicht, im Alter von 98 Jahren starb er nach kurzer Krankheit."[6]

Todesanzeige für Heinrich Wiesche im Castroper Anzeiger vom 16. Januar 1935

"Opa Wiesches letzte Fahrt

Nun hat „Opa Wiesche“ seine letzte Fahrt getan. Donnerstagnachmittag führte ihn ein Trauerzug, wie ihn Holthausen noch nie gesehen hat, hinaus zum Gottesacker, wo er ausruht von seinem fast hundertjährigen Leben.
In der schwarz verhängten Scheune seines Erbhofes war die sterbliche Hülle des Toten im schlichten, kreuzgeschmückten Eichensarg aufgebahrt, inmitten von brennenden Kerzen von Lorbeerbäumen, Kränzen und Blumen.
Mitgliedern des Artillerievereins Castrop wurde die Ehre zuteil, den Sarg des ältesten Artilleristen Deutschlands zum Wagen zu tragen. Dumpf hallten vom Holthauser Kirchturm die Schläge der Trauerglocke und mischten sich in die Klänge des Liedes vom guten Kameraden, das die Musik spielte.
Durch das dichte Spalier all derer die gekommen waren, um sich von dem allverehrten ältesten Volksgenossen unserer Gegend zu verabschieden, setzte sich der unabsehbare Trauerzug in Bewegung. An der Spitze marschierte der Ortsverband der militärischen Vereine von Castrop=Rauxel mit Musik und vielen umflorten Fahnen. Es folgten, ebenfalls mit Musik, der Krieger- und Landwehrverein Holthausen, Fahnenabordnungen des NS=Deutschen Frontkämpferverbundes (Stahlhelm), Börniger und Sodinger Militärvereine, Schützenverein Holthausen, Freiwillige Feuerwehr Holthausen und die Kreisbauerschaft.
Unmittelbar vor dem Leichenwagen wurden auf schwarzen Samtkissen die zahlreichen Orden und Ehrenzeichen getragen, die Zeugnis von der Treue des Verstorbenen gegenüber Volk und Vaterland gaben.
Neben dem auf offenem Wagen ruhenden, mit Kränzen überdeckten Sarge schritten die vom Artillerieverein Castrop gestellten Träger. Dem Wagen folgten die trauerden Hinterbliebenen, die Vertreter benachbarter Bauernschaften, sowie viele, viele Volksgenossen aus allen Schichten und Ständen.
Mit diesem stattlichen Geleite durchzog der Tote noch einem die Fluren, die seine starke Bauernfaust so viele Jahrzehnte hindurch beackerte.
Nun ward er selbst als Saat zur ewigen Auferstehung hinab gesenkt in den Schoß der Erde. Mit Rasenmatten und Weidenfäßchen, die der Tote alljährlich mit kindlich froher Liebe als Boten des nahenden Frühlings begrüßt hatte, war die Gruft ausgeschmückt.
Als der Sarg langsam in sie hineingelassen wurde, erklang ein ergreifender Trauerchoral über den Friedhof, Ehrfurchtsvoll senken sich die vielen Banner und Fahnen vor der Majestät des Todes.
Pfarrer Klarholt nahm die kirchlichen Zeremonien vor, und die große Trauergemeinde betete mit ihm für die Seelenruhe des Dahingeschiedenen.
Dann scharfe militärische Kommandos. Die Gewehrgruppe legte an, drei Ehrensalven für den toten Krieger durchschnitten die Stille des Gottesackers und krachten über das offene Grab hin.
Gedämpft erklang noch einmal das Lied vom guten Kammeraden, während sich die Hände zum letzten Gruß erhoben.
Die Fahnen von gegen 40 Vereinen senkten sich zum Abschied je dreimal in das Grab des Mannes der länger als ein gewöhnliches Menschenalter in so hohem Maße Volk und Vaterland die Treue hielt und so eifrig für das Allgemeinwohl wirkte.
Nacheinander traten dann die vielen an das Grab , die Opa Wiesche die letzte Ehre erweisen wollten. Blumen und Erde fielen auf den Sarg und mit ihnen der letzte Gruß von Menschen, die den knorrigen Westfalen, den aufrechten Deutschen, der dort im heimatlichen Boden, den er so sehr geliebt und dem sein ganzes Wirken und Schaffen galt, dem letzten großen Apell entgegen schlummert."[7]


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Quellen

  1. Standesamt Herne, Sterberegister Nr. 1935/36 Online im Landesarchiv NRW. Abt. Ostwestfalen-Lippe
  2. Aus der Sammlung von Gerd E. Schug
  3. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-D%C3%A4nischer_Krieg
  4. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCppeler_Schanzen
  5. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeindliches_Schiedswesen
  6. Stadtarchiv Herne: Nachlass Friedrich Becker: Heinrich Wilhelm Wiesche (1837 -1935) der Düppelkämpfer lebte und starb in Holthausen. Unveröffentl. Manuskript.
  7. Castroper Anzeiger vom 19. Januar 1935 online auf Zeitpunkt.nrw