Hülsmann-Bier

Lieber eine Wanne Eickel als ein Glas Dortmunder

Wolfgang Berke

Eigentlich hieß es häufiger: „Lieber ein Glas Dortmunder als eine Wanne Eickel“ – denn diesen blöden Spruch musste man sich in der Fremde (und die beginnt ja bekanntlich schon in Bochum) immer dann anhören, wenn man sich als Wanne-Eickeler outete und dem Gegenüber partout nicht der Spruch mit dem Mond einfallen wollte.

Wobei sich dann aber wiederum das Gegenüber als jemand outete, der vom Gerstensaft wenig bis gar keine Ahnung hatte. Denn man konnte „Eickel“ tatsächlich trinken, als Eickel Pils nämlich, als ein durch und durch bekömmliches Produkt der Hülsmann-Brauerei. Und dieses schmeckte – ich schwör’s! – tatsächlich besser als so manches Glas Dortmunder. Aus Wannen haben wir es allerdings nie getrunken. Warum auch, man konnte es ja in Flaschen kaufen ...

Eigentlich gab es noch vor 50 Jahren in nahezu jeder Stadt des Ruhrgebiets mindestens eine Brauerei. Also nichts Besonderes für Wanne-Eickel, zumal es vor 100 Jahren noch mehrere Leute in Wanne und Eickel gab, die des Brauens kundig waren. Die Hülsmänner verdankten ihren weiteren Ruf jenem Heinrich, der Mitte des 19. Jahrhunderts das Bier davor bewahrte, 'Markmann' zu heißen. Die Markmänner brauten, wie auch andere Bauern in Eickel, bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert ihr Bier. Als der letzte Markmann starb, heiratete seine Witwe den Heinrich Hülsmann. Der nahm daraufhin flugs einen Kredit über 8.000 Taler auf und setzte neben den kleinen Bauernhof der Markmanns ein respektables Brauhaus.

Die Erfolgsstory nahm ihren Lauf, den dann Werner Hülsmann nach dem Zweiten Weltkrieg zum Zenit führte. Der Enkel des Brauereipioniers leitete das Familienunternehmen bis zu seinem Tod im Jahr 1962. Gebraut hat das Bier aber jemand anderes. Über Jahrzehnte holten sich die Hülsmänner bevorzugt Braumeister aus Bayern. Was uns und allen anderen Bierfreunden in Wanne-Eickel nicht unbedingt geschadet hat.

Wie die Brauerei und ihr Ausstoß über die Jahre kontinuierlicher wuchsen, so vermehrten sich auch die Produkte aus dem Hause Hülsmann: Zum Tafelbier gesellte sich das Pils, alsbald folgten Export, Nährborn (Malz) und Ultra Bock (!). Aus Pils wurde Eickel Pils und später, für den Vertrieb über Laden- und Kaufhausketten, gar Tabo Gold.

Nach Werner Hülsmanns Tod hatte seine Witwe weniger Glück als ihre Schwiegeroma 100 Jahre zuvor. Falsche Berater, falsche Finanzpartner und ein Geschäftsführer mit ausgeprägter Neigung zu falschen Entscheidungen brauchten keine 30 Jahre, um das florierende Unternehmen mit Mann und Maus zu versenken. 1989 war die Pleite besiegelt, drei Jahre später der Großteil der Brauerei maschinell pulverisiert.

Nur das Sud- und Treberhaus blieb unter Denkmalschutz und stehen. Heute wird es als Stadtteilbücherei und städtische Beratungsstelle genutzt. Die Gastronomie im Untergeschoss hat wieder einen neuen Pächter gefunden, nachdem sie eine Weile leer stand.

Und auch der Meistertrunk, der Traditionsausschank neben der ehemaligen Brauerei, ist nach einigen Jahren Leerstand endlich wiederbelebt worden.


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